Zum Glück hatte Marilyn kein Internet.

Schrieb ich neulich noch, dass mein Alter für mich selten ein Thema ist, weil ich schlichtweg nicht ständig darüber nachdenke, muss ich das nun ein wenig korrigieren. Fühle mich nämlich gelegentlich doch wie ein aus der Zeit gefallenes Fossil. Alle, die keinen Bock auf Text haben, folgen jetzt einfach mal diesem Link, der wunderbar die heutige Art der Selbstdarstellung aufs Korn nimmt: Schatz ich hab ein Bild von deiner Oma gefunden – 2016 u. 2090. Der Rest kann weiterlesen. Ich bewundere Audrey Hepburn, Grace Kelly oder Jane Russell und ich liebe Marilyn Monroe. Ich möchte nun nicht zum platinblonden Männertraum werden, aber Marilyn inspiriert mich aus verschiedenen Gründen in vielerlei Hinsicht.

Stellt sich die Frage: Würde ich Marilyn auch bewundern, wenn sie mich auf Instagram, Snapchat, youtube und auf ihrem Blog an ihrem Leben hätte teilhaben lassen? Morgens ein #nomakeup-Schmollmund, dann ein #healthybreakfast. Im Lauf des Tages ein paar #fromwhereistand-Posts mit Blick hinter die Kulissen und ein paar #meandmyfriends-Bildchen mit den berühmten Kollegen. Auch immer  mit dabei: das #yummy #healthyfood vom #lunch und abends natürlich ein vermutlich etwas alkohollastiges #Duckface und das #cozy-Gedöns auf Satin. Dazu gäbe es intime Details, gerne auch mit entsprechenden Bildern garniert, denn Marilyn hätte viel zu erzählen gehabt. Und viel zu zeigen. Selbstverständlich hätte sie auch den einen oder anderen Seelenstriptease hingelegt, denn die seelenkatergebeutelte Marilyn hätte vermutlich und verständlicherweise auch immer mal wieder ihre traumatische Pflegefamilien-Vergangenheit thematisiert. Oder darüber sinniert, wie frustrierend es für sie war, permanent das „blonde Dummchen“ geben zu müssen, weil das nun mal der Kunstfigur entsprach, die sich so gut verkaufte. Vielleicht hätte Marilyn uns zwischendurch auch immer mal wieder ein paar Produkte ans Herz gelegt, etwa #chanelno5, ihre neuen #valentinoshoes oder ihre eigene Schmuckkollektion.

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Magic Goals für Spatzenmenschen.

Überraschung: 2017 steht vor der Tür! Das weiß ich sehr genau, weil ich Menschen folge, die sich Organisation und Life-Coaching auf die Fahnen geschrieben haben und weil ich darüber hinaus auf Facebook einige Male zu oft entsprechende Posts gelikt habe, so dass mir nun ständig Blogeinträge oder Werbeeinblendungen für Kalender, Organizer oder „Plane dein neues (bestes) Jahr und dein Leben“-Workbooks und ähnliches um die Ohren fliegen. Nebenbei bemerkt sind diese Werbeeinblendungen gut. Passgenau. So passgenau, dass ich gar nicht wissen will, was FB noch über mich weiß, aber das ist jetzt nicht das Thema. Nach zwei Werbeinblendungen war mir klar: ich brauche einen Organizer. Nach einem Dutzend Werbeeinblendungen und dem Konsum meiner favorisierten Blogs umd Instagramaccounts wusste ich: einer reicht nicht, ich brauche zwei Organizer. Mindestens. Am liebsten sogar für jeden Lebensbereich einen, andererseits hätte ich dann zu viel Organizer für zu wenig noch zur Verfügung stehende Zeit. Auch blöd.

Außerdem brauche ich Ziele! Viele Ziele! Warum? Weil ich es nötig habe und weil ich nie wieder in einem Workbook schon auf den ersten Seiten ins Straucheln geraten möchte. Nämlich bei den Fragen, wie die bisherigen Ziele aussahen und was ich gerne sonst noch in 2016 erreicht hätte. Nachdem sich diese Fragen einige Tage fröhlich in mein Hirn frästen, wurde mir nämlich klar, dass ich keine konkreten Ziele hatte – nur Wünsche. Und dass diese Wünsche im Sinne der persönlichen Weiterentwicklung nichts taugen. Gar nichts. Ich bin da einfach zu schlicht gestrickt und das fängt schon damit an, dass mich die Tatsache nervt, dass Ziele heute nicht mehr Ziele heißen. Sondern Magic Goals. Klar, das klingt gehaltvoller und nach mehr Sternenstaub und Feenglitzer.

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Mit Glamour gegen den Weltuntergang.

Manchmal möchte ich über meine eigene Dummheit weinen. Als ich neulich schrieb, dass ich anfange das zu meiden, was mir schlechte Laune macht, hatte ich vergessen, dass ich im Oktober ein Mini-Abo der Glamour bestellt hatte. Drei Ausgaben der Glamour für 4,90€ – da machste nichts falsch, dachte ich. Auweia… wie kann man in diesem Alter nur so dämlich sein? Die erste Glamour kam an diesem unschönen Samstagmorgen an und beim ersten Blick aufs Cover zeigte sich: Hey, die Laune ist ja noch nicht ganz unten… es geht noch tiefer. Erstaunlicherweise entpuppte sich nicht die Coverstory „Bin ich zu jung für Botox & Co“ als Stimmungskiller, sondern: „Wir sind noch zu retten! Warum die Welt besser ist, als wir denken“

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Optimize yourself – aber dabei bitte immer schön lässig bleiben…

#kann Ironie enthalten

#muss aber nicht

Um meinen Horizont zu erweitern und mitzubekommen, wohin der Zeitgeist-Hase läuft, halte ich mich diesbezüglich auf dem Laufenden. Allerdings stresst mich das mittlerweile gewaltig, vor allem online ist es die Pest. Denn  wohin ich auch schaue: Ich habe ständig das Gefühl, dass das Leben zunehmend zum Projekt wird, bei dem es immer nur Optimierungsbedarf gibt. Zurücklehnen und das Erreichte würdigen? Klar. Abends bei einem Gläschen Wein oder einem schönen Bad – und tags darauf geht’s dann munter weiter. Da verkniffene Klassenstreber allerdings out sind, muss das alles total unangestrengt, lässig und easy peasy wirken  – und hier kommt die richtige Motivation ins Spiel, denn selbstverständlich stresst uns dieser Zwang zur Optimierung überhaupt nicht, da wir ja auch von Natur aus dafür brennen, die beste Version von uns selbst zu werden. Das wurde uns Frauen quasi in die Wiege gelegt – denn anderenfalls wären wir ja als Kuh zur Welt gekommen, die tagein und tagaus wiederkäuend auf der Weide steht und auf Persönlichkeitsentwicklung schei… äh… pfeift. Wissta Bescheid. Und so ist wohl auch die Urmutter aller Lügen nach Schatz, es ist nicht das, wonach es aussieht entstanden, nämlich: Ach, das ist alles total einfach – ich tue nur das, wofür ich brenne und schon läuft alles wie von selbst, ich muss mich gar nicht anstrengen… 

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Einfach mal die Klappe halten?

Als ich neulich in meinem liebsten Café saß, musste ich leider feststellen, dass ich nicht alleine dort war. Die Rede ist nicht von anderen Gästen, sondern von dem Zeug, das ich allen Ernstes mitgeschleppt hatte. Und so habe ich mich nicht über den leckeren Cappuccino und die tolle Aussicht gefreut, sondern u.a. an die Mail an den Steuerberater gedacht, die ich dringend schreiben muss – seit 5 Wochen – und an einigen anderen Kram. Doch am meisten Raum nahm der Gedanke an eine Unterhaltung ein, die neulich online begonnen hatte und offline weitergeführt wurde. Es ging darum, dass ich meinen Stil und meinen Lifestyle nicht nur durch meine Kleidung, meinen Ernährungsstil oder meine Kosmetikprodukte zeige, sondern auch durch meine Haltung. Und Haltung zeigt man ja immer – sogar dann, wenn man keine Haltung zeigt – und besonders dann, wenn man den Mund aufmacht…

Warum kann ich nicht einfach mal meine Klappe halten?

 

Und genau das ist mein Problem, denn ich kann hin und wieder einfach nicht meine Klappe halten und schlage mich dabei scheinbar mit Themen rum, die für andere keine sind. Das nervt mich. Wie kann es sein, dass ich schon so lange an mir arbeite, dabei aber offenbar noch keinen Schritt weiter bin? Wo ist sie, die Erleuchtung, die sich nach jahrelanger Home-Yoga-Praxis endlich mal einstellen sollte? Außerdem bin ich Stier, Aszendent Waage [der Aszendent soll sehr viel aussagekräftiger sein, habe ich irgendwo gelesen] und habe zur einen Hälfte ein Gemisch aus schwäbischen [die haben ja teilweise diese stoische Ruhe weg] und österreichischen [sehr charmant!] Genen in mir – warum also bin ich nicht tolerant, gelassen und weise? Warum bin ich nicht so ein kleines Sonnensch(w)einchen, sondern die Kackbratze, die ich bin? Warum kann ich über Dinge, die mich irritieren, nicht einfach hinwegsehen und meine Klappe halten, ohne das on- oder offline in irgendeiner Form thematisieren zu müssen? Andere können das doch auch…

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Über ein Rattenrennen, das niemand gewinnen kann, der damit kein Geld verdient.

Je mehr ich mich mit Medien befasse, deren Zielgruppe Frauen meines Alters sind, desto öfter werde ich mit folgender Überlegung konfrontiert: „Was machen lassen“ oder nicht? Und gemeint sind logischerweise nicht längst fällige Renovierungsarbeiten Küche oder Bad betreffend, sondern Restaurierungsarbeiten am eigenen Gesicht. Denn was auch immer ich lese: die Botschaft lautet nie, dass ich gut genug bin – im Gegenteil. Je älter ich werde, desto dringender, so wird mir suggeriert, muss ich was an mir und mit mir machen, um nicht vollends zu verfallen. Manche arbeiten da ganz klar mit der unmissverständlichen Ansage „Lifting, Botox, oder…? Was Beauty-Docs ihren Freunden raten“ (da sind sie wieder, die Freunde). Andere setzten – vorerst – auf die Kraft von Seren und Cremes oder Liftingfluids und lassen Damen (zwischen 53- 73 Jahre) zu Wort kommen, die wunderschöne Sachen sagen. Etwa: „Jahre zählen weniger als die Körpersprache“ oder „Forever young ist für mich nicht erstrebenswert. Ich finde, dass Frauen in jedem Alter schön sind und Schönheit nicht von straffen Gesichtskonturen oder von einem schlanken Körper abhängig ist“. Anderswo lassen mich Frauen, die natürlich altern wollen, an ihren Schönheitsgeheimnissen teilhaben. Hoch im Kurs stehen: vegane Ernährung oder Clean Eating sowie Verzicht auf Zucker, Kohlenhydrate, Weizen und Gluten (obwohl es da keine Unverträglichkeit gibt). Ich würde mich nicht wundern, wenn mir plötzlich eine erzählt, dass sie vor 10 Jahren das Lachen eingestellt hat, weil das Lachfalten macht.  Und irgendwann stellen wir vielleicht noch das Denken ein, damit das Hirn nicht verschleißt. Mannmannmann…

Auch nicht wirklich hilfreich ist es, wenn Medien angesichts einer Frau, die mit Mitte 40 noch faltenfrei ist – siehe Anastasia Zampounidis, die übrigens vor Jahren Zucker von ihrem Speiseplan gestrichen hat – schier hyperventilieren. Ja, Frau Zampounidis sieht toll aus. Aber Entschuldigung?! WIE sollen wir mit 47 Jahren und einem halbwegs intelligenten Lebenswandel denn aussehen? Wie ein Shar Pei?! Muss gestehen, dass das alles nicht spurlos an mir vorübergeht und ich beim Blick auf Frau Zampounidis sogar schon überlegt habe, ob ich nicht mal konsequent auf Zucker verzichten sollte. Bisher kam mir aber immer irgendwas dazwischen – im Zweifelsfall ein Schokoriegel oder eine Marmeladenbrot.

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Wer beschützt mich eigentlich vor Influencern?

StandBin neulich auf Facebook über ein Video gestolpert. Über ein „schockierendes Video“, das sich „der hässlichen Wahrheit widmet, die in Frauenzeitschriften steckt [youtube-Klick]“ Weil die Dinger nämlich voller Werbung sind [ach… tatsächlich?! Um das nicht zu realisieren, müsste ich aber schon blind und blöd sein, vor allem bei der Vogue oder der Elle, da tarnt sich die Werbung ja nicht mal, sondern springt einem direkt ins Gesicht…]. Außerdem vermitteln diese Heftchen ein falsches Frauenbild und setzen uns dadurch unter Druck. Im Video heißt es außerdem „Over a third of women who read this are over 40. Guess how many pictures of women over 40 I could find? ZERO.“Ja, ist mir auch schon aufgefallen, dass die Models in den Heften recht jung [und sehr, sehr schlank] sind. Und? Es zwingt mich doch niemand dazu, diese Magazine zu kaufen. Schon gar nicht, wenn ich mich hinterher schlecht fühle – denn genau das wird auch angeführt, dass sich viele Frauen nach dem Konsum einer solchen Zeitschrift schlecht fühlen würden. Nun überlege ich ernsthaft, was mit mir nicht normal ist, denn ich kann durchaus hin und wieder zur Entspannung die Printausgabe der Elle oder der Vogue oder ähnlichen Kram lesen, ohne mich hinterher schlecht zu fühlen. Es sei denn, ich habe gerade einen ganz miesen Tag, dann kann schon mal ein Blogpost dabei rausspringen. Etwa der hier: Superwoman 2.0.

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Cellulite, starke Frauen und eine Schönheit mit tiefbraunen Augen.

Eigentlich wollte ich dringend noch was über Schröpfgläser und das Cellulite-Körperöl von dm schreiben. Beides habe ich nämlich aufgrund eines Berichts ausprobiert, infolgedessen während der Fußball-EM vier Wochen fröhlich vor mich hin geschröpft und die Silikonpötte anschießend ins Langzeit-Beautyprogramm aufgenommen. Die Sache mit dem Post entfiel mir dann allerdings – bis ich gestern in der ELLE über einen sensationellen Anti-Cellulite-Tipp von Kim Kardashian stolperte. Die reibt sich nämlich vor dem Workout mit Öl ein, weil das für straffe und faltenfreie Haut sorgen soll, sagt sie. So, so. Das sorgt also für straffe und faltenfreie Haut. Na ich denke, dass wir da nochmal drüber reden sollten, wenn auch Ihr Östrogenspiegel sinkt und Sie die Fünfzig überschritten haben, liebe Frau Kardashian. Oder die Sechzig.  Wenn Ihre Haut dann dank vor dem Workout einmassiertem Öl immer noch so straff und faltenfrei wie mit Mitte 30 ist, werden Frauen in aller Welt Sie lieben und Ihnen ein Denkmal setzen. Versprochen. Im Gegenzug werden die Beautydocs aller Länder Sie hassen, aber irgendwas ist ja immer, weil: Everybody’s darling, everybody’s Depp.

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Von Models, Gigi Hadid und der angesagten Währung namens Follower.

Was haben die Kassiererinnen beim Möbelschweden und Models gemeinsam? Beiden geht es an den Kragen. Das Einkaufserlebnis im gelb-blauen Möbelhaus wird ja seit geraumer Zeit um eine weitere Facette ergänzt, denn nun können die Kunden beim Zusammenwürfeln des Hot Dogs nicht nur testen, ob ihnen möglicherweise eine Tätigkeit in der Systemgastronomie zusagt, mittlerweile lässt sich anhand des eigenhändigen Einscannens von Duftkerzen und Billy-Regalen auch überprüfen, ob die Arbeit an der Kasse eine Option wäre. Die Frau an der Kasse indes wird somit überflüssig.

Und nun geht’s auch noch den Models an den Kragen! Bisher waren die ja durchaus nötig, um Posts/Artikel ansprechend bebildern zu können, denn wir wissen: Im Netz ist ohne Bild nix los. Doch nun graben ihnen die Laien das Wasser ab. Und während die Laienmodels von der Brigitte so schnell in der Versenkung verschwanden, wie sie aufgetaucht sind, schreiben ihre Onlineschwestern eine Erfolgsgeschichte, die sogar die schreibende Zunft beeinflusst. Denn nie war es leichter, neue Beiträge zu erstellen, ohne sich über die begleitenden Fotos groß den Kopf zerbrechen zu müssen. Einfach ein wenig auf Instagram rumsurfen, sich interessante Bilder angesagter Fashionistas borgen und dann lediglich noch ein bisschen Text klöppeln – fertig. Wichtig: Das Copyright zwar ungebedingt angeben, verlinkt wird aber lediglich innerhalb der eigene Seite, damit die Leser nicht abspringen. Sollen Neugierige halt selbst die Suchmaschine betätigen.

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10 Dinge, die erfolgreiche Blogger anders machen…

Ich möchte mit Spaß bloggen, ohne mir über diese ganzen Ge- und Verbote, was erfolgreiche Blogger zu tun und zu lassen haben, Gedanken zu machen. Aber so ganz entkomme ich diesen Dos und Don’ts nicht, denn alle Naselang wird selbst da, wo ich nicht gleich damit gerechnet hätte, über irgendwelche Konferenzen oder Workshops und die daraus gezogenen Erkenntnisse berichtet. Oder über den Postaufbau, die richtige Überschrift oder die Zielgruppe sinniert. Sobald ich das lese, geht in meinem Kopf der Naidoo-Alarm los: Dieser Weg ist steinig und schwer. Und ich verrate euch auch, warum das so ist – was im Umkehrschluss natürlich bedeutet: Wenn ihr die Bloggerei anders angeht als ich, könnt ihr echt erfolgreich werden. 😉

 

  • Der Erfolgskiller schlechthin: Ich habe keine Lust, allzu sehr im Mittelpunkt zu stehen. In meinen alten Blogs gab überhaupt keine Bilder von mir, maximal ein kleines auf der „About“-Seite. Dank Instagram bin ich immerhin schon notgedrungen über meinen Schatten gesprungen, weil ich ja einsehe, dass Leser gerne ein Bild von der Person haben möchten, deren Texte sie sich ständig reinziehen. Das geht mir nicht anders. Wenn beispielsweise jemand über Sport und gesunde Ernährung bloggt, interessiert es mich schon, ob die Person wenigstens halbwegs so aussieht, als würde sie ihre eigenen Tipps leben. Nichtsdestotrotz bin ich – und man mag es aufgrund meiner Schreibe kaum glauben – ein eher introvertierter Mensch. Also eigentlich sogar sehr introvertiert. Ein Einsiedlerkrebs. Wird mir manchmal als Arroganz ausgelegt, dass ich mich nirgendwo anschließe und immer mein eigenes Ding mache (ob gut oder schlecht, das steht auf einem anderen Blatt), aber nee… ich bin nicht arrogant. Ich brauche nur sehr viel weniger Menschen um mich rum als andere Menschen. Und Events und Veranstaltungen sind keine Belohnung, sondern eine Strafe. Und noch weniger muss ich im Mittelpunkt stehen. Was ungünstig ist. Denn was sagte Julia Keith (Beautyjagd) in der Allegra 1/16 im Artikel über die Bloggerwelt: „Bloggerin zu sein, erfordert auch die Bereitschaft, eine Art Popstar zu sein.“ Und wenn ich mir „große Bloggerinnen“ anschaue, also die, die eine monatliche Klickrate haben, von der andere nur träumen können und deren Kollektionen sofort ausverkauft sind, kaum dass sie sie bewerben, dann glaube ich, dass an dem Popstar-Ding was dran ist. Ob nun Star oder nicht – erfolgreiche Blogger in spe sollten wohl wenigstens so von sich überzeugt sein, dass sie gar nicht daran zweifeln, in den Mittelpunkt zu gehören und nicht mal im Traum daran denken, sich freiwillig in die letzte Reihe zu setzen.

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Social Media|Bin ich jetzt berühmt und verdiene mir eine goldene Nase? Oder muss ich dafür Social Model werden?

Neulich durfte ich erfahren, dass es überhaupt nichts bringt, folgendes ins Impressum zu schreiben: Der Nutzung von im Rahmen der Impressumspflicht veröffentlichten Kontaktdaten zur Übersendung von nicht ausdrücklich angeforderter Werbung und Informationsmaterialien wird hiermit widersprochen. Hm. Das ist schade, weil ich das ja nicht zum Spaß reingeschrieben habe, sondern weil ich nicht möchte, dass man mir unaufgefordert etwas zuschickt. Darauf reagiere ich sogar höchst allergisch. Ich weiß jetzt auch nicht, was man von mir erwartet, wenn man  mir aufgrund dieses Posts Zeug zuschickt [in diesem Fall Vitamin E und Magnesium. Warum? Kann ich ohne Laboruntersuchung ja wohl schlecht testen und beurteilen, es sei denn, ich beschränke mich auf die Form und das Aussehen der Kapseln, was hirnverbrannt wäre], das ich nicht haben möchte. Ich tue einfach mal so, als hätte ich nichts bekommen. Und kleiner Tipp am Rande: Hier gibt es ein Kontaktformular. Das kann man nutzen.

Gut, mein Ruhm für einen Tag ist auch schon wieder verpufft. Der Kleinbloggeralltag hat mich wieder und so habe ich auch genug Zeit, um mal zu überlegen, wie es wohl wäre, ein großer Blogger zu sein. Ziemlich furchteinflößend, glaube ich. Muss man ja auch lernen, so im Mittelpunkt zu stehen. Es wundert mich immer noch, dass es überhaupt jemanden interessiert, was ich zu schreiben habe und die Frage, warum ich so ein übergroßes Sendungsbewusstsein habe, konnte ich mir auch noch nicht zufriedenstellend beantworten. Die Antwort lautet immer nur: Ich schreib halt gerne. Und solange ich gerne schreibe und es jemand lesen möchte, mache ich halt weiter.  Punkt.

 

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Gelesen| Neuland, zweiter Versuch – Ildikó verzeih mir!

Anfang des Jahres habe ich mir „Neuland“ von Ildikó von Kürhty gegönnt und die anschließende Rezension ziemlich biestig mit „Wenn Garfield eine Gazelle sein möchte“ betitelt, weil ich das Buch einfach nur dämlich fand. Tja. Würde ich so nicht noch mal schreiben. Warum? Weil die Lebenssituation, in der ich das Buch erneut gelesen habe, eine andere ist. Damals hatte ein enges Familienmitglied gerade einen Schlaganfall erlitten, der dummerweise auch noch zu spät als solcher erkannt wurde, und es stand in den Sternen, wie es danach weitergehen würde. Es waren für alle Beteiligten bescheidene Monate. Sehr bescheidene Monate. Und als hübsche Dreingabe hatte ich mir tags vor dem Schlaganfall auch noch heftig den Fuß verstaucht, vermute ich mal, hatte aufgrund der Situation allerdings weder die Zeit noch den Nerv, um zum Arzt zu humpeln, was rückblickend betrachtet sicher eine eher blöde Entscheidung war. Aber shit happens. Merke: Über Pseudoproblemchen [„Meine Haare sitzen nicht, mimimi…“, „Meine Ü40er-Oberschenkel sehen so Ü40 aus“, „Ich wäre ja lieber Usain Bolt als Garfield – fressen möchte ich aber weiterhin wie Bud Spencer“ oder „Wie kann ich zum ätherisch-erleuchteten Elfchen werde, ohne was an mir zu verändern?“] liest es sich halt besser in Situationen, die nicht von echten Problemen überschattet werden. Das sagte sogar die Autorin selbst und zwar am 16.02.16 bei Thadeusz [Klick zur Talkshow]:

„So einen Selbstoptimierungsparcours, wie ich ihn gemacht habe, den kann man sich ja nur leisten, wenn man keine existenziellen Nöte auszustehen hat. Wenn man selbst oder Geliebte schwer erkrankt sind oder man nicht weiß, wovon man leben soll, dann braucht man sich das Buch nicht zu kaufen. Das wäre dann zynisch.“  [Min. 19:23].

Wahre Worte, die ich bestätigen kann. Es liegt also an euch, ob ihr bereit für dieses Buch seid oder nicht, das war mir vor dem ersten Lesen allerdings nicht klar. Das erklärt aber mit Blick auf die Rezensionen auch, warum „Neuland“ so dermaßen polarisiert. Also: Wenn ihr gerade keine echten Probleme habt und es euch gelingt, das Weltgeschehen mal für einen Moment auszublenden und ihr noch ein recht kurzweiliges Buch für den Sommerurlaub sucht, dann begleitet einfach Ildikó von Kürthy auf ihrem Weg der sehr speziellen Selbstverwirklichung.

„Kommt da noch was, oder war es das jetzt? Das Begleitbuch für alle, die Sehnsucht haben, aber nicht genau wissen, wonach. Die Hälfte des Lebens ist vorbei, und es ist noch nicht zu spät. Aber wofür eigentlich: Selbstverwirklichung, Gelassenheit, Idealgewicht? Ist jetzt die Zeit für einen Neuanfang, für ein großes, vielleicht letztes Abenteuer? Oder doch nur für eine Probestunde Pilates und einen anderen Nagellack? […] Neuland ist ein einzigartiger Selbstversuch, bewegend und komisch. Ein Mutmacher für alle, die ihr Leben verändern wollen. Und ein Versprechen: Nachher ist nichts mehr so, wie es mal war.“ (Klappentext)

Ich habe Tränen gelacht, immer wieder mit dem Kopf genickt, weil sie mir aus der Seele schreibt, fühlte mich das eine oder andere Mal böse ertappt und habe eine Passage nach der nächsten mit Klebezetteln markiert, um sie hier zu verbloggen – bis mir auffiel, dass ich dann fast ein Dreiviertel des Buches hätte abtippen können, was natürlich nicht im Sinne der Autorin wäre. Darum hier eine sehr subjektive Auswahl meiner Lieblingspassagen, die morgen schon wieder anders aussehen könnte.

Über das kurzfristige Ergrauen zu Recherchezwecken: Grau zu werden ist nicht nur eine Frage der Farbe. Es ist eine Frage der Haltung, der Persönlichkeit, und es ist ein ziemlich schwerer Abschied davon, jünger auszusehen, als man ist, so als gäbe es eine unaussgeprochene Verpflichtung, jünger auszusehen, als man ist. Nicht färben ist ein bisschen wie nicht trinken, wie nicht abnehmen wollen oder nicht bei Facebook sein. die einen reagieren mit Mitleid, die anderen mit Bewunderung – irritiert sind alle. Denn wer aus der Reihe tanzt, führt allen anderen allzu deutlich vor Augen, dass sie in der Reihe tanzen. Und das mögen Leute nicht, sich sich als Individuen sehen und auf keinen Fall normal sein wollen. (S.86)

Über das Entschlacken und die Idee, sich neu zu erfinden: „In der Werbung für den Lanserhof heißt es: „Hier können Sie sich neu erfinden“. Ein wohlklingender Quatsch, an den ich hatte glauben wollen. Verreisen, entschlacken und dann im Gepäck ein neues Ich mitbringen wie ein hübsches Souvenir? Man kann sich nicht selbst hinter sich lassen. Dein Ego trottet dir hinterher wie ein getreuer Köter, der sich selbst mit gezielten Tritten und bösen Beschimpfungen nicht abschütteln lässt. Niemand kann so tun, als hätte es ihn bisher noch nicht gegeben. Du kannst fasten, meditieren oder einen Ponyhof in Patagonien eröffnen: Von sich selbst kann sich keiner trennen. (S.125)

Über den Zumba-Kurs, der das brasilianische Feuer  erwecken soll: „Ich war ich, auch wenn ich mir mich anders vorgestellt hatte. Irgendwie geschmeidiger, biegsamer, energiegeladener und von heißblütiger Ausstrahlung. Ich fühlte mich doch gerade so bauchfrei. Was ich jedoch sah bei meinem kurzen Spiegelblick zwischen zwei holprigen Drehungen, war eine verschwitzte, westeuropäische Frau im Oversized-Shirt. In meinen Augen funkelte keine Latina-Glut, sondern ich sah den gehetzten Ausdruck eines Kaninchens kurz vor der Überquerung einer sechsspurigen Autobahn. (S. 127)

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Post-Umzugskater und ein bisschen Wehmut.

Das Bloggen machte mal richtig Spaß. Wer der Meinung war, schreiben zu können und/oder sich schreibenderweise Luft machen zu wollen oder whatever, eröffnete ein Blog und ließ die Welt an seinen Gedanken, seinen DIY-Projekten oder seinen Kochrezepten teilhaben. Die Bloggerei steckte noch in den Kinderschuhen und es ging weder um Klickzahlen noch um Vermarktung oder das Design. Nur ums Schreiben und den Spaß an der Sache. Meine ersten Gehversuche machte ich damals bei myblog. Ich schrieb lediglich privates Zeug in Tagebuchform und war erstaunt, wie schnell ich damals Gleichgesinnte fand und ich finde es faszinierend, dass noch immer Blogger meiner ersten Onlinestunden unterwegs sind – mittlerweile auch auf Instagram [herzlichen Gruß an dieser Stelle an Frau Vau, Nila und Herrn Berlin]. Ich hüpfte zu WordPress und später zu Blogger und nun wieder zu WordPress. Währenddessen wurde die Blogosphäre reifer und änderte ihr Gesicht. Ein bisschen Hyaluron hier, ein bisschen Botox dort.

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SocialMedia| Manche leben, andere folgen nur…

Offenbar habe ich mir in den letzten Wochen zu wenig Hirnfutter gegönnt, denn als mir die aktuelle myself (Juli 2016) in die Hände fiel, kam ich gewaltig ins Grübeln. Gebe zu, dass es durchaus ein bisschen tragisch ist, dass der Sohn über Emilia Galotti und anderen Trauerspielen… ähm… Klassikern brütet, während mein Hirn schon bei Frauenzeitschriften  raucht, aber darüber zerbreche ich mir dann morgen den Kopf. Grübelauslöser war der Artikel „…und das soll Arbeit sein?“, in dem es um Instagram geht. Genauer gesagt: Um Frauen, die ihr makelloses Leben inszenieren und zu einflussreichen Werbebotschaftern (Influencern) werden. Zu diesen Influencern gehört beispielsweise Nicole Warne, die hauptberuflich ihre Social-Media-Kanäle pflegt und Markenbotschafterin für namhafte Unternehmen (u.a. Chanel, L’Oréal) ist. Nicole, deren druchkomponierter Account Bilder zeigt, die es ohne Überarbeitung mühelos in jedes Hochglanzmagazin schaffen würden, hat noch einen Job. Im Artikel heißt es:

 

 „Ihr Job ist, das Leben zu führen, von dem ihre Follower träumen.“ 

 

Und das bringt mich ins Grübeln. Warum soll ein fremder Mensch das Leben führen, von dem ICH träume? Was habe ICH davon, außer ein paar schönen Bildchen, die mich mal kurz meinen Alltag vergessen lassen, der durchaus ein bisschen mehr Glitzer und Feenstaub vertragen könnte? Ich mag und nutze Instagram und lasse mich gerne mal inspirieren. Und überlege dabei tatsächlich, ob dieses oder jenes was für mich wäre – dann muss ich allerdings den Allerwertesten auch in Bewegung setzen und das klappt mal mehr und mal weniger gut. Was bei mir leider(?) gar nicht funktioniert ist der Gedanke: Ich kaufe jetzt alles, was meine Social-Media-Ikone trägt, dann bin ich ein bisschen so wie sie. Nein. Bin ich nicht und da mache ich mir auch nichts vor. Ich bin weiterhin ich – dann aber vielleicht mit einer neuen Creme oder einem Paar (oder ein paar mehr) Schuhe(n), in denen ich durch mein altes Leben latsche und dabei ständig mein Smarthpone in der Hand halte. Weil ich ja schauen muss, vor welcher Sonnenaufgangskulisse (Indien? Hawaii? Fehmarn?) mein kleiner, (m)ein ideales Leben lebender  Influencer seine Yogaübungen macht und auf welcher Dachterrasse er seinen Cocktail schlürft. Blöderweise muss ich mich aber auch still nach innen freuen, weil es hier nämlich niemanden gibt, mit dem ich über das reden kann, was mein Lebensstellvertreter erlebt. Meine Umgebung möchte nämlich über den Brexit reden oder über den nächsten Urlaub (nicht Indien oder Hawaii, eher Fehmarn, wenn überhaupt), über Erziehung oder über verstopfte Straßen und Bekloppte, die sich bei Hitze nicht mehr an die StVO halten können. Pfft. Sehr unglamourös.

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Alle reden über Snapchat. Ich nicht.

Ich rede über Pinterest – allerdings habe ich „Der Herr der Ringe“ auch erst für mich entdeckt, als alle drei Teile im Sammelpack auf dem Grabbeltisch verramscht wurden. Will sagen: ich bin da kein Maßstab. Warum nun Pinterest und nicht Snapchat? Weil ich Snapchat nicht mag. Bin ehrlich gesagt schon Instagrammern entfolgt, die in einer Tour gruselige, mit pseudo-komischen Snapchateffekten verhackstückte Selfie(clip)s rausgehauen haben. Muss ich nicht sehen. Ehrlich nicht. Warum nicht? Weil Instagram die Plattform für den schönen Schein ist. Ist alles nur Fake mit schönem Filter. Unsere Schreibtische sind nicht weiß, sondern mit einer Staubschicht überzogen, die aber gar nicht so auffällt, weil sich auf der Arbeitsfläche Bücher, Papiere, billiger Modeschmuck und Notizbücher stapeln… und zwar turmhoch. Bei mir zumindest. Auch bei dem angeblich „mal eben geschossenen“ Insta-Selfie wird sicher nicht das erstbeste, sondern das bestmögliche Bild genommen. Weil es normal ist und davon zeugt, dass wir vorausschauend handeln und sehr wohl wissen, dass sich Fotos, die wir einmal ins Netz entlassen, unserer Kontrolle entziehen. Außerdem ist es nicht so leicht, unliebsame Bilder aus dem Netz entfernen zu lassen – Axl Rose kann ein Lied davon singen – also ist es klug, vorher zu überlegen, was ins Netz darf, so man die Möglichkeit dazu hat.

Und dann platzt Snapchat in meinen schöne Instagramwelt, weil mir – s.o.- diverse Instagrammer alle naselang pseudowitzige bis ziemlich hässliche Bilder unterjubeln, die ich nicht sehen will. Denn wenn ich das wollte, wäre ich ja auf Snapchat. Bin ich aber nicht. Und wenn jemand meinen Instagramfeed zu Snapchat macht, dann bin ich weg, da bin ich echt komisch. Es mag ja sein, dass Snapchat „das nächste große Ding“ ist, aber ich verweise nochmal auf meinen Post „Heute schon die Social-Media-Kanäle gefüttert?„, der deutlich macht, warum ich einfach nicht auf zu vielen Hochzeiten tanzen kann oder will. Mein Tag hat nur 24 Stunden und meine Lebenszeit ist begrenzt – mit 44 ist mir das bewusster als mit 20. Und dann soll ich wertvolle Lebenszeit damit verbringen, blöde Bilder und Videos zu fabrizieren, die nach 24 Stunden ohnehin gelöscht werden?! Nein danke, nicht für mich.

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Heute schon die Social-Media-Kanäle gefüttert?

Heute schon Inhalte geteilt? Oder eure eigenen Posts auf den relevanten Social-Media-Kanälen (FB, Google+ & Twitter) beworben? Und anschließend auch gleich die restlichen Social-Media-Babys gefüttert? Also Instagram, Snapchat, die Pinterest-Wand neu bestückt und mal schnell einen Clip bei Youtube hochgeladen? Nein? Dann, und es tut mir sehr leid, euch das sagen zu müssen, werdet ihr nie wirklich erfolgreich werden. Bekannt schon gar nicht. Denn wer heute nicht voll auf der Social-Media-Welle mitschwimmt, ist ganz schnell von vorgestern. Dann seid ihr Menschen wie ich. Das ist hart, ich weiß. Wollen wir erst eine Runde gemeinsam weinen?
Gut. Und nun lasst uns mal über den heiligen Social-Media-Gral, Erfolg beim Bloggen und das Teilen von Inhalten reden, weil das für mich irgendwie alles zusammengehört. Erklärend möchte ich aber vorwegschicken, dass ich jemand bin, der Bücher wie „Networking für Networking-Hasser“ gelesen hat und grundsätzlich nicht alles toll findet, nur „weil es alle machen„, oder „weil man das eben so macht“ und „weil es neu ist„. 😉

Der heilige Social-Media-Gral

Ich blogge und nutze Instagram. Mit meinen Blogtexten möchte ich durchaus eine gewisse Leserschaft erreichen (später mehr dazu), was dann wohl auch einen gewissen Willen zum Erfolg (auch hierzu später mehr) voraussetzt. Wer sich heute allerdings „einen Namen machen möchte„, muss Social-Media-affin sein und alle Kanäle nutzen. Die User „erwarten“ das, außerdem lockt es neue User an und natürlich muss man ja auch zeigen, dass man Social-Media-mäßig „auf der Höhe ist“. Ich bin manchmal nicht die hellste Kerze auf der Torte und darum frage ich euch, ob mir das bitte mal jemand erklären kann? Und zwar so, dass ich’s verstehe? Ich nähere mich der Sache mal aus Lesersicht an, da ich nicht nur Bloggerin, sondern auch Leserin [Leserin, you know? Kommt von lesen. Also laut Duden: etwas Geschriebenes, einen Text mit den Augen und dem Verstand erfassen] bin:
  • Ich lese gerne – darum lese ich auch Blogs. Ich liebe Bücher, Blogs u. gelegentlich auch Zeitschriften – manches für den geschriebenen Inhalt und manches (Zeitschriften/Blogs) für die Mischung aus Text und Bild.
  • Ich lese Blogs, die mich thematisch interessieren/inspirieren und/oder Blogs, bei denen mir die Person hinter dem Blog sehr sympathisch ist. Idealerweise passt alles zusammen.
  • Sollte diese sympathische Person nun auch auf Instagram sein, dann folge ich ihr, weil ich auch ein Faible für Bilder habe und Instagram eine tolle Möglichkeit der leichten Kontaktaufnahme bietet und der Ton dort sehr nett ist.

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Leben| Superwoman 2.0

Es ist schon eine Weile her, aber vielleicht erinnert ihr euch noch an die Laienmodels, die damals mit großem Tamtam in der Brigitte eingeführt wurden? Damit wollte man den Leserinnen einen Gefallen zu tun. Der nächste Gefallen, den man den Leserinnen tat, war der, die Models wieder rauszuwerfen, weil die Leserinnen plötzlich doch lieber echte Models sehen wollten. Wie man’s macht, ist es verkehrt. Und obwohl wir alle wissen, dass Vergleiche der Anfang vom Untergang sind, können wir’s offensichtlich doch nicht lassen und ich gestehe, dass es mich manchmal auch überkommt.

Vergleiche – der Anfang vom Untergang…

Als bisweilen recht komplexbeladenes Wesen habe ich mit diesen ätherischen Modelwesen kein Problem, weil es mir unnetterweise gelingt, sie auf das zu reduzieren, was sie in diesem Falle sind: Mittel zum Zweck. Nämlich: Kleiderständer mit nichts auf den Knochen, was von der käuflich zu erwerbenden Couture ablenken könnte. Mit den „realen Frauen“ verhält es sich allerdings anders, zumal die „Models von nebenan“ gar nicht so laienhaft aussahen. Und darüber hinaus wurden die Frauen von einem Heer von Stylisten getunt und nett in ein Bild gesetzt, das hinterher auch noch optimiert wurde. Da ist nichts mehr normal. Ist aber auch gut so, denn wenn ich eine Zeitschrift kaufe, möchte ich darin keine Bilder sehen, die aus Omas Familienalbum stammen könnten. Wo bleibt da die Inspiration?

Vergleiche ich auch? Klare Antwort: jein.

Potenziell problematisch war allerdings, dass die fürs Shooting getunten Ladys bezüglich Job & Lifestyle auch nicht so normal waren. Und genau damit kam die Leserin nicht klar – so damals das Feedback der „echt“ normalen Frauen. Wobei sich solche Wunderwesen ja nicht nur in Zeitschriften tummeln, sondern zunehmend auch in diversen Blogs und Onlinemagazinen. Alleine Instagram ist voll davon. In Ermangelung anderer weltbewegender Dinge, über die nachzudenken ich gewillt bin, frage ich mich da natürlich ebenfalls, ob ich auch so eine bin. Eine von diesen normalen Frauen, die sich von diesen „Superfrauen“ unter Druck setzen lässt? Und die ehrliche Antwort lautet: jein. Das hängt von der Tagesform an. Und davon, ob ich gerade ein interessantes Projekt in der Pipeline habe oder nicht. An meinen schlechten Tagen nerven mich diese Superladys, weil sie mich mit unausgesprochenen Vorwürfen bombardieren. ‚Warum hast du nicht mehr aus deinem Leben gemacht?‚oder ‚Warum vergleichst du dich überhaupt mit anderen?! Was deine Persönlichkeitsentwicklung angeht, stehst du doch wirklich noch in der Tiefgarage…‘

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