Leben|Wenn Frauen über Frauen reden…

Ich lese ja fast alles und schrecke vor den Bekenntnissen eines Aufreißers ebenso wenig zurück wie vor Osho oder Kinderbüchern. Allerdings weiß ich ab sofort, was ich nicht mehr lesen möchte: Nämlich Bücher von mehr oder weniger prominenten Frauen, die mal mehr und mal weniger tränendrüsig/selbstmitleidig/supiwitzig davon erzählen, wie schwer es ist, in dieser Welt in Würde zu altern. Warum möchte ich das nicht lesen? Weil es mir nichts bringt. Auch dann nicht, wenn dem Ganzen eine pseudowitzige Note verpasst wurde, die Verzweiflung und der Frust aber trotzdem aus jeder Zeile schreien. Ich will das nicht lesen, denn was geschieht, wenn man an eine Sache total voreingenommen rangeht oder sich ihr mit einer Einstellung nähert, die … na sagen wir mal… so negativ ist, dass Lord Voldemort daneben wie ein Glücksbärchi erscheint? Richtig: Es wird zur Katastrophe und im Sinne der Selffulfilling Prophecy wäre ich ein Vollidiot, wenn ich mir literarische Ergüsse dieser Art weiterhin freiwillig reinziehen würde.
Das ist zwischen zwei Buchdeckel gepresstes Gift, das langsam und schleichend jeglichen Optimismus zersetzt und einem mit fortschreitendem Verlauf mindestens ein paar graue Haare und Frustfalten beschert und außerdem den Verlust jeglicher Gelassenheit nach sich zieht. Genau das sind aber einige der entscheidenden Vorzüge, mit denen ich irgendwann zu punkten gedenke. Also mit Optimismus und Gelassenheit – weil Pfirsichteint und Knackarsch leider aus sind. Ebenso geht es mir gewaltig gegen den Strich, dass Frauen ab 40 in diesen Büchern gerne in Gruppen eingeteilt werden, von denen eine blöder als die andere ist. Ich versuche mal, das in eigenen Worten wiederzugeben:
  • Die hyperaktive Ziege: Klappert dürr und sehr angestrengt auf hip getrimmt durch die Weltgeschichte und knallt ein Selfie nach dem nächsten raus. Beliebtes Motiv:  In Spitzenfummelchen, kuscheligem Cardigan und Overknees auf dem Bett liegend und mindestens eine Tasse Tee/Kaffee, eine Modezeitschrift sowie Markenteilchen (idealerweise Chanel) in Griffweite. Hat große Angst vor der rätselhaften Krankheit, die alle Ü40erinnen befallen soll: Sie werden unsichtbar! Steuert dem entgegen, indem sie diverse kosmetische und schönheitschirurgische Maßnahmen nutzt, da es keinen noch so winzigen Körperteil gibt, bei dem frau sich mit Halbheiten oder Abnutzungserscheinungen zufriedengeben muss – so sie schmerzresistent genug ist und darüber hinaus dazu bereit, so viel Geld bei der Kosmetikerin und den Beauty-Docs zu lassen, dass es umgerechnet für ein Châteaux an der Loire reicht.

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Kolumne| Mein Leben ist (k)eine einzige Party.

#kannSpurenvonIronieenthalten

#mussabernicht

Manchmal sitze ich frühmorgens in meinem fair produzierten Negligé aus Bio-Baumwolle [eigener Anbau, selbst gefertigt!] auf dem Balkon, nippe an meinem grünen Smoothie [alles eigene Ernte!] und bin dankbar dafür, dass ich ich bin und dass ich so ein fantastisches Leben leben darf. Okay. Das war ein bisschen gelogen.

Ich trinke Kaffee von Ald… Feinkost Albrecht, trage ein Shirt und mein liebstes schluffiharemshosenähnliches Teil von Hermès…äh… H&M und frage mich gelegentlich in den nicht so dankbaren Momenten, warum ich offensichtlich nicht das Beste aus mir und meinem Leben raushole. Denn wenn ich das täte, wäre ich ja wohl im Dauerpartymodus oder wenigstens… hm… Bundeskanzlerin? Vorsitzende eines Pharmakonzerns? Spielerfrau? Oder Paragraphenreiterin, die Mecklenburg-Vorpommern ein Seilbahngesetzt aufs Auge drückt? Wie es geht, das Beste aus sich und seinem Leben rauzuholen, weiß doch jeder Depp – zumindest jeder Depp, der sich einschlägige Lektüre in Form von Büchern (z.B. „Goddess Attitude“) und Blogs oder lustigen Motivationssprüchlein auf Instagram gönnt. Eigentlich ist nämlich alles total easy und das Leben eine große Party.

Die Essenz meiner „feel good“-Leküre: Stress mit Mann, Kind(ern), Haustieren oder Nachbarn (und deren Kindern und Haustieren) existiert nicht und wenn, bekommst du überhaupt nichts davon mit, weil du von deinen eigenen good vibrations dauerzugedröhnt bist. Krankheiten, finanzielle Sorgen oder andere Probleme suchen dich oder deine Angehörigen aufgrund deiner good vibrations auch nicht heim – es sei denn, du hast einen Fehler in deinem (Denk)System, das ist dann aber wirklich dein Problem. Denn wie bitte? Im Job oder im Privatleben hakt’s? Schuld eigene. Es ist dein Leben, also mach was draus und schaffe dir gefälligst das Umfeld, in dem du so richtig strahlen kannst. Wer dein Strahlen dimmt, wird gnadenlos rausgekickt – dein Leben, deine Regeln, da kannst du keine Miesmacher brauchen. Fühlt sich das zwischendurch vielleicht ein bisschen einsam an, weil du ja alle Störenfriede entsorgt hast? No problem, wenn du richtig gepolt bist, ziehst du bald (wie bald, weiß aber keiner, stell dich auf eine längere Durststrecke ein) die Menschen an, die auch so dauerglückszugedröhnt sind wie du, denn das ist ein universelles Gesetz.

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Die unschönen Seiten der Schönheit und hässliche Vergleiche.

Heute habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit (also seit einigen Wochen) gedacht: „Alter Schwede, siehst du gut aus!“ Ich war sogar ein bisschen verliebt in mich und das kommt wirklich selten vor. Also eigentlich so gut wie nie. Blöderweise war das, was ich da anhimmelte, ein Selfie. Und zwar ein Selfie, das ich zuvor gnadenlos durch YouCam gejagt habe – eine App, die schöner macht. Tja. Blöd gelaufen. Und nun? Verkehre ich eben nur noch online, weil ich da nämlich… ähem… so schön bin, dass ich auf Instagram bestimmt wieder dubiose Privatnachrichten bekomme. Das hat ja stark nachgelassen, seitdem ich nur noch Blümchen, Kaffeetassen, Graffitis oder Warnemünde-Throwbacks poste. Theoretisch sollte ich die App also wohl vom Smartphone werfen, allerdings bringe ich das nicht übers Herz. Weil sie mich an bösen Tagen aufrichtet. An Tagen, an denen ich mich nicht schön fühle, es aber unbedingt sein möchte.

 

Die Sache mit der Eigen- und der Fremdwahrnehmung…

 

Erinnert ihr euch noch an den rührseligen Dove-Werbeclip  Real Beauty Sketches, für den ausgerechnet ein Mann verantwortlich ist, der uns Frauen zeigt, wie schön wir sind? Okay, der Clip drückt arg auf die Tränendrüse, am Ende bleibt dennoch eine Frage: Warum klaffen zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung so große Lücken? Ich würde mich selbst ja gerne davon aussnehmen, aber siehe oben. Es ist mir leider nicht möglich. Tatsächlich habe ich immer mal wieder Phasen, in denen ich denke: „Hey, du siehst eigentlich ganz okay aus (für dein Alter. Könnte schlimmer sein).“ Und kaum denke ich das, kommt mir garantiert irgendeine Super-Beauty unter und ich möchte mir die Decke über den Kopf ziehen – obwohl ich seit jeher der Meinung bin, dass äußere Schönheit alleine schnell langweilig wird, wenn die Füllung nicht stimmt.

 

Vergleiche: Wenn sich der Autopilot einschaltet…

 

Da ist es wieder… dieses Vergleichs-Ding. Mit klarem Verstand käme ich niemals auf die Idee, mich mit anderen Frauen zu vergleichen – schon gar nicht mit denen, die nur halb so alt sind wie ich und Modelmaße haben. Ich weiß sehr wohl, dass der Vergleich der erste Schritt ins Unglück oder in einen monströsen Frustfressanfall ist. Aber dummerweise macht der Verstand ja auch nicht immer das, wofür ich ihn angeheuert habe und damit stehe ich nicht alleine da. Wenn wir alle so kluge Wesen wären, würden ganze Berufszweige mit einem Schlag überflüssig werden. Mein Verstand zumindest klinkt sich öfter mal aus und lässt dann direkt den Autopiloten machen. Und dann kann ich eigentlich nur beten, dass keine Schokolade im Haus ist oder dass das „Internet kaputt ist“, so dass mir die Frustshopperei verwehrt bleibt. Zur Ehrenrettung meines Unterbewusstseins muss ich erwähnen, dass es ja nicht absichtlich gegen mich arbeitet. Es kommt halt einfach nur nicht mehr mit dem klar, womit es ständig konfrontiert wird. Habe vor einiger Zeit das Buch Wir Schönheits-Junkies: Plädoyer für eine gelassene Weiblichkeit gelesen und darin wird recht schonungslos dargelegt, warum es uns Frauen [unbewusst?!] immer schwerer fällt, uns selbst so zu akzeptieren, wie wir sind und genau darum fällt ein Clip wie der obige auf fruchtbaren Boden.

 

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Leben| Superwoman 2.0

Es ist schon eine Weile her, aber vielleicht erinnert ihr euch noch an die Laienmodels, die damals mit großem Tamtam in der Brigitte eingeführt wurden? Damit wollte man den Leserinnen einen Gefallen zu tun. Der nächste Gefallen, den man den Leserinnen tat, war der, die Models wieder rauszuwerfen, weil die Leserinnen plötzlich doch lieber echte Models sehen wollten. Wie man’s macht, ist es verkehrt. Und obwohl wir alle wissen, dass Vergleiche der Anfang vom Untergang sind, können wir’s offensichtlich doch nicht lassen und ich gestehe, dass es mich manchmal auch überkommt.

Vergleiche – der Anfang vom Untergang…

Als bisweilen recht komplexbeladenes Wesen habe ich mit diesen ätherischen Modelwesen kein Problem, weil es mir unnetterweise gelingt, sie auf das zu reduzieren, was sie in diesem Falle sind: Mittel zum Zweck. Nämlich: Kleiderständer mit nichts auf den Knochen, was von der käuflich zu erwerbenden Couture ablenken könnte. Mit den „realen Frauen“ verhält es sich allerdings anders, zumal die „Models von nebenan“ gar nicht so laienhaft aussahen. Und darüber hinaus wurden die Frauen von einem Heer von Stylisten getunt und nett in ein Bild gesetzt, das hinterher auch noch optimiert wurde. Da ist nichts mehr normal. Ist aber auch gut so, denn wenn ich eine Zeitschrift kaufe, möchte ich darin keine Bilder sehen, die aus Omas Familienalbum stammen könnten. Wo bleibt da die Inspiration?

Vergleiche ich auch? Klare Antwort: jein.

Potenziell problematisch war allerdings, dass die fürs Shooting getunten Ladys bezüglich Job & Lifestyle auch nicht so normal waren. Und genau damit kam die Leserin nicht klar – so damals das Feedback der „echt“ normalen Frauen. Wobei sich solche Wunderwesen ja nicht nur in Zeitschriften tummeln, sondern zunehmend auch in diversen Blogs und Onlinemagazinen. Alleine Instagram ist voll davon. In Ermangelung anderer weltbewegender Dinge, über die nachzudenken ich gewillt bin, frage ich mich da natürlich ebenfalls, ob ich auch so eine bin. Eine von diesen normalen Frauen, die sich von diesen „Superfrauen“ unter Druck setzen lässt? Und die ehrliche Antwort lautet: jein. Das hängt von der Tagesform an. Und davon, ob ich gerade ein interessantes Projekt in der Pipeline habe oder nicht. An meinen schlechten Tagen nerven mich diese Superladys, weil sie mich mit unausgesprochenen Vorwürfen bombardieren. ‚Warum hast du nicht mehr aus deinem Leben gemacht?‚oder ‚Warum vergleichst du dich überhaupt mit anderen?! Was deine Persönlichkeitsentwicklung angeht, stehst du doch wirklich noch in der Tiefgarage…‘

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Kolumne|Dekorexia Nervosa

Es gibt absonderliche Verhaltensweisen, für die man einfach nichts kann und sobald man in ein kritisches Alter kommt, ist man ihnen hilflos ausgeliefert.Nehmen wir die Dekorexie*. Eine schwere Krankheit, von der fast ausschließlich Frauen befallen werden. Heilung nach derzeitigem Wissensstand ausgeschlossen. Die Dekorexie zeichnet sich dadurch aus, dass die Patientin einen dekolastigen Lifestyleblog nach dem nächsten abonniert und bei Pinterest Bildmaterial für die Einrichtung der Häuser zusammenstellt, die sie in den kommenden Leben mal bewohnen wird, weil sie mittlerweile viel zu viel Zeug angehäuft hat, um das in ein Haus zu stopfen. Bei Filmen gerät die Patientin kaum noch aufgrund der Darsteller ins verzückte Quietschen, sondern eher angesichts der fan-tas-tisch eingerichteten Häuser. Und plötzlich tun es auch nicht mehr die süßen Weihnachtswichtel aus irgendeinem Laden, nein, jetzt müssen es dänische Wichtel sein. Die schauen zwar relativ trübsinnig drein – wahrscheinlich, weil sie wissen, dass sie viel zu teuer sind – aber dafür sind sie eben… na ja… dänisches Design halt.

Tine K. war mir, obwohl ich schon an den ersten Anzeichen beginnender Dekorexie leide, vorher auch kein Begriff – aber so, wie ihre Duftkerzen in meinem derzeit liebsten Kramlädchen präsentiert wurden, war selbst mir klar, dass es sich dabei um etwas Besonderes handeln muss. Also schlug ich zu. Um mir mal was Gutes zu tun und mir eine besondere Kleinigkeit zu gönnen. Designerstücke machen allerdings noch viel mehr Spaß, wenn es ein Publikum gibt, das ebendiese Stücke bewundert. Dieses Publikum ist hier nicht vorhanden. Also muss die von der Kerze geflashte Frau – ich nämlich –  ihrenMitmenschen dezent auf die Sprünge helfen.

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