Ich detoxe, also bin ich?

Es kommt, wie es am Jahresanfang immer kommt: Reader und Newsfeed spucken im Sekundentakt Posts der Kategorie „Werde leichter als eine Feder und lasse alles los, was dich beschwert – also Krempel, Seelenballast, Darminhalt“ aus und das stresst mich. Weil ich derzeit lieber horten möchte – vor allem Bücher und Kalorien. Gestern gab es hinsichtlich der Kalorien einen Tiefpunkt, für den ich nichts kann, weil ich Opfer meiner Hormone war und bin und immer sein werde. [Randnotiz: Ja, das ist so und nein, das ist nicht immer nur eine blöde Ausrede. Es gibt einfach Tage, an denen es absolut unbefriedigend ist, nur an einem Möhrchen zu knabbern und morgens warmes Ingwerwasser zu süffeln. Bei mir sind das an die 365 Tage im Jahr – das allerdings ist in der Tat eine blöde Ausrede, könnte schließlich auch Sellerie knabbern und warmes Zitronenwasser trinken.]

Dabei fing es so gut an, denn gestern Morgen war ich noch extrem guter Dinge, sehr Detox-willig und nach einer leichten Frühstücks-Obstschale schwer im „Ich bin eine Feder, yeah!“-Modus. Angefixt durch diverse „Detox your life“-Posts habe ich meinen November-Vorsatz aus dem alten Jahr ins neue Jahr gezerrt und reanimiert. Idee: Ein bisschen an der Ernährungsschraube drehen und nen Tick basischer essen. Unter uns: Basisch essen klingt doch sehr viel besser und deutlich undogmatischer als vegan inspiriert, oder? Es ist nämlich so, dass ich einfach nur essen will – und nicht darüber diskutieren. Doch während vegan für Schnitzelliebhaber und Wurstersatzhasser irgendwas zwischen rotem Tuch, Ohrfeige und persönlicher Beleidigung ist, ist basisch die unsichtbare Eisenfaust im hübsch verzierten Samthandschuh. Weil nur wenige wissen, was es bedeutet.

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Ich werde ernährungswahnsinnig…

Mit schrägen Ernährungsspleens kenne ich mich aus, nicht wenige davon habe ich selbst ausprobiert. Ich habe [wie hier bereits erwähnt] Obst-, Gemüse- und Fastentage gemacht, bis zum Mittagessen nur Obst gegessen oder auf Lauchsuppe (das ultimative Geheimrezept der Französinnen) und Dinner Cancelling gesetzt. Ich habe das Frühstück gestrichen, entweder Low Fat oder Low Carb oder beides gleichzeitig betrieben, diverse Smoothies ausprobiert, Kombucha und Gerstengras in mich reingeschüttet und mich erst vegetarisch und dann vegan ernährt. Und warum all das? Um was für meine Gesundheit zu tun. Und für meine Figur, denn ich hätte Konfektionsgröße 38/40 gerne in Größe 36/38 geschrumpft. Nun ja. Es hat nicht sollen sein – zumindest das mit Größe 36 nicht. Derzeit esse ich intuitiv – also einfach so aus mir heraus, ohne dass mir das jemand beibringen muss.

Gäbe es allerdings nicht gerade ein ähnliches Ernährungskonzept, in dem eben dafür plädiert wird, intuitiv zu essen, wüsste ich nicht, ob ich „einfach nur so essen könnte“, wie ich es tue. Denn mal abgesehen von der seelischen Komponente stellt sich die Frage, ob überhaupt noch irgendwer isst, um einfach nur satt zu werden? Das Essen ist ja schon lange nicht mehr „einfach nur Essen“ – mit den richtigen Lebensmitteln bleiben wir gesund, jung und schön. Umkehrschluss: Wer die falschen Lebensmittel wählt und der Ernährung nicht die entsprechende Priorität einräumt, wird fett, krank und hässlich – selbst verbockt. Da kann einem das Essen kurzfristig doch schon mal im Hals steckenbleiben…  „Ich werde ernährungswahnsinnig…“ weiterlesen

Kolumne| Das gelbe Wunder…

An manchen Tagen betrübt es mich, dass ich ein über die Maßen begeisterungsfähiges Wesen bin, das willens ist, ziemlich viel zu glauben. Ich glaube nämlich fast alles – wenn es mir in den Kram passt. Und so höre ich sehr genau hin, wenn von dem Wundermittelchen die Rede ist, das mir Schönheit und Gesundheit verschafft. Selbstverständlich gibt es immer nur ein Wundermittelchen, nie mehrere zugleich. Dieses wunderbare Etwas kann sich allerdings nur so lange mit seinem Titel schmücken, bis es von einem neuen, durch Hollywood, Zeitschriften, Instagram und diverse Blogs geisternden Wundermittelchen vom Thron gekegelt wird. Die Halbwertszeit dieser  Wundermittelchen ist ja verdammt kurz ist. So kurz, dass ich sehr genau hinhören muss, ehe ich das Ding nur noch vom Must-have-Thron purzeln höre – und wenn es da runtergefallen ist, will ich’s auch nicht mehr haben. Bin ja kein Müllschlucker.

Ich höre allerdings nicht nur genau hin, sondern auch sofort wieder weg. Nämlich dann, wenn sich herausstellt, dass 10 ml des unglaublichen Wasauchimmers 200 Euro kosten. Oder wenn das Zeug nur im Rahmen zahlreicher Sitzungen – von denen jede Sitzung 200 Euro kostet – in meinen Körper injiziert werden kann. Bin immer sehr daran interessiert, den Wirtschaftskreislauf in Schwung zu halten, aber irgendwann ist auch mal Schluss. Und deswegen werde ich wirklich hellhörig, wenn jemand, der meines Wissens nach kein  Geld daran verdient, ein Wunderding preist, das nicht medienübergreifend gehypt wird, weil es gerade an 20-jährigen Hooywoodbeautys gesichtet wurde. Sondern einfach nur, weil er davon überzeugt ist. Und genau das tut Dr. Bharat B. Aggarwal in seinem Buch „Heilende Gewürze“mit dem Kurkuma-Rhizom. Das „Supergewürz“ Kurkuma ist vor allem in der indischen Küche zu finden und es verhält sich mit dem Zeug ein bisschen wie mit Chuck Norris: es kann alles und es hilft gegen alles.  Frage mich ernsthaft, wie ich 44 Jahre ohne Kurkuma überleben konnte und nach dem Überfliegen des Kurkuma-Kapitels beschäftigt mich nur noch ein Gedanke: Ich brauche dieses Gewürz. Sofort! Sonst falle ich auf der Stelle tot …ähm…. total frustriert um. „Kolumne| Das gelbe Wunder…“ weiterlesen

Food| Wer is(s)t eigentlich noch normal?

Mal angenommen, ich habe ein Glas vor mir, in das ich Wasser aus einer Karaffe gießen möchte. Ich möchte viel Wasser ins Glas gießen. Nämlich mehr Wasser, als das Glas fassen kann. Wie trickse ich das blöde Glas  also aus?!

  • Ich überliste das Glas, indem ich das Wasser zur Hälfte mit Apfelessig verdünne oder Zitronensaft und Cayenne Pfeffer reinschütte.
  • Ich putze das Glas feinsäuberlich mit Glasreiniger, nehme  anschließend die Karaffe, mit der ich dreimal gegen den Uhrzeigersinn um den Tisch renne – und fülle dann das Glas, während ich magische Beschwörungsformeln murmele.
  • Ich nehme kein normales Wasser. Nur das, was in einer regnerischen Vollmondnacht von den Blättern eines Ausbacher Rotapfelbaums tropft – weil davon am meisten ins Glas passt.

Gebe zu, dass der Vergleich zwischen Körper und Glas hinkt, aber ihr versteht sicher, worauf ich hinauswill. Nachdem ich in den vergangenen 20 Jahren diverse Ernährungskonzepte ausprobiert habe, geht mir nämlich das Licht auf, dass sich mein Körper doch nicht in dem Maß für blöd verkaufen lässt, wie es mir lieb ist. Es ist ihm egal, ob ich morgens wie ein König frühstücke und das Dinner cancele oder mich mit Lebensmitteln vollstopfe, die Stoffwechsel und Fettverbrauch ankurbeln sollen. Und es scheint, als läge der Mann an meiner Seite – der in seinem Leben noch nie ein Diätbuch oder einen „Achtung! Neue Wunderdiät! Essen Sie dreimal so viel wie zuvor, aber die richtigen Lebensmittel, und werden Sie so schlank, dass Sie sich in Luft auflösen!!!“-Artikel gelesen hat, gar nicht so falsch.

Eigentlich alles ganz easy: Iss nur, wenn du Hunger hast…

 

Er sagt nämlich sinngemäß: „Iss nur so viel, wie dein Körper benötigt – anderenfalls musst du den mit der Nahrung zugeführten Energieüberschuss mit Sport abarbeiten oder du setzt Fett an.“ Als jahrelang von Frauenzeitschriften geprägtes Etwas kann ich da natürlich nur entgegnen: „Totaler Schwachsinn! Du hast doch überhaupt keine Ahnung. Wenn das so einfach ist, warum gibt es dann so viele Diätbücher, Diätfarmen, Abnehmpillen, Fett-weg-Cremes und Superfoods?“ Dazu sagt er nie was. Aber er rollt mit den Augen…

Iss nur so viel, wie du benötigst, eigentlich ganz einfach. Gäbe es da nicht ein klitzekleines Problem: Meine Seele benötigt gelegentlich völlig andere Dinge als mein Körper! Sie schreit eigentlich auch so gut wie nie nach Gemüse oder Obst. Eher nach Schokolade und Pommes. Und über die Menge, die meine Seele verdrücken kann, will ich gar nicht reden. Meine Seele hat sehr viel Hunger. Wenn sie wütend oder frustriert ist, traurig, einsam, genervt oder ihr eine Regenwolke auf den Kopf gefallen ist oder was weiß ich. Es ist also nicht ganz so einfach, nur dann zu essen, wenn man Hunger hat. Und es war ein nicht so leichter Weg, wirklich nur noch dann zu essen, wenn der Hunger nicht seelengesteuert ist. Manchmal führt mich meine Seele immer  noch aufs Glatteis, aber seltener als zuvor. Und wenn ihr der Sinn mal nach Apfeltaschen (Plural), Schokolade oder Currywurst mit Pommes steht, dann bekommt sie das halt mal und der Kopf („Aber das ist total ungesund! Denk an deinen Cholesterinspiegel!!!“) hat Pause.

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Food| Warum Smoothies keine Durstlöscher sind

Ich bin ein Anhänger von äußerer und innerer Schönheit. Demzufolge besitze ich natürlich nicht nur eine Fashion-Bibel von Ines de la Fressange [zur Rezension] sondern auch eine Mindstyle-Bibel von Maya Fiennes namens Yoga for Real Life! [zur Rezension] Der Titel ist irreführend, denn die Yoga-Übungen machen nur einen Teil des Buches aus. Und neben der Notwendigkeit, seine Gedanken bewusst auszuwählen und die Gedankenwelt gewissermaßen ebenso sorgfältig zu pflegen wie die Garten- oder Balkonbepflanzung, widmet sich Maya Fiennes auch der Ernährung – unter anderem in Form ihrer selbst kreierten Smoothies und Säfte.

Smoothies sind kein Getränk. Sondern ein Dessert.

 

Ich liebe selbst zusammengemixte Smoothies – allerdings nicht als Getränk, sondern als kleine Mahlzeit oder als Dessert! Als reine Gtränke gelten für mich nur Selter, Wasser oder ungesüßtes Kräutertees. Smoothies nicht. Denn:

Auch die flüssige Konsistenz hat so ihre Nachteile: Wir nehmen Smoothies wie ein Getränk zu uns, obwohl es sich bei ihnen hinsichtlich Nährwert und Kalorien eher um eine kleine Mahlzeit handelt. Aber der Sättigungseffekt von Flüssigkeiten ist gering. Festes Obst müssen wir dagegen erst mühsam zerkauen. „Dadurch dauert das Essen insgesamt länger und wir werden besser satt“, sagt Antje Gahl. [1]

Außerdem sind Smoothies durch ihren Fruchtzucker- und Säuregehalt eine Herausforderung für den Zahnschmelz [2] und für die Zähne ähnlich schädlich wie Süßigkeiten – sagt u.a. der Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer und Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Darum putze ich nach einem Smoothie auch nie gleich die Zähne. Allerdings experimentiere ich nun mal gerne mit gesundem und leckerem Zeugs rum und ein Smoothie als Dessert ist gesünder als Schokolade oder Kuchen – bilde ich mir ein. Und ein bisschen Soulfood braucht der Mensch. Habe mich daher von Maya inspirieren lassen und eines ihrer Rezepte  meinen Geschmacksvorlieben angepasst.

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Food| Über Matcha und andere Superfoods…

Trendwellen schwappen ja erst eine Weile durch die Gegend, ehe sie mich erfassen – wenn sie mich denn überhaupt erfassen. An Matcha kommt allerdings kaum jemand vorbei, der sich für Schönheit, Gesundheit und Detox [so man denn daran glauben möchte] interessiert . Außerdem soll der Tee beim Abnehmen helfen, da er aufgrund der enthaltenen Catechine angeblich den Fettabbau unterstützt.  Darf man der Yellow Press glauben, schwören Stars wie Mila Kunis oder Liv Tyler auf das grüne Zeug – was für mich allerdings ehrlich gesagt keine Werbung ist. Im Gegenteil: Schon mal von einem Hollywood-Sternchen gehört, das durch seinen gesunden Lebenswandel und sein liebevolles Verhältnis zu seinem eigenen Körper in die Schlagzeilen geriet? Eben. Und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die Damen Kunis und Tyler ohne Matcha nun gleich zum Moby Dick werden würden. Warum habe ich das Matcha-Zeug dann gekauft? Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung. Ich wollte mir und meiner Gesundheit einfach mal wieder was richtig Gutes gönnen und es kam mir ein bisschen zu profan vor, einfach nur Äpfel und grünen Salat zu essen. Das ist nicht Gesundheit 2.0, sondern… äh… Steinzeit?! Völlige Lifestyle-Verweigerung?! Da kann ich ebenso gut in Fake-Chucks (10€, Deichmann), meiner 10 Jahre alten Yogahose (vom Kaffeeröster, hält besser als das fünfmal so teure Markenteil) und meiner Etro-Tasche, an der noch das Ubup-Schildchen (Secondhand) baumelt, in der Bar vom Waldorf Astoria aufschlagen und ein Dosenbier ordern.

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