Leben| Über das Bewahren der alltäglichen Leichtigkeit

aIch weiß nicht mehr, wann es anfing. Aber seit einigen Jahren denke ich beim Anschauen der Nachrichten oder beim Überfliegen der Zeitung regelmäßig: „In was für einer kranken Welt leben wir eigentlich?“ Ich denke das, wenn mir mal wieder bewusst wird, dass wir uns so benehmen, als wären wir die „Wanderheuschrecken“ aus Independence Day. Wir lassen es zu, dass Regenwälder gerodet werden, damit man uns „billiges“ Palmöl in Pizza, Creme und Lippenstifte manscht. Oder dass übermüdete und unter“bezahlte“ Näherinnen, die unsere Klamotten fertigen, von Fabriktrümmern begraben werden. Dass Menschen verdursten, weil sie keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Und Kinder auf der Suche nach einem sicheren Ort im Mittelmeer ertrinken. Oder dass irgendwo auf dieser Welt Menschen gequält und vertrieben werden, weil es irgendwem in den Kram passt, während wir uns zurücklehnen, weil es ja sooo weit weg ist und uns nicht betrifft. Bis es uns dann eben doch betrifft.

Ich darf erst glücklich sein, wenn alles perfekt ist…

Die Masse an üblen Nachrichten, die täglich  auf einen einprasselt,  bleibt natürlich nicht folgenlos. Und so habe ich mir eine Zeit lang eingeredet, dass ich erst dann glücklich sein darf, wenn alles gut ist. Und mit alles ich meine alles: mein Leben, das Leben derjenigen, die ich mag und das Leben derjenigen, denen man Nachrichten und anschließende Brennpunkte widmet. Irgendwann  ging mir das Licht auf, dass ich da ziemlich lange warten kann. Weil ja immer irgendwas ist. Bei irgendwem und irgendwo. Da wurde ich zickig, missgünstig und ein bisschen unleidlich. Und unglücklich sowieso – weil ich ja nicht glücklich sein durfte oder konnte, wenn es irgendwem auf dieser Welt schlecht geht.

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