(Alternativer) Fakt ist: Ich bin eine Diva.

Es gibt Menschen, die sich unglaublich gut verkaufen können. So gut, dass aus dem mickrigen Wichtel plötzlich ein Ehrfurcht gebietender Napoleon wird, der sich von seinen Küchensklaven [Monsieur Thermomix und Madame Mikrowelle] keine Bratkartoffeln mehr zaubern lässt, sondern Pommes de terre rissolées à l’ail. Ich gäbe einiges drum, wenn ich auch so lässig mit Blendgranaten hantieren könnte. Aber leider ist mir das nicht gegeben – bis jetzt. Denn im Rahmen meines Ja-Experiments sehe ich mich gezwungen, neue Wege zu gehen. Weil die alten Wege mich nicht dorthin geführt haben, wohin ich möchte. Was natürlich auch daran liegt, dass ich nie so richtig wusste, wohin ich gehen wollte, aber das würde jetzt zu weit führen und vor allem zu tief in seelische Abgründe, die… äh… ich ja gar nicht besitze. [Ich lerne verdammt schnell, seht ihr?]

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Das Ja-Experiment…

Wie ein kleines Wort dein Leben ändern kann!“ und wie dich ein eigentlich amüsantes Buch in einer Tour darüber nachdenken lassen kann, was für eine blöde und durch und durch langweilige Kuh du doch bist. Preisfrage: Wovon könnte ein Buch handeln, das den Namen Das Ja Experiment trägt? Ja, da gerät das Hirn ins Rotieren, denn das ist eine wirklich schwere Frage, ich weiß.

Das Ja-Experiment ist ein typischer Fall von „instagramamademebuyit“, denn ohne Instagram hätte ich nicht gewusst, dass Shonda Rhimes [Schöpferin von Grey’s Anatomy, Private Practice oder Scandal] ein Buch geschrieben hat. Wäre mir ehrlich gesagt  auch egal gewesen, denn ich habe keine dieser Serien länger als ein paar Folgen angeschaut – wenn überhaupt. Mit Arztserien kann man mich jagen, da kollabiert der latent in mir schlummernde Hypochonder und alpträumt von Excalibur-großen Eiszapfen, die ihn heimtückisch erdolchen oder von todbringenden Krabbelviechern, die sich durch den Verzehr einer exotischen Frucht [Mango, Banane?] häuslich in seinem Inneren einrichten, ihn langsam von innen her aushöhlen und irgendwann,wenn nur noch eine Hülle übrig ist… na lassen wir das. Ihr seht also, dass es in unserer aller Interesse ist, dass ich keine Arztserien anschaue und nun lasst euch den Obstsalat schmecken.

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Howgh. Die Sterne haben gesprochen.

Neues Jahr, neues Glück. Und ich kann euch schon mal versichern, dass das ein großartiges Jahr werden wird – zumindest für alle, die an ihrer Persönlichkeitsentfaltung interessiert sind. Woher ich das weiß? Das haben mir die Sterne geflüstert. Habe im alten Jahr noch schnell einen Vorsatz [keine Frauenzeitschriften mehr für mich] gebrochen und mir die emotion gekauft. Außerdem läuft das Mini-Abo der Glamour noch und das Beste einer jeden Dezemberausgabe ist zweifelsohne das Jahreshor(r)o(r)skop und derer besitze ich nun gleich zwei. Die emotion verspricht uns allen in ihrem Jahreshor(r)o(r)skop:

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Magic Cleaning für die Seele…

Genießt den Jahresausklang und die damit verbundenen Leckereien – spätestens zum Jahresanfang werden wir wieder mit Tipps für Detox- oder Fastenkuren bombardiert. Entgiften, aufräumen und loslassen sind eben echte Dauerbrenner und da passt es, dass Marie Kondo sich – grob zusammengefasst – dem Falten von Klamotten gewidmet hat, damit einen Bestseller landete und es auf die „Time“-Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten schaffte. Liegt wohl eher nicht nur an der Ordnung im Kleiderschrank, auf die wir plötzlich alle so erpicht sind, sondern an dem japanischen Sprichwort: „Die Unordnung im Zimmer entspricht der Unordnung im Herzen.“ Demzufolge sind die zusammengerollten Klamotten nämlich nur der Anfang auf dem Weg zu fein säuberlich aufgeräumten Herz- und Seelenkammern und wer hätte die nicht gerne? Kein rumpeliger Dachboden mit Spinnenweben und verstaubten Truhen, der seit Jahren im Dornröschenschlaf liegt, sondern eine fein säuberlich aufgräumte Schublade mit korrekt gerolltem… na was auch immer. Klingt schon schön.

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Magic Goals für Spatzenmenschen.

Überraschung: 2017 steht vor der Tür! Das weiß ich sehr genau, weil ich Menschen folge, die sich Organisation und Life-Coaching auf die Fahnen geschrieben haben und weil ich darüber hinaus auf Facebook einige Male zu oft entsprechende Posts gelikt habe, so dass mir nun ständig Blogeinträge oder Werbeeinblendungen für Kalender, Organizer oder „Plane dein neues (bestes) Jahr und dein Leben“-Workbooks und ähnliches um die Ohren fliegen. Nebenbei bemerkt sind diese Werbeeinblendungen gut. Passgenau. So passgenau, dass ich gar nicht wissen will, was FB noch über mich weiß, aber das ist jetzt nicht das Thema. Nach zwei Werbeinblendungen war mir klar: ich brauche einen Organizer. Nach einem Dutzend Werbeeinblendungen und dem Konsum meiner favorisierten Blogs umd Instagramaccounts wusste ich: einer reicht nicht, ich brauche zwei Organizer. Mindestens. Am liebsten sogar für jeden Lebensbereich einen, andererseits hätte ich dann zu viel Organizer für zu wenig noch zur Verfügung stehende Zeit. Auch blöd.

Außerdem brauche ich Ziele! Viele Ziele! Warum? Weil ich es nötig habe und weil ich nie wieder in einem Workbook schon auf den ersten Seiten ins Straucheln geraten möchte. Nämlich bei den Fragen, wie die bisherigen Ziele aussahen und was ich gerne sonst noch in 2016 erreicht hätte. Nachdem sich diese Fragen einige Tage fröhlich in mein Hirn frästen, wurde mir nämlich klar, dass ich keine konkreten Ziele hatte – nur Wünsche. Und dass diese Wünsche im Sinne der persönlichen Weiterentwicklung nichts taugen. Gar nichts. Ich bin da einfach zu schlicht gestrickt und das fängt schon damit an, dass mich die Tatsache nervt, dass Ziele heute nicht mehr Ziele heißen. Sondern Magic Goals. Klar, das klingt gehaltvoller und nach mehr Sternenstaub und Feenglitzer.

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Optimize yourself – aber dabei bitte immer schön lässig bleiben…

#kann Ironie enthalten

#muss aber nicht

Um meinen Horizont zu erweitern und mitzubekommen, wohin der Zeitgeist-Hase läuft, halte ich mich diesbezüglich auf dem Laufenden. Allerdings stresst mich das mittlerweile gewaltig, vor allem online ist es die Pest. Denn  wohin ich auch schaue: Ich habe ständig das Gefühl, dass das Leben zunehmend zum Projekt wird, bei dem es immer nur Optimierungsbedarf gibt. Zurücklehnen und das Erreichte würdigen? Klar. Abends bei einem Gläschen Wein oder einem schönen Bad – und tags darauf geht’s dann munter weiter. Da verkniffene Klassenstreber allerdings out sind, muss das alles total unangestrengt, lässig und easy peasy wirken  – und hier kommt die richtige Motivation ins Spiel, denn selbstverständlich stresst uns dieser Zwang zur Optimierung überhaupt nicht, da wir ja auch von Natur aus dafür brennen, die beste Version von uns selbst zu werden. Das wurde uns Frauen quasi in die Wiege gelegt – denn anderenfalls wären wir ja als Kuh zur Welt gekommen, die tagein und tagaus wiederkäuend auf der Weide steht und auf Persönlichkeitsentwicklung schei… äh… pfeift. Wissta Bescheid. Und so ist wohl auch die Urmutter aller Lügen nach Schatz, es ist nicht das, wonach es aussieht entstanden, nämlich: Ach, das ist alles total einfach – ich tue nur das, wofür ich brenne und schon läuft alles wie von selbst, ich muss mich gar nicht anstrengen… 

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5 Dinge, die ich als introvertierter Mensch nicht mehr hören möchte.

Ich schreibe selten über meine Introversion, weil ich keinen Sinn darin sehe, das groß zu thematisieren – die Welt wird sich für mich nicht ändern, also muss ich mich irgendwie mit mir arrangieren. Und wenn ich schon darüber schreibe, würde ich ja lieber was sagen à la: Nimm dich so an, wie du bist – du bist absolut in Ordnung so, weil es nun mal introvertierte und extrovertierte (extravertierte) Menschen gibt.

Aber kann man das überhaupt guten Gewissens einfach so schreiben? Das Problem ist ja, dass es keine zweite Chance für den ersten Eindruck gibt. Und dass wir es mittlerweile perfektioniert haben, alles schnell zu scannen und infolgedessen zu entscheiden, wem oder was wir noch mehr Aufmerksamkeit schenken. Doch was mache ich als introvertierter Mensch, wenn ich die Chance habe, einen ersten Eindruck zu hinterlassen? Ich halte mich – wie üblich in ungewohnten Situationen – immer im Hintergrund und schaue mir die Sache erstmal an, gerne auch ein bisschen länger und manchmal eventuell zu lange. Das hinterlässt welchen Eindruck? Im besten Fall gar keinen. Im schlimmsten Fall werde ich irgendwo in die Schuladen „langweilig“ bis „desinteressiert“ oder sehr oft in die Schublade „arrogant“ gepackt. Und ist die Schublade erstmal zu, ist es verdammt schwer, da wieder rauszukommen. Also hadere ich ein wenig mit meiner Introversion und das liegt nicht an der Introversion selbst, sondern daran, dass ich mich in einer extrovertierten Welt behaupten soll. Ebenso gut könnte man sich einen Fisch schnappen und ihm sagen: „Du wohnst ab sofort in dieser Hütte am Strand und wage es ja nicht, hier rumzuzicken und dich blöd anzustellen – es liegt lediglich an dir, was du daraus machst.“ Ja. Natürlich. Und im Himmel ist Jahrmarkt und wenn das Pferd sich nur ein bisschen mehr Mühe gibt, dann können wir demnächst  die Bäume hochreiten. Aber manchmal … also hin und wieder … an einem schlechten Tag, der unter der unheilvollen „Vollmond trifft auf PMS“-Kombination steht, da platzt mir der Kragen. Weil mir mal wieder jemand in mich reinredet, der überhaupt keine Ahnung davon hat, wie introvertierte Menschen ticken…

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#Erfolgs-Coaching für Dummies. 5 Tipps für ein glückliches und erfolgreiches Leben. Oder: Ja! Auch du kannst es schaffen!!!

#kannSpurenvonIronieenthalten

#mussabernicht

In den letzten Monaten [okay, gelogen… es waren Jahre, aber wer gibt denn das freiwillig zu?!] habe ich mich ein wenig mit Menschen beschäftigt, die anderen Menschen erklären, wie sie ihr Leben in den Griff bekommen oder lang gehegte Träume in die Tat umsetzen können. Das geschieht oft auf schneeweißen Webseiten, auf denen einem beim Lesen im Sekundentakt rosafarben unterlegte Aufforderungen [„Werde auch du Teil unserer tollen Community!“, „Fordere dein E-Book an, gratis!!!“, „Du willst erfolgreich sein? Dann lass dich von mir dabei unterstützen – abonniere meinen Newsletter!“ etc.] um die Ohren plopppen und es ist auch ein dankbares und lukratives Betätigungsfeld, weil nur wenige von uns ihr Potenzial voll ausschöpfen. Und wer möchte schon freiwillig unter seinen Möglichkeiten leben? Zumal es ja auch gar nicht mehr so leicht ist, einfach unter seinen Möglichkeiten zu leben, wenn einem von allen Seiten „verwirkliche dich selbst“-Tipps entgegengeschleudert werden und „das Netz“  einem die entsprechenden Erfolgsstorys rund um die Uhr frei Haus liefert. Sagt doch mal: Seid ihr zufrieden mit eurem Leben? So richtig? Also ich meine: Steht ihr wirklich jeden Morgen singend und tanzend auf, weil ihr es gar nicht fassen könnt, wie wundervoll und großartig euer Leben ist?! Nein?! Na das muss doch aber nicht sein. Ist heute schließlich einfacher denn je, dem Leben die entscheidende Wendung zu geben. Ihr könntet beispielsweise:

  • Als  digitaler Nomade ein erfolgreiches Onlinebusiness aufziehen, das sich damit beschäftigt, anderen zu verraten, wie sie ein gigantisch gut laufendes Onlinebusiness aufziehen, das monatlich ein fünfstelliges Einkommen generiert, so dass der Mac wahlweise in der Südsee, an der Ostsee oder in der heimsichen Badewanne angeworfen wird. [Macht einen atemlos, nicht wahr? Und das liegt sicher nicht nur an dieser Mordschachtelsatzkonstruktion, an der ich lange gefeilt habe!]
  • Als Mompreneur arbeiten und… ähm… selbst gefilzte Eierwärmer bei Etsy oder Dawanda verkaufen oder – siehe oben – ein total erfolgreiches Onlinebusiness aus dem Boden stampfen.
  • In drei Wochen 100 kg abnehmen – ohne Diät oder sonstigen Verzicht. Der Clou: Ihr esst nur noch dann, wenn ihr Hunger habt und hört auf euren Körper, ich habe das hier schon mal beschrieben – gratis – und sorgt für ausreichend Schlaf.
  • Oder wolltet ihr nicht schon immer ein eigenes Café oder ein Yoga-Studio eröffnen? Einen Blumenladen?!
  • Euch im kreativen Bereich selbst verwirklichen?  Oder anderen dabei helfen, ihr Potenzial voll auszuschöpfen?

 

Na bitte, geht doch. Und nachdem wir dieses zarte Wunschpflänzchen ans Tageslicht gezerrt haben, wird es Zeit, den Hintern hochzubekommen. Und da, das muss ich jetzt einfach mal so sagen, habt ihr großes Glück, dass ihr mich habt. Denn ich werde euch dabei helfen, diesen Wunsch mit Leben zu füllen. Auch gratis.

Es ist nun zwar nicht so, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, denn wenn ich das getan hätte, hätte ich ja finanziell ausgesorgt und  würde meine Blogposts nicht am Wohnzimmertisch sitzend schreiben, sondern aus einer sanft schaukelnden Hängematte heraus und meine einzige Sorge wäre die, dass mir keine Kokosnuss auf den Kopf knallt. So ist es nicht und das Ding mit der Kokosnuss ist mein kleinstes Problem, viel problematischer ist die Tatsache, dass ich alles gratis verschleudere. Allerdings habe ich diverse Bücher und Blogposts zum Thema gelesen, so dass ich euch guten Gewissens – kostenlos [ich will nicht immer gratis sagen] und total uneigennützig! – an meinem Wissen teilhaben lassen kann, indem ich das gequirlte Blabla mal für euch aufbereite. Also… fertig für den Erfolg? Here we go.

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Meine Seele hat ein Sparkonto.

Habt ihr manchmal das Gefühl, dass euch alles zu viel wird und dass die nächste Aufgabe – möge sie auch noch so winzig sein – euer Kartenhaus zusammenstürzen lassen könnte? Nein? Dann gratuliere ich euch von Herzen. Klickt ausnahmsweise mal weiter, dieser Text ist nichts für euch. 😉

Und wie sieht’s mit dem Rest von euch aus? Engagiert ihr euch für irgendwas? Vielleicht für die Umwelt, artgerechte Tierhaltung, Kaffeebauern in Lateinamerika oder eure Gemeinde? Und setzt ihr euch in ähnlichem Maß für euch selbst ein und gönnt euch hin und wieder was Gutes?  Ich rede von diesen typischen Belohnungen, die uns am Laufen halten. Wie die aussehen, wissen wir ja, weil uns  oft genug vorgebetet wird. Ihr könnt…

  • ein Bad nehmen (am besten die Kerzenlicht-Rosenblatt-Nummer und das Buch nicht vergessen!),
  • euch einen Wellnesstag in einem luxuriösen Spa gönnen,
  • neue Unterwäsche (nee, keine Feinripp-Slips) kaufen,
  • oder gleich einen ganzen Shoppingmarathon absolvieren
  • und zum Schluss beim Lieblingsitaliener aufschlagen.

Kurz: Je mehr die Kreditkarte glüht, desto besser. Richtig? Denkste. Und ich hätte nicht gedacht, dass ich als kleines Konsummonster das jemals schreiben würde, zumal ich selbst lange Zeit die „Kauf dich glücklich“-Strategie verfolgt habe. Allerdings musste ich irgendwann einsehen, dass das so nicht funktioniert. Bei mir. Oder nur kurzfristig. Weil es eben nur in hübsche Tüten gepackte Trostpflaster sind – allerdings sehr niedliche mit Blümchen und Comicfiguren, denen man nur schwer widerstehen kann. Problem erkannt und behoben? Wäre zu einfach. Ich wusste zwar, was nicht hilft, aber was hilft, wusste ich eben auch nicht.

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Der Zeitgeist und ich.

ZeitZOder: Was das Leben mit einer Speisekarte zu tun hat. Der Zeitgeist und ich, wir sind ja nicht die engsten Freunde. Er findet mich bockig, vorsintflutlich und steinalt. Ich finde ihn laut, nervig, oberflächlich und sehr, sehr anstrengend. Wir sprechen einfach zwei verschiedene Sprachen. Und während ich einfach nur ein bisschen dieses und jenes tun möchte, schüttet er überall „Brillant Powder superstrong“ drauf. Besonders schlimm ist es, wenn er mal wieder  zu viel auf Instagram oder in einschlägigen Lifestyleblogs unterwegs war. Denn dann legt er richtig los und das klingt dann ungefähr so…

  • Essen: Wie jetzt, du willst einfach nur was kochen?! Warum sammelst du dein Essen nicht gleich im Wald und garst es über einer Feuerstelle?! Streng dich gefälligst an und kreiere ein mehrgängiges Menü, bei dem Nigella Lawson und Jamie Oliver mit den Ohren schlackern und dir spontan eine Zusammenarbeit für ihr nächstes Kochbuch anbieten. Und was die Tisch-Dekoration angeht: Da sind aus Mammutzahn geschnitzte Miniaturen und aus Elfenhaar geklöppelte Spitzendeckchen wohl das Minimum dessen, was man in einem zivilisierten Haushalt erwarten kann.
  • Sport: Du möchtest zum Runterkommen ein bisschen Sport machen, weil du dich dann besser fühlst? Oder was für deine Gesundheit tun?! Spiel doch gleich mit Murmeln! Hör mal gut zu: Wenn wir Sport machen, dann trainieren wir für den nächsten Marathon oder für die Tour de France. In der entsprechenden Sportswear natürlich. Und wir praktizieren nicht einfach Yoga – selbstverständlich ebenfalls in der entsprechenden Sportswear mit Wellnessfaktor, die idealerweise ein Topmodel entworfen hat – sondern wir wollen so biegsam und gelenkig werden, dass ein Schlangenmensch daneben wie ein hüftsteifer, von Arthritis geplagter Greis wirkt. Ach ja: Wenn wir Sport machen, dann schwitzen und keuchen wir auch nicht. Wir sehen blendend aus, wie eben frisch aus der Deowerbung gehüpft. Und das Letzte, was man über dich sagt, ehe man dich nach deinem Zusammenbruch ins Sauerstoffzelt legt, ist: „Huch, aber eben sah sie doch noch total relaxt aus, wie konnte das passieren?“
  • Einrichtung: Wann hast du dir eigentlich zum letzten Mal Gedanken über die Einrichtung deiner Wohnung gemacht?! Sieht es bei dir zuhause etwa so zauberhaft aus, dass die Lifestyleredakteurinnen der großen Magazine weinend zusammenbrechen und sofort bei dir einziehen wollen? Oder provozieren deine Bilder auf Instagram eine Flut von Kommentaren à la: „Oh ist das schön bei euch! Woher hast du die Kissen? Und die Couch? Und diese Vasen?! Und deinen exzellenten Geschmack? Wo kann ich das kaufen?!“ Nein?! Na siehste. Also geh zurück auf den Flohmarkt und kauf stylishes Dekozeugs. Alte Bananenkisten, die du weiß lackierst und als Beistelltischchen deklarierst. Oder ramponierte Milchkannen, die du  zur Vase umfunktionierst. Und Strandgut und im Wald rumliegendes Zeug, das nimmst du mit,  bürstest es ab, lackierst es bei Bedarf und dann arrangierst du es in Grüppchen in der Wohnung. Vier Muscheln auf der Anrichte, drei Steine auf dem Fensterbrett, ein Glas mit Federn auf dem Tisch – das ist total individuell und das hat sonst niemand. Wenn du mal die entsprechenden Magazine, Blogs und Instagram-Accounts anschauen würdest, dann wüsstest du das. Ach ja: Behalte bloß für dich, dass du deine Kissen, Obstschalen und sonstiges Chichi nicht im Rahmen deiner Weltreisen auf versteckten Märkten entdeckt hast, die in keinem Reiseführer stehen. Muss ja niemand wissen, dass das Zeug vom Möbelschweden oder aus’m Dänischen Bettenlager stammt und du ihm nur den letzten Schliff verpasst hast.

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Eat Pray Om. Oder: Die Zähmung der Giftkröte.

Es gibt Aufgaben, die mich immer wieder aufs Neue fordern. Eine davon ist die, mit mir selbst im Reinen zu sein. Klingt jetzt ein bisschen sehr Eat-Pray-Love-mäßig und jeder hat da sicher seine eigene Definition, aber für mich bedeutet „Mir mir im Reinen sein“: Mich so anzunehmen, wie ich bin [und nicht schöner, klüger, erfolgreicher, schlanker oder was weiß ich sein zu wollen*] und nicht länger damit zu hadern, dass es [hier bitte Ungeplantes/Schicksalsschläge nach Wahl, gerne auch in der Mehrzahl, einfügen] nun ausgerechnet so gekommen ist und nicht anders.

Es ist wie es ist…

 

Es ist wie es ist –  und es liegt an mir, das Beste aus dem zu machen, was ist. Für das, was passiert ist, trage ich vielleicht nicht immer die Verantwortung, aber ich trage die Verantwortung dafür, wie ich damit umgehe. Kluge Menschen wissen das gleich – ich habe mir vorher ein paar Umwege gegönnt. Mit Schuldzuweisungen Flipper gespielt, den Kopf in den Sand gesteckt, rumgestänkert oder rumgejammert, so dass ich ein Musterbeispiel für Einsteins Definition einer Wahnsinnigen abgab:

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. “ 

Irgendwann machte es dann endlich mal Klick. In meiner grenzenlosen Naivität hatte ich allerdings angenommen, dass dieses In-sich-Ruhen ein Zustand ist, den man sich einmal erarbeitet, um dann zeitlebens auf einer Wolke der Glückseligkeit durchs Leben zu schweben. Darum war ich auch schwer begeistert, als ich zwischenzeitlich eine Phase hatte, in der ich wie ein tiefenentspanntes Glücksbärchi auf Drog… äh… Johanniskraut durch die Gegend schwirrte. Selbstverständlich – und ein bisschen größenwahnsinnig – ging ich davon aus, dass ich in diesem Punkt alles gelernt hatte, was es zu lernen gab. Nun ja.

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Gegenwärtig unaufmerksam. #Meditation für Dummies.

Dieses „lebe im Hier und Jetzt“ nervt mich ja schon ein bisschen, suggeriert es doch irgendwie, dass wir alle nur kleine Alltagsroboter sind, die stumpf und stupide ihren täglichen Verrichtungen nachgehen. Stellt sich die Frage:  Wie aufmerksam geht ihr eigentlich durchs Leben? Bislang hielt ich mich für einen relativ aufmerksamen Menschen, wobei das natürlich auch immer eine Frage der Sichtweise ist. Manch einer hält sich für total entspannt. Und erwähnt dann ganz nebenbei, dass er streng makrobiotisch lebt, Alkohol meidet, täglich zwei Studen auf dem Meditionskissen und zwei auf der Yogamatte zubringt und kurz nach dem Sandmännchen ins Bett geht. Das ist sicher total entspannt. Verglichen mit einem tibetanischen Mönch. Ich hielt mich, wie eingangs erwähnt, für relativ aufmerksam. Verglichen mit meinem Mann. Der mich gerne mal fragt: „Warum hast du mir das nicht gesagt?“, woraufhin meine Antwort stets lautet: „Habe ich doch. Vor zwei Minuten.“ Tja. Ein Hängebauchschwein  wirkt neben einem Elefanten auch beinahe zart. Neben einem Schmetterling eher nicht.

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Kolumne| Die ungeschminkte Wahrheit

In schöner Regelmäßigkeit kommen mir Schlagzeilen à la „Gammel-Britney ist zurück“ oder ähnliches unter. Untermalt mit passenden Beweisfotos. Das schwere Vergehen von Flodderqueen Spears in diesem Fall: Sie gönnte sich nach ihrer Tanzstunde kein Style-Upgrade, sondern schlumpfte ungeschminkt, ohne Heels und im Schluffi-Look aus dem Studio. Drama, Drama, Drama! Schweres Vergehen, für das sie natürlich sofort von den Hütern des guten Stils festgenommen wird. Damit der Rest von uns nicht aus allen Wolken fällt. Denn…

Oh! Mein! Gott!

Ist es wirklich wahr?! Die Spears hat nach einem Workout so gar nichts von dem Püppchen, als das sie durch ihre Clips tänzelt?! Und sie verfügt noch nicht mal über den Anstand, das abzustylen… äh…  abzustreiten? Un-fass-bar. Sieht sie außerhalb des Rampenlichts möglicherweise generell eher wie ein normaler Mensch aus, der sich nicht  24/7 Gedanken um sein Outfit macht und der ohne die helfenden Hände von Hair- und Make-up-Artists vielleicht ein bisschen überfordert ist? Ist ja eine Sache, sich für sich selbst zu kleiden und eine komplett andere, permanent die Illusionen am Leben halten, die man selbst schuf. Die Geister, die ich rief und so.

Wer Illusionen zerstört, wird bestraft…

Ich glaube ja, dass das wirklich „schwerwiegende“ Vergehen hier ein anderes ist. Die Promis, die im falschen Moment abgelichtet werden und dabei ihr ungeschminktes Gesicht oder einen cellulitischen Oberschenkel zeigen, lassen eine sorgsam von den Medien und der Schönheitsindustrie geschürte Illusion zerplatzen. Die Illusion von der perfekten Superfrau, die nichts weiter ist als: eine perfekte Illusion. Eine Mischung aus Sharon Stone oder Megan Fox, Jenna Jameson und Françoise Barré-Sinoussi  – Zusammensetzung der jeweiligen Bestandteile und Facetten je nach Vorliebe und persönlicher Präferenz. Die personifizierte Stepford-Frau, die rund um die Uhr und in jeder Lebenslage so aussieht, als könnte sie alle männlichen Wesen für einen Moment veela-gleich verzaubern. Oder wenigstens sofort ihren Dienst als Edelprostituierte antreten – mittlerweile hat da ja styletechnisch schon eine gewisse Verschiebung  Richtung Porno-Style stattgefunden.