Kolumne| Lifestyle-Kollaps

Ich bin weit davon entfernt, ein minimalistisches Leben zu führen oder vor jedem Kauf genau zu überlegen, ob ich dieses und jenes nun „brauche“ oder nicht. Abhängig von meiner Seelenverfassung, dem Hormon- und Mondstand und dem Preis ist auch ein simples „ich will es“ ein vollwertiges Kaufargument. Momentan will ich allerdings nichts mehr und vor allem will ich nichts mehr kaufen. Grund für diesen kontofreundlichen Sinneswandel ist die Tatsache, dass ich in den letzten Wochen und Monaten surfenderweise einfach zu oft im Lifestyle-Bereich unterwegs war und das blieb nicht ohne Folgen. Aus ersten Lifestyle-Unverträglichkeitsanzeichen [hochgezogene Augenbrauen, Stirnrunzeln, Kopf auf Tisch knallen] wurden handfestere [das Schreiben ironischer Posts, die nur zum Teil den Weg an die Öffentlichkeit fanden, weil ich mir keinen Bodyguard leisten kann]. Mittlerweile leide ich an einer ausgewachsenen Social-Media-bedingten Lifestyle-Allergie und zittere schon beim Gedanken daran, Instagram oder verschiedene Lifestyle-Medien überhaupt aufzurufen, weil ich nicht weiß, was das mit mir anstellen wird.

Ich bin, wie eingangs erwähnt und man kann es bei so einem Text auch nicht oft genug sagen, dem Konsum durchaus nicht abgeneigt. Doch seit wann ist „Lifestyle“ lediglich ein Synonym für ein gigantisches Online-Kaufhaus, in dem ich rund um die Uhr Zeugs bestellen kann und soll ? Wenn ich all das kaufen würde, was mir da täglich auf allen Kanälen unter die Nase gehalten wird, wäre ich bis ins nächste Leben verschuldet und müsste mir ein paar großzügig unterkellerte Häuser bauen, weil das Zeug ja irgendwo untergebracht werden möchte. Und wenn ich von dem in den Lifestyle-Medien vorgestellten Zeug nichts kaufen möchte, weil ich derzeit gut versorgt bin oder einfach kein Geld für Shoppingexzesse habe … was bleibt dann inhaltlich noch übrig? Manchmal sehr wenig bis nichts [es gibt allerdings wirklich lobenswerte Ausnahmen!]. Außerdem zeigt das Bombardement an zeitgemäßer Lifestyle-Dokumentation in Echtzeit erste Folgen. Mein Hirn zersetzt sich langsam angesichts dessen, was „Leben“ darstellen soll, dabei aber eher eine sorgsam durchdesignte Magazin-Mischung aus „Fit for Fun trifft auf Flow und Happinez“ ist.   „Kolumne| Lifestyle-Kollaps“ weiterlesen

Wer beschützt mich eigentlich vor Influencern?

StandBin neulich auf Facebook über ein Video gestolpert. Über ein „schockierendes Video“, das sich „der hässlichen Wahrheit widmet, die in Frauenzeitschriften steckt [youtube-Klick]“ Weil die Dinger nämlich voller Werbung sind [ach… tatsächlich?! Um das nicht zu realisieren, müsste ich aber schon blind und blöd sein, vor allem bei der Vogue oder der Elle, da tarnt sich die Werbung ja nicht mal, sondern springt einem direkt ins Gesicht…]. Außerdem vermitteln diese Heftchen ein falsches Frauenbild und setzen uns dadurch unter Druck. Im Video heißt es außerdem „Over a third of women who read this are over 40. Guess how many pictures of women over 40 I could find? ZERO.“Ja, ist mir auch schon aufgefallen, dass die Models in den Heften recht jung [und sehr, sehr schlank] sind. Und? Es zwingt mich doch niemand dazu, diese Magazine zu kaufen. Schon gar nicht, wenn ich mich hinterher schlecht fühle – denn genau das wird auch angeführt, dass sich viele Frauen nach dem Konsum einer solchen Zeitschrift schlecht fühlen würden. Nun überlege ich ernsthaft, was mit mir nicht normal ist, denn ich kann durchaus hin und wieder zur Entspannung die Printausgabe der Elle oder der Vogue oder ähnlichen Kram lesen, ohne mich hinterher schlecht zu fühlen. Es sei denn, ich habe gerade einen ganz miesen Tag, dann kann schon mal ein Blogpost dabei rausspringen. Etwa der hier: Superwoman 2.0.

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