Über ein Rattenrennen, das niemand gewinnen kann, der damit kein Geld verdient.

Je mehr ich mich mit Medien befasse, deren Zielgruppe Frauen meines Alters sind, desto öfter werde ich mit folgender Überlegung konfrontiert: „Was machen lassen“ oder nicht? Und gemeint sind logischerweise nicht längst fällige Renovierungsarbeiten Küche oder Bad betreffend, sondern Restaurierungsarbeiten am eigenen Gesicht. Denn was auch immer ich lese: die Botschaft lautet nie, dass ich gut genug bin – im Gegenteil. Je älter ich werde, desto dringender, so wird mir suggeriert, muss ich was an mir und mit mir machen, um nicht vollends zu verfallen. Manche arbeiten da ganz klar mit der unmissverständlichen Ansage „Lifting, Botox, oder…? Was Beauty-Docs ihren Freunden raten“ (da sind sie wieder, die Freunde). Andere setzten – vorerst – auf die Kraft von Seren und Cremes oder Liftingfluids und lassen Damen (zwischen 53- 73 Jahre) zu Wort kommen, die wunderschöne Sachen sagen. Etwa: „Jahre zählen weniger als die Körpersprache“ oder „Forever young ist für mich nicht erstrebenswert. Ich finde, dass Frauen in jedem Alter schön sind und Schönheit nicht von straffen Gesichtskonturen oder von einem schlanken Körper abhängig ist“. Anderswo lassen mich Frauen, die natürlich altern wollen, an ihren Schönheitsgeheimnissen teilhaben. Hoch im Kurs stehen: vegane Ernährung oder Clean Eating sowie Verzicht auf Zucker, Kohlenhydrate, Weizen und Gluten (obwohl es da keine Unverträglichkeit gibt). Ich würde mich nicht wundern, wenn mir plötzlich eine erzählt, dass sie vor 10 Jahren das Lachen eingestellt hat, weil das Lachfalten macht.  Und irgendwann stellen wir vielleicht noch das Denken ein, damit das Hirn nicht verschleißt. Mannmannmann…

Auch nicht wirklich hilfreich ist es, wenn Medien angesichts einer Frau, die mit Mitte 40 noch faltenfrei ist – siehe Anastasia Zampounidis, die übrigens vor Jahren Zucker von ihrem Speiseplan gestrichen hat – schier hyperventilieren. Ja, Frau Zampounidis sieht toll aus. Aber Entschuldigung?! WIE sollen wir mit 47 Jahren und einem halbwegs intelligenten Lebenswandel denn aussehen? Wie ein Shar Pei?! Muss gestehen, dass das alles nicht spurlos an mir vorübergeht und ich beim Blick auf Frau Zampounidis sogar schon überlegt habe, ob ich nicht mal konsequent auf Zucker verzichten sollte. Bisher kam mir aber immer irgendwas dazwischen – im Zweifelsfall ein Schokoriegel oder eine Marmeladenbrot.

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Von Models, Gigi Hadid und der angesagten Währung namens Follower.

Was haben die Kassiererinnen beim Möbelschweden und Models gemeinsam? Beiden geht es an den Kragen. Das Einkaufserlebnis im gelb-blauen Möbelhaus wird ja seit geraumer Zeit um eine weitere Facette ergänzt, denn nun können die Kunden beim Zusammenwürfeln des Hot Dogs nicht nur testen, ob ihnen möglicherweise eine Tätigkeit in der Systemgastronomie zusagt, mittlerweile lässt sich anhand des eigenhändigen Einscannens von Duftkerzen und Billy-Regalen auch überprüfen, ob die Arbeit an der Kasse eine Option wäre. Die Frau an der Kasse indes wird somit überflüssig.

Und nun geht’s auch noch den Models an den Kragen! Bisher waren die ja durchaus nötig, um Posts/Artikel ansprechend bebildern zu können, denn wir wissen: Im Netz ist ohne Bild nix los. Doch nun graben ihnen die Laien das Wasser ab. Und während die Laienmodels von der Brigitte so schnell in der Versenkung verschwanden, wie sie aufgetaucht sind, schreiben ihre Onlineschwestern eine Erfolgsgeschichte, die sogar die schreibende Zunft beeinflusst. Denn nie war es leichter, neue Beiträge zu erstellen, ohne sich über die begleitenden Fotos groß den Kopf zerbrechen zu müssen. Einfach ein wenig auf Instagram rumsurfen, sich interessante Bilder angesagter Fashionistas borgen und dann lediglich noch ein bisschen Text klöppeln – fertig. Wichtig: Das Copyright zwar ungebedingt angeben, verlinkt wird aber lediglich innerhalb der eigene Seite, damit die Leser nicht abspringen. Sollen Neugierige halt selbst die Suchmaschine betätigen.

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