Optimize yourself – aber dabei bitte immer schön lässig bleiben…

#kann Ironie enthalten

#muss aber nicht

Um meinen Horizont zu erweitern und mitzubekommen, wohin der Zeitgeist-Hase läuft, halte ich mich diesbezüglich auf dem Laufenden. Allerdings stresst mich das mittlerweile gewaltig, vor allem online ist es die Pest. Denn  wohin ich auch schaue: Ich habe ständig das Gefühl, dass das Leben zunehmend zum Projekt wird, bei dem es immer nur Optimierungsbedarf gibt. Zurücklehnen und das Erreichte würdigen? Klar. Abends bei einem Gläschen Wein oder einem schönen Bad – und tags darauf geht’s dann munter weiter. Da verkniffene Klassenstreber allerdings out sind, muss das alles total unangestrengt, lässig und easy peasy wirken  – und hier kommt die richtige Motivation ins Spiel, denn selbstverständlich stresst uns dieser Zwang zur Optimierung überhaupt nicht, da wir ja auch von Natur aus dafür brennen, die beste Version von uns selbst zu werden. Das wurde uns Frauen quasi in die Wiege gelegt – denn anderenfalls wären wir ja als Kuh zur Welt gekommen, die tagein und tagaus wiederkäuend auf der Weide steht und auf Persönlichkeitsentwicklung schei… äh… pfeift. Wissta Bescheid. Und so ist wohl auch die Urmutter aller Lügen nach Schatz, es ist nicht das, wonach es aussieht entstanden, nämlich: Ach, das ist alles total einfach – ich tue nur das, wofür ich brenne und schon läuft alles wie von selbst, ich muss mich gar nicht anstrengen… 

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Über ein Rattenrennen, das niemand gewinnen kann, der damit kein Geld verdient.

Je mehr ich mich mit Medien befasse, deren Zielgruppe Frauen meines Alters sind, desto öfter werde ich mit folgender Überlegung konfrontiert: „Was machen lassen“ oder nicht? Und gemeint sind logischerweise nicht längst fällige Renovierungsarbeiten Küche oder Bad betreffend, sondern Restaurierungsarbeiten am eigenen Gesicht. Denn was auch immer ich lese: die Botschaft lautet nie, dass ich gut genug bin – im Gegenteil. Je älter ich werde, desto dringender, so wird mir suggeriert, muss ich was an mir und mit mir machen, um nicht vollends zu verfallen. Manche arbeiten da ganz klar mit der unmissverständlichen Ansage „Lifting, Botox, oder…? Was Beauty-Docs ihren Freunden raten“ (da sind sie wieder, die Freunde). Andere setzten – vorerst – auf die Kraft von Seren und Cremes oder Liftingfluids und lassen Damen (zwischen 53- 73 Jahre) zu Wort kommen, die wunderschöne Sachen sagen. Etwa: „Jahre zählen weniger als die Körpersprache“ oder „Forever young ist für mich nicht erstrebenswert. Ich finde, dass Frauen in jedem Alter schön sind und Schönheit nicht von straffen Gesichtskonturen oder von einem schlanken Körper abhängig ist“. Anderswo lassen mich Frauen, die natürlich altern wollen, an ihren Schönheitsgeheimnissen teilhaben. Hoch im Kurs stehen: vegane Ernährung oder Clean Eating sowie Verzicht auf Zucker, Kohlenhydrate, Weizen und Gluten (obwohl es da keine Unverträglichkeit gibt). Ich würde mich nicht wundern, wenn mir plötzlich eine erzählt, dass sie vor 10 Jahren das Lachen eingestellt hat, weil das Lachfalten macht.  Und irgendwann stellen wir vielleicht noch das Denken ein, damit das Hirn nicht verschleißt. Mannmannmann…

Auch nicht wirklich hilfreich ist es, wenn Medien angesichts einer Frau, die mit Mitte 40 noch faltenfrei ist – siehe Anastasia Zampounidis, die übrigens vor Jahren Zucker von ihrem Speiseplan gestrichen hat – schier hyperventilieren. Ja, Frau Zampounidis sieht toll aus. Aber Entschuldigung?! WIE sollen wir mit 47 Jahren und einem halbwegs intelligenten Lebenswandel denn aussehen? Wie ein Shar Pei?! Muss gestehen, dass das alles nicht spurlos an mir vorübergeht und ich beim Blick auf Frau Zampounidis sogar schon überlegt habe, ob ich nicht mal konsequent auf Zucker verzichten sollte. Bisher kam mir aber immer irgendwas dazwischen – im Zweifelsfall ein Schokoriegel oder eine Marmeladenbrot.

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mit-teilens-wert #6 und warum Rosinen ab jetzt die neuen Weintrauben sind.

Ende April war es soweit: Das gruselige Zahlenmonster klopfte an die Tür und ich hatte wieder ein Jahr mehr auf dem Buckel. Unter uns: Während ich den vierzigsten Geburtstag jetzt wider Erwarten nicht sooo schlimm fand, hatte ich vor der Vierundvierzig doch Respekt. Logisch. Weil sich merkbar erst ab dem 42.Geburtstag kleine Veränderungen einschlichen und das wird mit zunehmendem Alter ja nicht besser. Ich rede von ersten grauen Härchen, die auf dunkler gefärbtem Haar erst so richtig auf dem Präsentierteller liegen, während viele Blondinen noch mit 50 rumrennen und tröten: „Ich hab noch gar keine grauen Haare!“ [Tja… einfach mal genauer hinschauen, Ladys – aber vielleicht gehört ihr ja tatsächlich zum Heer der Spät-Ergrauenden.] Meine Augenpartie kommt frühestens fünf Stunden nach mir in die Gänge und eine kleine Nasolabialfalte zwinkert mir freundlich zu und sagt: „Ich will mal eine ganz Große werden.“ [Nebenbei bemerkt: Ich mag diese Nasolabialfalte und werte das als gutes Omen dahingehend, dass ich auch die anderen Falten… ähem… wohlwollend begrüßen werde. So die Theorie.]

Und genau darum fliege ich seit geraumer Zeit – also eigentlich seit dem Vierzigsten – auf Lesestoff, der mir das drohende Ungemach schönredet. Ich rede nicht von Beiträgen wie diesen, die … ähm… eine Lanze für Ü40erinnen brechen wollen?! Sondern von Büchern, die sich idealerweise durch einen dezenten bis mittelschweren Esotouch auszeichnen, der sich ohne die komplette Abgabe des Gehirns bei Leseantritt ertragen lässt. Oder von Bücher, die mir suggerieren, dass 40 die neue 20 ist. Oder 50 die neue 30. Die Rosine also gewissermaßen die neue Weintraube ist.  Das ist verhaltensoriginell, ich weiß. Aber andere lassen sich fillern, botoxen und für viel Geld das Essen verbieten – nennt sich dann Fasten- oder Detoxkur. Ist das besser?

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Die unschönen Seiten der Schönheit und hässliche Vergleiche.

Heute habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit (also seit einigen Wochen) gedacht: „Alter Schwede, siehst du gut aus!“ Ich war sogar ein bisschen verliebt in mich und das kommt wirklich selten vor. Also eigentlich so gut wie nie. Blöderweise war das, was ich da anhimmelte, ein Selfie. Und zwar ein Selfie, das ich zuvor gnadenlos durch YouCam gejagt habe – eine App, die schöner macht. Tja. Blöd gelaufen. Und nun? Verkehre ich eben nur noch online, weil ich da nämlich… ähem… so schön bin, dass ich auf Instagram bestimmt wieder dubiose Privatnachrichten bekomme. Das hat ja stark nachgelassen, seitdem ich nur noch Blümchen, Kaffeetassen, Graffitis oder Warnemünde-Throwbacks poste. Theoretisch sollte ich die App also wohl vom Smartphone werfen, allerdings bringe ich das nicht übers Herz. Weil sie mich an bösen Tagen aufrichtet. An Tagen, an denen ich mich nicht schön fühle, es aber unbedingt sein möchte.

 

Die Sache mit der Eigen- und der Fremdwahrnehmung…

 

Erinnert ihr euch noch an den rührseligen Dove-Werbeclip  Real Beauty Sketches, für den ausgerechnet ein Mann verantwortlich ist, der uns Frauen zeigt, wie schön wir sind? Okay, der Clip drückt arg auf die Tränendrüse, am Ende bleibt dennoch eine Frage: Warum klaffen zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung so große Lücken? Ich würde mich selbst ja gerne davon aussnehmen, aber siehe oben. Es ist mir leider nicht möglich. Tatsächlich habe ich immer mal wieder Phasen, in denen ich denke: „Hey, du siehst eigentlich ganz okay aus (für dein Alter. Könnte schlimmer sein).“ Und kaum denke ich das, kommt mir garantiert irgendeine Super-Beauty unter und ich möchte mir die Decke über den Kopf ziehen – obwohl ich seit jeher der Meinung bin, dass äußere Schönheit alleine schnell langweilig wird, wenn die Füllung nicht stimmt.

 

Vergleiche: Wenn sich der Autopilot einschaltet…

 

Da ist es wieder… dieses Vergleichs-Ding. Mit klarem Verstand käme ich niemals auf die Idee, mich mit anderen Frauen zu vergleichen – schon gar nicht mit denen, die nur halb so alt sind wie ich und Modelmaße haben. Ich weiß sehr wohl, dass der Vergleich der erste Schritt ins Unglück oder in einen monströsen Frustfressanfall ist. Aber dummerweise macht der Verstand ja auch nicht immer das, wofür ich ihn angeheuert habe und damit stehe ich nicht alleine da. Wenn wir alle so kluge Wesen wären, würden ganze Berufszweige mit einem Schlag überflüssig werden. Mein Verstand zumindest klinkt sich öfter mal aus und lässt dann direkt den Autopiloten machen. Und dann kann ich eigentlich nur beten, dass keine Schokolade im Haus ist oder dass das „Internet kaputt ist“, so dass mir die Frustshopperei verwehrt bleibt. Zur Ehrenrettung meines Unterbewusstseins muss ich erwähnen, dass es ja nicht absichtlich gegen mich arbeitet. Es kommt halt einfach nur nicht mehr mit dem klar, womit es ständig konfrontiert wird. Habe vor einiger Zeit das Buch Wir Schönheits-Junkies: Plädoyer für eine gelassene Weiblichkeit gelesen und darin wird recht schonungslos dargelegt, warum es uns Frauen [unbewusst?!] immer schwerer fällt, uns selbst so zu akzeptieren, wie wir sind und genau darum fällt ein Clip wie der obige auf fruchtbaren Boden.

 

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Leben| Superwoman 2.0

Es ist schon eine Weile her, aber vielleicht erinnert ihr euch noch an die Laienmodels, die damals mit großem Tamtam in der Brigitte eingeführt wurden? Damit wollte man den Leserinnen einen Gefallen zu tun. Der nächste Gefallen, den man den Leserinnen tat, war der, die Models wieder rauszuwerfen, weil die Leserinnen plötzlich doch lieber echte Models sehen wollten. Wie man’s macht, ist es verkehrt. Und obwohl wir alle wissen, dass Vergleiche der Anfang vom Untergang sind, können wir’s offensichtlich doch nicht lassen und ich gestehe, dass es mich manchmal auch überkommt.

Vergleiche – der Anfang vom Untergang…

Als bisweilen recht komplexbeladenes Wesen habe ich mit diesen ätherischen Modelwesen kein Problem, weil es mir unnetterweise gelingt, sie auf das zu reduzieren, was sie in diesem Falle sind: Mittel zum Zweck. Nämlich: Kleiderständer mit nichts auf den Knochen, was von der käuflich zu erwerbenden Couture ablenken könnte. Mit den „realen Frauen“ verhält es sich allerdings anders, zumal die „Models von nebenan“ gar nicht so laienhaft aussahen. Und darüber hinaus wurden die Frauen von einem Heer von Stylisten getunt und nett in ein Bild gesetzt, das hinterher auch noch optimiert wurde. Da ist nichts mehr normal. Ist aber auch gut so, denn wenn ich eine Zeitschrift kaufe, möchte ich darin keine Bilder sehen, die aus Omas Familienalbum stammen könnten. Wo bleibt da die Inspiration?

Vergleiche ich auch? Klare Antwort: jein.

Potenziell problematisch war allerdings, dass die fürs Shooting getunten Ladys bezüglich Job & Lifestyle auch nicht so normal waren. Und genau damit kam die Leserin nicht klar – so damals das Feedback der „echt“ normalen Frauen. Wobei sich solche Wunderwesen ja nicht nur in Zeitschriften tummeln, sondern zunehmend auch in diversen Blogs und Onlinemagazinen. Alleine Instagram ist voll davon. In Ermangelung anderer weltbewegender Dinge, über die nachzudenken ich gewillt bin, frage ich mich da natürlich ebenfalls, ob ich auch so eine bin. Eine von diesen normalen Frauen, die sich von diesen „Superfrauen“ unter Druck setzen lässt? Und die ehrliche Antwort lautet: jein. Das hängt von der Tagesform an. Und davon, ob ich gerade ein interessantes Projekt in der Pipeline habe oder nicht. An meinen schlechten Tagen nerven mich diese Superladys, weil sie mich mit unausgesprochenen Vorwürfen bombardieren. ‚Warum hast du nicht mehr aus deinem Leben gemacht?‚oder ‚Warum vergleichst du dich überhaupt mit anderen?! Was deine Persönlichkeitsentwicklung angeht, stehst du doch wirklich noch in der Tiefgarage…‘

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