(Alternativer) Fakt ist: Ich bin eine Diva.

Es gibt Menschen, die sich unglaublich gut verkaufen können. So gut, dass aus dem mickrigen Wichtel plötzlich ein Ehrfurcht gebietender Napoleon wird, der sich von seinen Küchensklaven [Monsieur Thermomix und Madame Mikrowelle] keine Bratkartoffeln mehr zaubern lässt, sondern Pommes de terre rissolées à l’ail. Ich gäbe einiges drum, wenn ich auch so lässig mit Blendgranaten hantieren könnte. Aber leider ist mir das nicht gegeben – bis jetzt. Denn im Rahmen meines Ja-Experiments sehe ich mich gezwungen, neue Wege zu gehen. Weil die alten Wege mich nicht dorthin geführt haben, wohin ich möchte. Was natürlich auch daran liegt, dass ich nie so richtig wusste, wohin ich gehen wollte, aber das würde jetzt zu weit führen und vor allem zu tief in seelische Abgründe, die… äh… ich ja gar nicht besitze. [Ich lerne verdammt schnell, seht ihr?]

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Ich detoxe, also bin ich?

Es kommt, wie es am Jahresanfang immer kommt: Reader und Newsfeed spucken im Sekundentakt Posts der Kategorie „Werde leichter als eine Feder und lasse alles los, was dich beschwert – also Krempel, Seelenballast, Darminhalt“ aus und das stresst mich. Weil ich derzeit lieber horten möchte – vor allem Bücher und Kalorien. Gestern gab es hinsichtlich der Kalorien einen Tiefpunkt, für den ich nichts kann, weil ich Opfer meiner Hormone war und bin und immer sein werde. [Randnotiz: Ja, das ist so und nein, das ist nicht immer nur eine blöde Ausrede. Es gibt einfach Tage, an denen es absolut unbefriedigend ist, nur an einem Möhrchen zu knabbern und morgens warmes Ingwerwasser zu süffeln. Bei mir sind das an die 365 Tage im Jahr – das allerdings ist in der Tat eine blöde Ausrede, könnte schließlich auch Sellerie knabbern und warmes Zitronenwasser trinken.]

Dabei fing es so gut an, denn gestern Morgen war ich noch extrem guter Dinge, sehr Detox-willig und nach einer leichten Frühstücks-Obstschale schwer im „Ich bin eine Feder, yeah!“-Modus. Angefixt durch diverse „Detox your life“-Posts habe ich meinen November-Vorsatz aus dem alten Jahr ins neue Jahr gezerrt und reanimiert. Idee: Ein bisschen an der Ernährungsschraube drehen und nen Tick basischer essen. Unter uns: Basisch essen klingt doch sehr viel besser und deutlich undogmatischer als vegan inspiriert, oder? Es ist nämlich so, dass ich einfach nur essen will – und nicht darüber diskutieren. Doch während vegan für Schnitzelliebhaber und Wurstersatzhasser irgendwas zwischen rotem Tuch, Ohrfeige und persönlicher Beleidigung ist, ist basisch die unsichtbare Eisenfaust im hübsch verzierten Samthandschuh. Weil nur wenige wissen, was es bedeutet.

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Chakka, ich bin ein Einhorn!

Mit all der Konsequenz, die ein inkonsequenter Mensch besitzt, habe ich vor einiger Zeit den Frauenzeitschriften abgeschworen [Rückfälle bisher: drei, allerdings habe ich online drei Ausgaben der emotion gekauft, das zählt eigentlich anders]. Seither lese ich meine Bücherregale leer und schränke parallel dazu meinen Social-Media-Konsum erheblich ein und das ist auch besser so, denn sobald ich meine zwischen die Buchdeckel gepresste Welt verlasse, bekomme ich die Krise. Offenbar schlägt die Welt, die wir uns selbst geschaffen haben, mittlerweile vielen von uns so dermaßen aufs Gemüt, dass es an jeder Ecke Lebensweisheiten to go gibt.

Im Supermarkt leuchtet es auf dem knalloragenfarbenen Cosmopolitan-Cover: „Aufregend anders. Was unperfekte Frauen so unwiderstehlich macht.“ Und daneben rotzt die emotion: „Wir sind unperfekt – na und?“ Stellt sich mir allerdings die Frage: Wie unperfekt ist denn unperfekt… für die Cosmopolitan und die emotion? Vermutlich rangiert das bei denen eher in der Kategorie „Julia Roberts oder Megan Fox zeigen sich ungeschminkt auf Instagram!“ … woohoo… so was von unperfekt aber auch. Da kann ich doch gleich mal entspannt durchatmen. Online schießen ebenfalls überall kleine Motivationsgurus aus dem Boden, die uns für umme erklären, wie der Hase läuft. Vor allem der „Chakka, you go girl!“-Bereich ist überrepräsentiert und ich vermute, dass fleißige Heinzelmännchen über Nacht sämtliche Lebenshilferatgeber durch den Fleischwolf gedreht und die Häppchen anschließend feinsäuberlich eingescannt haben, so dass nun die mehr oder weniger verhackstückten Weisheiten fröhlich durchs Netz poltern, um in diversen Onlinemagazinen und sozialen Netzwerken wieder aufzuploppen. Dort werden sie dann wiedergekäut und wiedergekäut und wiedergekäut, immer schön gemäß dem Motto: A Sprüchlein a day keeps the Stimmungstief away – und nun krieg deinen Arsch hoch, du Schluffi und mach dir ja keinen Stress, während du die Weltherrschaft anpeilst, darunter läuft’s nicht.

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Kolumne| Lifestyle-Kollaps

Ich bin weit davon entfernt, ein minimalistisches Leben zu führen oder vor jedem Kauf genau zu überlegen, ob ich dieses und jenes nun „brauche“ oder nicht. Abhängig von meiner Seelenverfassung, dem Hormon- und Mondstand und dem Preis ist auch ein simples „ich will es“ ein vollwertiges Kaufargument. Momentan will ich allerdings nichts mehr und vor allem will ich nichts mehr kaufen. Grund für diesen kontofreundlichen Sinneswandel ist die Tatsache, dass ich in den letzten Wochen und Monaten surfenderweise einfach zu oft im Lifestyle-Bereich unterwegs war und das blieb nicht ohne Folgen. Aus ersten Lifestyle-Unverträglichkeitsanzeichen [hochgezogene Augenbrauen, Stirnrunzeln, Kopf auf Tisch knallen] wurden handfestere [das Schreiben ironischer Posts, die nur zum Teil den Weg an die Öffentlichkeit fanden, weil ich mir keinen Bodyguard leisten kann]. Mittlerweile leide ich an einer ausgewachsenen Social-Media-bedingten Lifestyle-Allergie und zittere schon beim Gedanken daran, Instagram oder verschiedene Lifestyle-Medien überhaupt aufzurufen, weil ich nicht weiß, was das mit mir anstellen wird.

Ich bin, wie eingangs erwähnt und man kann es bei so einem Text auch nicht oft genug sagen, dem Konsum durchaus nicht abgeneigt. Doch seit wann ist „Lifestyle“ lediglich ein Synonym für ein gigantisches Online-Kaufhaus, in dem ich rund um die Uhr Zeugs bestellen kann und soll ? Wenn ich all das kaufen würde, was mir da täglich auf allen Kanälen unter die Nase gehalten wird, wäre ich bis ins nächste Leben verschuldet und müsste mir ein paar großzügig unterkellerte Häuser bauen, weil das Zeug ja irgendwo untergebracht werden möchte. Und wenn ich von dem in den Lifestyle-Medien vorgestellten Zeug nichts kaufen möchte, weil ich derzeit gut versorgt bin oder einfach kein Geld für Shoppingexzesse habe … was bleibt dann inhaltlich noch übrig? Manchmal sehr wenig bis nichts [es gibt allerdings wirklich lobenswerte Ausnahmen!]. Außerdem zeigt das Bombardement an zeitgemäßer Lifestyle-Dokumentation in Echtzeit erste Folgen. Mein Hirn zersetzt sich langsam angesichts dessen, was „Leben“ darstellen soll, dabei aber eher eine sorgsam durchdesignte Magazin-Mischung aus „Fit for Fun trifft auf Flow und Happinez“ ist.   „Kolumne| Lifestyle-Kollaps“ weiterlesen

Kolumne| Das gelbe Wunder…

An manchen Tagen betrübt es mich, dass ich ein über die Maßen begeisterungsfähiges Wesen bin, das willens ist, ziemlich viel zu glauben. Ich glaube nämlich fast alles – wenn es mir in den Kram passt. Und so höre ich sehr genau hin, wenn von dem Wundermittelchen die Rede ist, das mir Schönheit und Gesundheit verschafft. Selbstverständlich gibt es immer nur ein Wundermittelchen, nie mehrere zugleich. Dieses wunderbare Etwas kann sich allerdings nur so lange mit seinem Titel schmücken, bis es von einem neuen, durch Hollywood, Zeitschriften, Instagram und diverse Blogs geisternden Wundermittelchen vom Thron gekegelt wird. Die Halbwertszeit dieser  Wundermittelchen ist ja verdammt kurz ist. So kurz, dass ich sehr genau hinhören muss, ehe ich das Ding nur noch vom Must-have-Thron purzeln höre – und wenn es da runtergefallen ist, will ich’s auch nicht mehr haben. Bin ja kein Müllschlucker.

Ich höre allerdings nicht nur genau hin, sondern auch sofort wieder weg. Nämlich dann, wenn sich herausstellt, dass 10 ml des unglaublichen Wasauchimmers 200 Euro kosten. Oder wenn das Zeug nur im Rahmen zahlreicher Sitzungen – von denen jede Sitzung 200 Euro kostet – in meinen Körper injiziert werden kann. Bin immer sehr daran interessiert, den Wirtschaftskreislauf in Schwung zu halten, aber irgendwann ist auch mal Schluss. Und deswegen werde ich wirklich hellhörig, wenn jemand, der meines Wissens nach kein  Geld daran verdient, ein Wunderding preist, das nicht medienübergreifend gehypt wird, weil es gerade an 20-jährigen Hooywoodbeautys gesichtet wurde. Sondern einfach nur, weil er davon überzeugt ist. Und genau das tut Dr. Bharat B. Aggarwal in seinem Buch „Heilende Gewürze“mit dem Kurkuma-Rhizom. Das „Supergewürz“ Kurkuma ist vor allem in der indischen Küche zu finden und es verhält sich mit dem Zeug ein bisschen wie mit Chuck Norris: es kann alles und es hilft gegen alles.  Frage mich ernsthaft, wie ich 44 Jahre ohne Kurkuma überleben konnte und nach dem Überfliegen des Kurkuma-Kapitels beschäftigt mich nur noch ein Gedanke: Ich brauche dieses Gewürz. Sofort! Sonst falle ich auf der Stelle tot …ähm…. total frustriert um. „Kolumne| Das gelbe Wunder…“ weiterlesen

Na wenn das kein kluger Schachzug war…

Mit Rosen fing es an. Genauer gesagt mit einem zauberhaften, mit Rosen bedruckten Stoff, den ich irgendwo online entdeckt habe. Der Stoff war so schön, dass ich total vergaß, dass ich Rosen eigentlich gar nicht besonders mag. Weder in Schnittform noch sonst irgendwie. Eigentlich finde ich Rosen sogar ziemlich doof. Aber dieser mit Rosen bedruckte Stoff… hach… wun-der-schön! Ratzfatz wurde ich zur kleinen Agnes aus „Ich – einfach unverbesserlich“ [ihr wisst schon… es ist so flauschig, ich werde wahnsinnig] und wenn es erstmal mal so weit gekommen ist, ist eigentlich Hopfen und Malz verloren. Ich denke dann zwar schon noch, aber nur noch in eine Richtung. Und die lautet in diesem Fall …

Ich muss ihn haben. Ich will ihn haben, ich brauche ihn. 
Denn wenn ich nicht sofort diesen wunderschönen Rosenstoff bekomme, 
werde ich  nie wieder froh.

Stellt sich die Frage: Was fange ich eigentlich an mit diesem Stoff? Ha, ich weiß. Ich nähe mir was. Egal was. Verdammt. Ich kann gar nicht nähen. Aber ich will den Rosenstoff. Wer sagt denn überhaupt, dass ich nicht nähen kann? Vielleicht habe ich’s ja über Nacht gelernt? Ich versuche es. Ich besorge mir den Stoff und näh mir ein Kissen. Ein wunderschönes Rosenkissen. Müsste ich hinbekommen. Kann doch nicht so schwer sein, so ein dämliches Kissen zu nähen. Nur … was fange ich eigentlich mit dem Rosenkissen an, wenn es fertig ist? Eigentlich passt das hier gar nicht rein. Nirgendwo. Höchstens dorthin, wo es keiner sieht.

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Kolumne|Mein Poncho und ich…

An  manchen Klamotten scheiden sich die Geister. Für die InStyle lesende Frau sind sie ein Must-have, dem Mann treiben sie die Tränen in die Augen. Leider sind es keine Freudentränen. Die Rede ist von Haremshosen und Keilabsätzen. Oder von meinem Poncho.

Mein Grobstickponcho mit Fransen und ich… hach… das war Liebe auf den ersten Blick! Ein Poncho ist nicht nur einfach ein Kleidungsstück, das ist eine Lebenseinstellung! Ponocho überwerfen, rein in die bikerähnlichen Boots und nun: Gebt mir meine Harley… ähm… mein Pony! Na gut… ich geh zu Fuß. Als der Mann mich zum ersten Mal in dieser wunderbaren Strickkreation erblickt, sieht er weder Pony noch Harley und den Duft des Wilden Westens riecht er auch nicht. Stattdessen lese ich in seinem verständnislosen Blick ‚Warum hängst du dir nen Teppich um?‘ Die stylishe Frau ignoriert das, träumt vom jungen Terence Hill und lässt sich vom Mann zu einem Spaziergang ausführen, was natürlich das erste Problem aufwirft. Ein Grobstickfransenponcho ist nicht unbedingt großstadtkompatibel. Also ab in die Walachei, genau dorthin wo es weder Chrom noch Glas gibt. Nur Matsch und umgestürzte Bäume. Dort sind mein Poncho und ich richtig, dort fühlen wir uns wohl. Yihaaaa….

Sitze mit dem Mann im Auto und während er fährt, bereite ich mich mental auf meinen stylishen, unglaublich lässigen Auftritt vor – den außer mir kaum jemand miterleben wird, weil ja niemand da ist – als eine Fluse an meiner Nase vorbeisegelt. Wo kommt die jetzt so plötzlich her? Der Mann an meiner Seite wird nervös. Flusen, Fussel und Krümel mag er noch weniger, als eine Frau, die ihre Figur in ein teppichähnliches Etwas hüllt. Hebe den Arm, um die Flusen lässig beiseite zu wedeln, werfe einen Blick auf meinen ehemals schwarz bejeansten Oberschenkel und registriere, dass ich aussehe wie ein Wellensittich in der Mauser! Mein Poncho flust alles voll! Vor allem mich! Wenn ich das Teil noch ein bisschen länger trage und mich noch ein bisschen mehr bewege, sehe ich aus wie Chewbacca! Die Liebe zwischen mir und meinem Poncho bekommt einen haarfeinen Riss.

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Kolumne| Elfen furzen nicht…

Es gibt da diese Stelle in einem meiner Lieblingsbücher, die mich immer wieder zum Lachen bringt. Die Rede ist von Absätzen und gestellt wird die Frage, warum ein Absatz nicht dünn und hoch genug sein kann. Zumindest dann, wenn man die Herren der Schöpfung fragt, die selbstverständlich nicht auf ebendiesen Absätzen balancieren möchten – sie schauen lieber Frauen zu, die das mehr oder minder bravourös meistern.  Nun, die Antwort ist einfach. Zumindest laut Hadley Freeman, die dazu in Warum Frauen große Sonnenbrillen und winzige Hunde brauchen folgendes schreibt:

„Ein nadeldünner Stift bewahrt die Illusion, die Frau sei ein federleichtes, elfenhaftes Wesen, das gleichsam durch die Luft schwebt und nur von Zahnstochern unter seinen Füßen getragen wird, weil sie so leicht ist – eine zarte Blume, die niemals schwitzt, rülpst oder blutet.“

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Kolumne| Mein Leben ist (k)eine einzige Party.

#kannSpurenvonIronieenthalten

#mussabernicht

Manchmal sitze ich frühmorgens in meinem fair produzierten Negligé aus Bio-Baumwolle [eigener Anbau, selbst gefertigt!] auf dem Balkon, nippe an meinem grünen Smoothie [alles eigene Ernte!] und bin dankbar dafür, dass ich ich bin und dass ich so ein fantastisches Leben leben darf. Okay. Das war ein bisschen gelogen.

Ich trinke Kaffee von Ald… Feinkost Albrecht, trage ein Shirt und mein liebstes schluffiharemshosenähnliches Teil von Hermès…äh… H&M und frage mich gelegentlich in den nicht so dankbaren Momenten, warum ich offensichtlich nicht das Beste aus mir und meinem Leben raushole. Denn wenn ich das täte, wäre ich ja wohl im Dauerpartymodus oder wenigstens… hm… Bundeskanzlerin? Vorsitzende eines Pharmakonzerns? Spielerfrau? Oder Paragraphenreiterin, die Mecklenburg-Vorpommern ein Seilbahngesetzt aufs Auge drückt? Wie es geht, das Beste aus sich und seinem Leben rauzuholen, weiß doch jeder Depp – zumindest jeder Depp, der sich einschlägige Lektüre in Form von Büchern (z.B. „Goddess Attitude“) und Blogs oder lustigen Motivationssprüchlein auf Instagram gönnt. Eigentlich ist nämlich alles total easy und das Leben eine große Party.

Die Essenz meiner „feel good“-Leküre: Stress mit Mann, Kind(ern), Haustieren oder Nachbarn (und deren Kindern und Haustieren) existiert nicht und wenn, bekommst du überhaupt nichts davon mit, weil du von deinen eigenen good vibrations dauerzugedröhnt bist. Krankheiten, finanzielle Sorgen oder andere Probleme suchen dich oder deine Angehörigen aufgrund deiner good vibrations auch nicht heim – es sei denn, du hast einen Fehler in deinem (Denk)System, das ist dann aber wirklich dein Problem. Denn wie bitte? Im Job oder im Privatleben hakt’s? Schuld eigene. Es ist dein Leben, also mach was draus und schaffe dir gefälligst das Umfeld, in dem du so richtig strahlen kannst. Wer dein Strahlen dimmt, wird gnadenlos rausgekickt – dein Leben, deine Regeln, da kannst du keine Miesmacher brauchen. Fühlt sich das zwischendurch vielleicht ein bisschen einsam an, weil du ja alle Störenfriede entsorgt hast? No problem, wenn du richtig gepolt bist, ziehst du bald (wie bald, weiß aber keiner, stell dich auf eine längere Durststrecke ein) die Menschen an, die auch so dauerglückszugedröhnt sind wie du, denn das ist ein universelles Gesetz.

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Kolumne| Fashion-Drama: Wenn einen die Clutch zum wassermelonentragenden Baby macht.

Ich liebe Taschen. Na gut, nicht alle. Nur die großen. Und es ist mir auch total egal, dass das eine Steilvorlage für dumme Kommentare wie ‚Wo will denn die große Tasche mit der kleinen Frau hin‘ oder ‚Tragen wir heute unser Hauszelt spazieren‘ provoziert. Ich bin klein, aber ich kann verdammt große Taschen tragen  – und ich kann sie leider Gottes auch mühelos vollstopfen. Es leuchtet selbst einem Taschenjunkie wie mir ein, dass es wohl nicht normal ist, drei Tage lang einen Handball (Größe 2) mitzuschleppen, ohne was davon zu merken! Oder neulich eine Salatgurke. Die lag zwei Tage lang in meiner Tasche und hat mich nicht gestört!

Hätte ich die Tasche nicht auf der Suche nach meinem Lipgloss durchwühlt, hätte ich meiner kleinen Gurkenbegleitung auch weiterhin die Stadt gezeigt und ihr vielleicht noch einen kleinen Gesellschafter [bisschen Obst oder anderes Gemüse] spendiert. Das wirft Fragen auf. Etwa: Wenn ich zwei Tage diese Gurke in meiner Tasche spazierentrage, OHNE es zu merken, ist meine Tasche dann zu groß oder war die Gurke zu klein? Und was sagt das über mein Gedächtnis aus? Wären Achtsamkeitsübungen eine gute Idee? Muss ich mein Kaufverhalten überprüfen? Warum kaufe ich Sachen, die ich offenbar nicht vermisse?! Oder sollte ich mir vielleicht lieber mal eine kleinere Tasche zulegen? Eine, in die eine Salatgurke gar nicht erst reinpasst?

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Kolumne|Der Tag, an dem das Internet ausfiel und ich zur Blödbatze wurde…

Angedeutet hat sich das Kommunikationsdrama schon länger, neulich war nach mehrmaligem Ziehen des Steckers und parallel dazu ausgestoßenen Verwünschungen jedoch klar: Das wird nichts. Ich kann das Internet nicht aus der Leitung zwingen, also muss ich mich wohl mit dem arrangieren, was ich gerade habe und das ist: nichts. Wobei das, was ich habe, ja eigentlich nicht nichts ist, sondern eben das, womit man sich in der Phase zwischen Tontafeln und Brieftauben irgendwie arrangieren musste – aber seien wir doch mal ehrlich: das ist nichts!

Und dieses Nichts wirft ein gewaltiges Problem auf, denn es zerstört meine Tarnung. Tatsächlich erwecke ich ja den Anschein, als würde ich über eine halbwegs gescheite Allgemeinbildung verfügen und als könnte man mit mir über viele Themen reden. Die Wahrheit ist: das ist eine Lüge. Aber ich habe Google und ich weiß es zu nutzen. Eines meiner zahlreichen Geheimnisse ist nämlich das multiple W: Ich weiß einfach, wann, wo und wie ich was suchen muss, um die Wissenslücken zu schließen. Im Klartext: Ich googele, denn wer die Macht der Suchmaschine auf seiner Seite hat, wirkt wesentlich gebildeter – vor allem natürlich dann, wenn der Suchende auch in der Lage ist, das Gefundene so zu begrüßen, als wäre es der langvermisste Bruder und kein Barcode, den es ohne Smartphone zu dechiffrieren gilt. Und so es sich nicht um… sagen wir mal… Quantenphysik oder Integral- oder Differantialrechnung handelt, gelingt es mir meist recht gut, das Gefundene verstandsmäßig so zu erfassen, dass ich es in Text oder Konversation einfließen lassen kann, ohne andere merken zu lassen, dass es sich um einen noch originalverpackten Neuzugang handelt. Nun jedoch hat das Netz meinen Zugang zur Suchmaschine gekappt – und ich bin ziemlich blöd.

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Kolumne| Die ungeschminkte Wahrheit

In schöner Regelmäßigkeit kommen mir Schlagzeilen à la „Gammel-Britney ist zurück“ oder ähnliches unter. Untermalt mit passenden Beweisfotos. Das schwere Vergehen von Flodderqueen Spears in diesem Fall: Sie gönnte sich nach ihrer Tanzstunde kein Style-Upgrade, sondern schlumpfte ungeschminkt, ohne Heels und im Schluffi-Look aus dem Studio. Drama, Drama, Drama! Schweres Vergehen, für das sie natürlich sofort von den Hütern des guten Stils festgenommen wird. Damit der Rest von uns nicht aus allen Wolken fällt. Denn…

Oh! Mein! Gott!

Ist es wirklich wahr?! Die Spears hat nach einem Workout so gar nichts von dem Püppchen, als das sie durch ihre Clips tänzelt?! Und sie verfügt noch nicht mal über den Anstand, das abzustylen… äh…  abzustreiten? Un-fass-bar. Sieht sie außerhalb des Rampenlichts möglicherweise generell eher wie ein normaler Mensch aus, der sich nicht  24/7 Gedanken um sein Outfit macht und der ohne die helfenden Hände von Hair- und Make-up-Artists vielleicht ein bisschen überfordert ist? Ist ja eine Sache, sich für sich selbst zu kleiden und eine komplett andere, permanent die Illusionen am Leben halten, die man selbst schuf. Die Geister, die ich rief und so.

Wer Illusionen zerstört, wird bestraft…

Ich glaube ja, dass das wirklich „schwerwiegende“ Vergehen hier ein anderes ist. Die Promis, die im falschen Moment abgelichtet werden und dabei ihr ungeschminktes Gesicht oder einen cellulitischen Oberschenkel zeigen, lassen eine sorgsam von den Medien und der Schönheitsindustrie geschürte Illusion zerplatzen. Die Illusion von der perfekten Superfrau, die nichts weiter ist als: eine perfekte Illusion. Eine Mischung aus Sharon Stone oder Megan Fox, Jenna Jameson und Françoise Barré-Sinoussi  – Zusammensetzung der jeweiligen Bestandteile und Facetten je nach Vorliebe und persönlicher Präferenz. Die personifizierte Stepford-Frau, die rund um die Uhr und in jeder Lebenslage so aussieht, als könnte sie alle männlichen Wesen für einen Moment veela-gleich verzaubern. Oder wenigstens sofort ihren Dienst als Edelprostituierte antreten – mittlerweile hat da ja styletechnisch schon eine gewisse Verschiebung  Richtung Porno-Style stattgefunden.

Kolumne| Wer schön sein will…

Wochenende. Es ist früh, sehr früh. Da jagst du keinen Hund vor die Tür. Unerklärlicherweise stecke ich jedoch voller Tatendrang, so dass die Zeit irgendwie sinnvoll rumgebracht werden will. Was tun? Ah ja… da war doch was. Ich hätte gerne wieder ein wenig mehr von dem Gesicht zurück, das mir vor 20 Jahren nicht gefallen hat. Weil ich damals ja noch nicht wusste, was danach kommt und dass es nur noch bergab geht.  Vielleicht kann ich mein altes neues Gesicht aus der Reserve locken, indem ich an diesem noch jungen Wintermorgen ein wenig auf „Julie & Julia“ mache. In leicht abgewandelter Form natürlich. Also: Mir „Kosmetik aus der Küche“ auf irgendwelche Körperpartien schmieren, schauen, ob ich hinterher schöner bin oder nur klüger und meine Erkenntnisse nachfolgend verbloggen.

Flitze also in Erwartung der Schönheit, die da kommen wird, in die Küche und suche mir meine Beautyhelfer zusammen: Apfelessig, Öl und Kaffeesatz. Essig ist der ultimative Glanzbooster für stumpfes Haar – sagen zumindest Ines de la Fressange, Diane Irons und Frauke Ludowig in ihrem jeweiligen Buch. Daraus folgt: Ich brauche Essig. Denn ich habe Haare. Und die sind stumpf. Der Winter hat sie getötet. Wobei es ja nicht mal so ist, dass ich meinen Haaren keine Aufmerksamkeit schenken würde. Im Gegenteil. Was Shampoos und Haarkuren angeht, bin ich Jäger und Sammler. Nenne derzeit 14 verschiedene Shampooflaschen in unterschiedlichen Benutzungsstadien mein Eigen. Dazu vier Haarkuren und zwei Haaröle. Und trotzdem – oder gerade deswegen? – habe ich stumpfe Haare. Das ist doch Essig, weswegen ich mich für ebendiesen entscheide. Nämlich im von Diane  Irons vorgeschlagenen Mischungsverhältnis von ½ Tasse Apfelessig zu 1 Tasse Wasser.  Mische meine streng riechende Haarspülung zusammen und sehe mich im Geiste mit meiner unglaublich glänzenden Mähne bereits als das neue Pantene-Testimonial. Hach… natürliche Schönheitspflege ist schon toll…

Multitaskingmotor anwerfen und noch schnell einen Esslöffel Olivenöl nehmen. Das Öl gedenke ich während der Prozedur im Bad ordentlich durch die Zähne zu ziehen. Das nennt sich Ölkur oder Ölziehen und stammt wahlweise von sibirischen Schamanen oder Ayurveda-Anhängern.  Auf nüchternen Magen – Kaffee zählt bei mir nicht, wie die Schamanen das halten, weiß ich nicht – für wenigstens eine Vierteltunde durchgeführt, soll es den Entgiftungsprozess des Körpers unterstützen, indem es Giftstoffe im Öl bindet, weswegen es tunlichst vermieden werden sollte, das giftige Öl versehentlich zu schlucken. Das kann böse enden. Sehr böse… prognonstizieren Hardcore-Naturheilkundler. Ich denke, dass man die Kirche im Dorf lassen sollte, da ich trotz einiger Giftölunfälle noch immer dumme Witze reißen kann… oder gerade deswegen? Egal. Was ich definitiv bestätigen kann, ist die leicht zahnaufhellende Wirkung der Ölkur, die sich bereits nach einer Anwendung bemerkbar macht, aber leider nur bis zum nächsten Kaffee anhält.

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Kolumne|Dekorexia Nervosa

Es gibt absonderliche Verhaltensweisen, für die man einfach nichts kann und sobald man in ein kritisches Alter kommt, ist man ihnen hilflos ausgeliefert.Nehmen wir die Dekorexie*. Eine schwere Krankheit, von der fast ausschließlich Frauen befallen werden. Heilung nach derzeitigem Wissensstand ausgeschlossen. Die Dekorexie zeichnet sich dadurch aus, dass die Patientin einen dekolastigen Lifestyleblog nach dem nächsten abonniert und bei Pinterest Bildmaterial für die Einrichtung der Häuser zusammenstellt, die sie in den kommenden Leben mal bewohnen wird, weil sie mittlerweile viel zu viel Zeug angehäuft hat, um das in ein Haus zu stopfen. Bei Filmen gerät die Patientin kaum noch aufgrund der Darsteller ins verzückte Quietschen, sondern eher angesichts der fan-tas-tisch eingerichteten Häuser. Und plötzlich tun es auch nicht mehr die süßen Weihnachtswichtel aus irgendeinem Laden, nein, jetzt müssen es dänische Wichtel sein. Die schauen zwar relativ trübsinnig drein – wahrscheinlich, weil sie wissen, dass sie viel zu teuer sind – aber dafür sind sie eben… na ja… dänisches Design halt.

Tine K. war mir, obwohl ich schon an den ersten Anzeichen beginnender Dekorexie leide, vorher auch kein Begriff – aber so, wie ihre Duftkerzen in meinem derzeit liebsten Kramlädchen präsentiert wurden, war selbst mir klar, dass es sich dabei um etwas Besonderes handeln muss. Also schlug ich zu. Um mir mal was Gutes zu tun und mir eine besondere Kleinigkeit zu gönnen. Designerstücke machen allerdings noch viel mehr Spaß, wenn es ein Publikum gibt, das ebendiese Stücke bewundert. Dieses Publikum ist hier nicht vorhanden. Also muss die von der Kerze geflashte Frau – ich nämlich –  ihrenMitmenschen dezent auf die Sprünge helfen.

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