Na wenn das kein kluger Schachzug war…

Mit Rosen fing es an. Genauer gesagt mit einem zauberhaften, mit Rosen bedruckten Stoff, den ich irgendwo online entdeckt habe. Der Stoff war so schön, dass ich total vergaß, dass ich Rosen eigentlich gar nicht besonders mag. Weder in Schnittform noch sonst irgendwie. Eigentlich finde ich Rosen sogar ziemlich doof. Aber dieser mit Rosen bedruckte Stoff… hach… wun-der-schön! Ratzfatz wurde ich zur kleinen Agnes aus „Ich – einfach unverbesserlich“ [ihr wisst schon… es ist so flauschig, ich werde wahnsinnig] und wenn es erstmal mal so weit gekommen ist, ist eigentlich Hopfen und Malz verloren. Ich denke dann zwar schon noch, aber nur noch in eine Richtung. Und die lautet in diesem Fall …

Ich muss ihn haben. Ich will ihn haben, ich brauche ihn. 
Denn wenn ich nicht sofort diesen wunderschönen Rosenstoff bekomme, 
werde ich  nie wieder froh.

Stellt sich die Frage: Was fange ich eigentlich an mit diesem Stoff? Ha, ich weiß. Ich nähe mir was. Egal was. Verdammt. Ich kann gar nicht nähen. Aber ich will den Rosenstoff. Wer sagt denn überhaupt, dass ich nicht nähen kann? Vielleicht habe ich’s ja über Nacht gelernt? Ich versuche es. Ich besorge mir den Stoff und näh mir ein Kissen. Ein wunderschönes Rosenkissen. Müsste ich hinbekommen. Kann doch nicht so schwer sein, so ein dämliches Kissen zu nähen. Nur … was fange ich eigentlich mit dem Rosenkissen an, wenn es fertig ist? Eigentlich passt das hier gar nicht rein. Nirgendwo. Höchstens dorthin, wo es keiner sieht.

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Kolumne|Mein Poncho und ich…

An  manchen Klamotten scheiden sich die Geister. Für die InStyle lesende Frau sind sie ein Must-have, dem Mann treiben sie die Tränen in die Augen. Leider sind es keine Freudentränen. Die Rede ist von Haremshosen und Keilabsätzen. Oder von meinem Poncho.

Mein Grobstickponcho mit Fransen und ich… hach… das war Liebe auf den ersten Blick! Ein Poncho ist nicht nur einfach ein Kleidungsstück, das ist eine Lebenseinstellung! Ponocho überwerfen, rein in die bikerähnlichen Boots und nun: Gebt mir meine Harley… ähm… mein Pony! Na gut… ich geh zu Fuß. Als der Mann mich zum ersten Mal in dieser wunderbaren Strickkreation erblickt, sieht er weder Pony noch Harley und den Duft des Wilden Westens riecht er auch nicht. Stattdessen lese ich in seinem verständnislosen Blick ‚Warum hängst du dir nen Teppich um?‘ Die stylishe Frau ignoriert das, träumt vom jungen Terence Hill und lässt sich vom Mann zu einem Spaziergang ausführen, was natürlich das erste Problem aufwirft. Ein Grobstickfransenponcho ist nicht unbedingt großstadtkompatibel. Also ab in die Walachei, genau dorthin wo es weder Chrom noch Glas gibt. Nur Matsch und umgestürzte Bäume. Dort sind mein Poncho und ich richtig, dort fühlen wir uns wohl. Yihaaaa….

Sitze mit dem Mann im Auto und während er fährt, bereite ich mich mental auf meinen stylishen, unglaublich lässigen Auftritt vor – den außer mir kaum jemand miterleben wird, weil ja niemand da ist – als eine Fluse an meiner Nase vorbeisegelt. Wo kommt die jetzt so plötzlich her? Der Mann an meiner Seite wird nervös. Flusen, Fussel und Krümel mag er noch weniger, als eine Frau, die ihre Figur in ein teppichähnliches Etwas hüllt. Hebe den Arm, um die Flusen lässig beiseite zu wedeln, werfe einen Blick auf meinen ehemals schwarz bejeansten Oberschenkel und registriere, dass ich aussehe wie ein Wellensittich in der Mauser! Mein Poncho flust alles voll! Vor allem mich! Wenn ich das Teil noch ein bisschen länger trage und mich noch ein bisschen mehr bewege, sehe ich aus wie Chewbacca! Die Liebe zwischen mir und meinem Poncho bekommt einen haarfeinen Riss.

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