Garance Doré: Love x Style x Life

Französinnen können es einfach besser. Zumindest Fashion- oder Style-Guides verfassen. Erst der „Pariser Chic“ (Ines de la Fressange), dann „Paris in Style“ und nun „Love x Style x Life“ von Garance Doré. Okay, ich bin nur in soweit objektiv, als dass ich bisher kein Fan von Garance Doré war, weil sie irgendwie … nun ja… sie war mir zwar ein Begriff, tangierte mich aber nur peripher. Bin ja kein Fashion-Blogger, also darf ich mir diesen Fauxpas leisten. Allerdings ist Garance halt Französin – und was für ein frankophiles Stück ich bin, hatte ich gelegentlich ja mal erwähnt, glaube ich.

Das Buch wird recht vollmundig beworben. Nämlich als „Die Fashion Sensation aus Paris und New York“. Die Messlatte liegt also schon mal hübsch hoch und die Frage für mich war ehrlich gesagt nur: Wann wird sie runterfallen? Gebe zu, dass ich mittlerweile ein wenig genervt bin. Denn: Ich liebe Bücher, ich lese gern, ich lese viel und es gibt nicht viele Bücher, vor denen ich zurückschrecke – allerdings müsste ich wirklich lange überlegen, wenn ich die Frage beantworten sollte, welches Buch mich von der Aufmachung her zuletzt wirklich begeistert hat. Also ein Buch war, welches so schön und liebevoll aufgemacht war, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen wollte. Tja, es ist lang her und es waren diese Bücher: „Piraten – Schrecken der Meere“ oder „Das geheime Handbuch der Magie“. Und das sind, ganz genau, Kinderbücher. Aber märchenhaft schön gestaltet mit herausnehmbaren Schatzkarten (Piraten), Phönixfedern (Magie) und Umschlägen (beide), in denen spannende Sachen stecken.

Love x Style x Life – werfen wir mal einen Blick in das Buch von Garance Doré

Nun kam „Love x Style x Life„. Und ich war sofort verliebt – auch ohne Schatzkarten und Phönixfedern, sind ja hier nicht mehr bei den Kinderbüchern, da muss man halt Abstriche machen. Bei amazon hatte das Cover einen sehr pinkfarbenen Einschlag. Brrrr. Tatsächlich ist es jedoch in zartem Apricot gehalten und das war schon mal ein Pluspunkt. Auf den ersten Seiten war ich dann ganz hin und weg. Garance kommt mir ein wenig wie die Tara Stiles [Yoga] der Fashionszene vor. Super sympathisch und total ungekünstelt. Und wenn es ein Buch gibt, das etwas von einer besten Freundin hat, dann dieses und das nicht nur, weil Garance über ihre damalige Leidenschaft für die „Fünf Freunde“ erzählt und darüber, dass sie früher gerne ein Junge gewesen wäre. Die einleitenden Worte auf Seite 9 [Wir bleiben in Verbindung] lauten…

In meinem Blog spreche ich auf der einen Seite über Themen, die so sehr an der Oberfläche bleiben (brauche ich wirklich Kitten Heels?), dass sie sich bereits eine Stunde nach der Veröffentlichung wieder verflüchtigen, aber auch über Dinge, die so tief gehen (die Beerdigung meiner Großmutter in Marokko), dass ich bis heute unglaublich ergreifende Briefe dazu erhalte.

Die Einleitung endet mit…

Wir wollen Liebe. Wir wollen uns schön fühlen. Wir wollen gute Freundinnen sein, gute Partnerinnen, gute Schwestern, gute Töchter. Wir wollen wissen, wie wir es schaffen, nie mehr die falschen Schuhe zu kaufen. (Tut mir leid, ihr werdet die falschen Schuhe kaufen, solange ihr lebt. Genießt euer Leben trotzdem!) Wir wollen eine Arbeit, die uns befriedigt. Vor allem aber wollen wir unseren Platz finden in dieser Welt. Und dabei stylish aussehen.

Das lässt erahnen, dass es sich eben nicht nur um Mode dreht, sondern sehr viel mehr Lebensbereiche abgegrast werden und so sind die 272 Seiten in folgende Kapitel unterteilt:

  • Style
  • Métier
  • Beauty
  • Elegance
  • Love

Zitate, die ich mir allesamt abschreiben könnte, leiten die Kapitel ein. Etwa: „Egal womit du geboren wurdest, du allein entscheidest jeden Tag, wer du wirst. Schönheit wächst, wenn wir wir selbst werden. (Beauty) Oder „Und weil meine Welt noch in den Kinderschuhen steckte und alles erfunden wurde, schuf ich mir meine eigenen Regeln.“ (Beruf)

Im Lauf des sehr persönlich gehaltenen Buches verrät Garance nicht nur sehr viel über sich selbst, sondern bringt uns auch „die Französinnen“ näher und stößt sie herrlich selbstironisch vom Thron. Oder erzählt im Kapitel Métier, was hinter den Kulissen der Fashion Shows passiert. Sie schreibt über die Irrungen und Wirrungen im Leben einer ganz normalen Frau [okay, sie ist nicht „normal“, sondern ein Star in der Szene der Fashion- Bloggerinnen, allerdings merkt man das auf keiner Seite, weil sie so normal rüberkommt] und plaudert immer wieder aus dem Nähkästchen. Etwa zum Thema Haare:

Man kann meine Haare also durchaus als schön bezeichnen – aber natürlich wäre es zu langweilig, sich einfach zurückzulehnen und sich darüber zu freuen. Wie jede Frau auf dieser Welt wünsche ich mir die Haare von Gisele Bündchen (okay, eigentlich alles von Gisele Bündchen), also: Beach Waves, dezente Highlights, das ganze französisch zerwühlt und dazu mein tolles Gesicht. […] Ich unterzog mich einer Keratinbehandlung; und ES FUNKTIONIERTE, Wunder über Wunder! Plötzlich hatte ich Giseles Haare, oder Haare, die Giseles Haaren so nahe kamen, dass ich damit hätte leben können. Hätte ich nur, bevor ich 500 Dollar ausgab und vier Stunden im Chemiedung saß, gewusst, dass ich es einfach lieber mag, wenn mir die Haare nicht im Gesicht hänge. Selbst wenn es Gisele-Haare sind, es nervt einfach.

Das leidige Haarproblem macht eben vor niemandem halt und das verbindet irgendwie. Nicht nur beim Haar-Part habe ich mit dem Kopf genickt und mich sehr verstanden gefühlt. Und so hat ein Nachmittag mit diesem Buch tatsächlich etwas von einem Treffen mit einer Freundin – allerdings mit einer Freundin, die wirklich viel zu erzählen hat und das auf eine unglaublich unterhaltsame, selbstironische und sympathische Weise tut. Ach ja, um Mode geht es tatsächlich auch. Neben den Illustrationen von Garance [die ja eigentlich in erster Linie Illustratorin war] gibt’s Fotos vom „Look à la Parisian“, die Lust aufs Nachstylen machen.

Fazit: In diesem Buch wird das Rad logischerweise nicht neu erfunden und wer jetzt auf sensationelle, noch nie dagewesene Ratschläge oder Looks hofft, wird vermutlich enttäuscht werden. Nichtsdestotrotz macht diese Mischung aus Biografie (die liebe ich ja ohnehin) und Style-, Stil- und Lebensratgeber richtig Spaß. Love x Style x Lifegehört für mich zu den Büchern, die ich immer mal wieder in die Hand nehmen werde, zumal man es auch nicht in einem Rutsch durchliest, sondern Stückchen für Stückchen. Eine Tafel Schokolade isst man schließlich auch nicht mit einem Happs. Im einleitenden „Wir bleiben in Verbindung“ schreibt Garance:

„Und ich hoffe, meine Geschichte inspiriert euch zu vielen kleinen Zufällen – und dazu, das Leben zu genießen, denn darum geht es.“

Schöne Worte, denen ich nichts mehr hinzufügen möchte. 😉

[Kleine Randbemerkung: Ich weiß nicht, ob man es merkt, aber dieses Buch kam, sah und siegte und führt demzufolge meine persönliche Rangliste eingangs erwähnter Style-Guides an. Ines, es tut mir sehr leid, aber so ist es.]

 

[Beitragsbild: erstellt mit Canva u. privat]

 

Kommentare sind geschlossen.