Was indische Flohsamen und Facebook miteinander tun haben. Und warum ich auf manche Menschen ein bisschen spinnert wirke.

„Warum bist du denn jetzt doch auf Facebook?“, wurde ich neulich mit hochgezogenen Augenbrauen gefragt. Und diese Frage hat durchaus ihre Berechtigung, weil ich ja vorher nie müde wurde, lang und breit zu erklären, wie blöd ich Facebook finde – was zu dem Zeitpunkt, als ich das gesagt habe, auch absolut zutreffend war. Eine Woche, nachdem ich meine letzte „Facebook ist blöd und dieses Social-Media-Gedöns nervt mich“-Schimpfkanonade losgelassen hatte, saß ich jedoch in dem Café, in dem ich am liebsten einmal wöchentlich sitze, weil mir dort fast immer Ideen kommen, die ich hinterher sofort umsetzen möchte. Und als ich neulich über meinem Cappuccino brütete, sagte mir ein Stimmchen: „Du brauchst eine Facebook-Seite.“ Und weil mein Stimmchen das extrem bestimmt sagte, erwiderte ich folgerichtig: „Okay, ich setz mich ran.“ [Warum sagt mir mein Stimmchen eigentlich nie, dass ich das Badezimmer putzen oder mehr Sport treiben und nur nur Salat essen soll?! Wir müssen mal dringend miteinander reden, so geht das nicht!] Fremde Menschen mag so ein Verhalten verwirren und ich versteh das auch – für mich ist das allerdings völlig logisch. Ich fasele ja auch von ausgewogener Ernährung und krakehle rum, dass ich keine Nahrungsergänzungsmittel mehr nehme – und esse dann zwecks stimmungsaufhellender Wirkung Currywurst mit Pommes oder schütte morgens ein Gebräu aus Heilerde und indischen Flohsamen in mich rein, weil das Zeug immer wieder als Geheimtipp für einen flachen Bauch durchs Netz geistert.

Mein kluges Ich ahnt natürlich, dass der Verzicht auf alles, was Fett, Kohlenhydrate und Geschmack enthält sowie eine Kombination aus Sport und noch mehr Sport der wesentlich sinnvollere Weg zum Sixpack wäre [den eine 44-Jährige ja auch unbedingt braucht, weil sie was haben möchte, was sie noch nie hatte und weil sie offenbar keine anderen Probleme hat], aber mein spinnertes Ich interessiert sich einen feuchten Dreck für logisches und sinnvolles Zeug. Weil es öde ist! Wundermittel und geheime Mixturen sind viel spannender und ich bin da dummerweise auch sehr leidensfähig, wenn sich das Wunder nicht sofort einstellt. Der einzige Effekt des Flohsamen-Heilerde-Gebräus ist bisher nämlich der, dass ich morgens noch weniger Lust aufs Aufstehen habe als zuvor [und ich hätte nicht gedacht, dass da noch eine Steigerung möglich wäre!], weil ich ja weiß, was mich erwartet, sobald ich einen Fuß in die Küche setze: Eine widerliche Plörre, die was von mit Erde durchzogenem Chia-Pudding hat und auf der Skala meiner Lieblings-Frühstücksvariationen definitiv ganz weit unten steht.

Warum also dieses vermeintliche Hin und Her, das für Menschen, die geistig so flexibel wie ein Schwerlasttransporter sind, eine echte Herausforderung darstellt? Ganz einfach: Das nennt sich Leben und Leben ist Veränderung. Und wenn ich jemanden treffe, der noch immer dieselben Vorlieben wie vor 25 Jahren hat und alles so macht, wie er es schon immer gemacht hat, „weil man das eben so macht“ oder – noch schlimmer! – „weil es alle so machen“ [bei der Aussage brauche ich immer ganz schnell einen SicSac, weil sie spontanes Erbrechen hervorruft], dann trete ich so schnell den Rückzug an, wie es mir möglich ist. Vielleicht ist so ein Verhalten ansteckend… brrr…

Wer als Vierzigjähriger dieselben Ansichten wie ein Zwanzigjähriger vertritt, muss über Jahre hinweg verblödet sein. Er figuriert nicht als Prophet, sondern als unbelehrbares Balg, viel verdroschen und kein bisschen weise.“

(Robert Louis Stevenson)

So ist das. Und wenn ich mir morgen eine ausgehöhlte Wassermelone auf den Kopf setzen möchte, weil ich der Meinung bin, dass das ein fantastischer und zugleich sehr regenabweisender Sommerhut ist, dann mache ich das und es ist mir völlig wurscht, ob das nen schlanken Kopp macht oder nicht…  😉

Melone1
Quelle: gratisography.com

Leseempfehlung: Einen schönen Beitrag  mit dem Titel „Das Leben ist Veränderung“ findet ihr auch bei Love T.

19 Kommentare zu „Was indische Flohsamen und Facebook miteinander tun haben. Und warum ich auf manche Menschen ein bisschen spinnert wirke.

  1. Hallo Anna! Von so Wassermelonenhüten hätte ich diesen Sommer eine Menge an verschiedenen Modellen schnitzen können. Hab da schon was weggegessen 🙂
    Absolut, ich sperre mich auch nie gegen neues, ich schaue es mir zumindest an, das gilt auch für Essen, Trinken und Wundermittel.
    Danke fürs Verlinken ❤ ,liebe Grüße!

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  2. Hallo Anna, ich bin wieder hier… nicht am Klavier, sondern der Tastatur:)
    Du hast völlig recht. Spinnerte Ideen würzen das Leben. Veränderungen sind die Essenz für mich. Ich brauche immer mal wieder „Ausbrüche“ in neues Terrain, wie ein Kind, welches in einer Woche unbedingt Ballett probieren möchte und in der anderen Woche Geige lernen.
    Wo hast Du nur immer diese Bilder her? :))
    Liebe Grüße Tina

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    1. Ich wollte gerade schreiben: Schön, dass du wieder online bist! Aber das ist ja auch fies, weil du bestimmt lieber noch ein wenig Urlaub gehabt hättest. Egal… ich freu mich, wieder von dir zu lesen. 😉

      Ich liebe ja einerseits bestimmte Rituale (Besuch im Lieblings-Café und da möchte ich dann auch in kein anderes), was auch in Routine ausarten kann, aber für neue (und mitunter leider auch schräge) Ideen bin ich oft zu haben. Und das ist auch gut so. 😎

      Lieben Gruß!

      P.S: @Bilder schau mal hier: http://www.blogchicks.de/2015/07/20/kostenlose-bilder-fuer-deinen-blog/ Außerdem lassen sich mit Canva schöne Sachen machen. 😉

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      1. Ich hab noch Urlaub. Freue mich also das Du Dich freust, dass ich wieder da bin. Komischerweise habe ich meine kleine Bloggergemeinde vermisst. 😉
        Ich bin ein wenig wehmütig, weil weil Sarah in London ist. Es fühlt sich an als fehle mir was, der rechte Arm oder so… keine Ahnung. Ich weiss Mütter sind furchtbar und ich bin wohl gaaanz schlecht im Loslassen.
        Tolle Fotos gibt es da. Danke. Wobei ich ja immer nur meine Fotos verwenden möchte, ich liebe ja fotografieren, auch wenn ich darin nicht grad Meisterin bin :))

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  3. Nun, dann warte ich jetzt gespannt darauf, ob der nächste Cafébesuch einen Snapchat-Account zutage fördert 😉 Und weißte was: Spinnerte Menschen sind doch in den allermeisten Fällen auch liebenswert. Menschen, die in der Lage sind, ihre Meinung zu ändern, wenn es einen Grund dafür gibt, sowieso. Das Gegenteil davon ist nämlich irgendwann Altersstarrsinn. Den will auch keiner 🙂
    Liebe Grüße
    Fran

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    1. Snapchat? Also wenn mein Stimmchen das fordert, werde ich es im Cappuccino ertränken. Ende und aus. Ich zieh mir bei Bedarf 1-3 interessante Instastories rein und das war’s. Und so langsam gerate ich beim Jonglieren meiner Social-Media-Kanäle auch ins Schwimmen (mein Stimmchen hat mir ja blöderweise nicht verraten, wie ich das alles managen soll) und fange an, mich einfach wieder aufs Blog zu konzentrieren. 😉

      Brrr… Altersstarrsinn… manchmal schon bei U50-Jährigen anzutreffen. Schlimm find ich das…

      Lieben Gruß!

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  4. Wo kämen wir den hin bzw. wo würden wir den stehen bleiben, wenn wir uns nicht ändern würden/ dürften…..Eben, das wollen wir gar nicht so genau wissen. Und wenn dir danach ist, dann mach halt deine Facebook-Seite auf. Aber hör bloß nicht auf, solche Posts zu schreiben 😉
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Schön geschrieben. 😉 Mir hängt das noch so ein bisschen von früher nach. Da wurden Veränderungen nicht begrüßt, sondern als Schwäche, Wankelmütigkeit oder was auch immer ausgelegt. Und wenn zwei so gegensätzliche Herangehensweisen aufeinanderprallen, kann das auch nicht gut ausgehen. 😉

      Lieben Gruß!

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  5. Hast mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen. Allerdings ist es wirklich immer etwas komisch wenn man gegen etwas gewettert hat und es dann doch macht. Ich finde es aber ok, denn wer hat seine Meinung noch nicht geändert. Ich sage nur eines SAG NIEMALS NIE.
    LG Petra

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    1. *g* Das sag ich jetzt auch: Sag niemals nie. Und wenn ich überlege, wie rigoros ich noch vor 15 Jahren bestimmte Ansichten vertreten habe… dann kann ich jetzt nur den Kopf über mich schütteln. 😛

      Lieben Gruß!

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  6. komisch. ich finde mein leben sehr aufregend und spannend auch ohne komische ernährungsexperimente…… 😉
    ist vermutlich eine frage der perspektive. oder ´ne wahrnehmungsstörung. denn was bitte ist spannend daran dass der himmel jeden morgen anders aussieht?! oder den tomaten beim reifen zuzugucken und zu bangen dass sie nicht abfallen………..
    und irgendwie finde ich immernoch die selben sachen gut bzw. doof wie mit 20 – nur kann ich es jetzt besser und selbstbewusster ausdrücken.
    xxxx

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    1. Steht auch nirgendwo im Text, dass mein Leben nur/erst durch die Ernährungsexperimente spannend wird. 😉

      Und tatsächlich freue ich mich jeden Morgen über einen interessant gefärbten Himmel oder darüber, dass das Eichhörnchen mal wieder auf unserem Balkon vorbeischaut. Ich freue mich sogar jeden Morgen auf den ersten Kaffee, als hätte ich nicht tags zuvor erst zwei Tassen getrunken. Ich gehe da voll im Zitat von Einstein auf: „‚Es gibt zwei Arten sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eines. Ich glaube an Letzteres“. 😉

      Lieben Gruß!

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  7. Nun, der von mir gerne zitierte Helmut Schmidt meinte einmal (sinngemäß) auf den Vorwurf hin, dass er doch letztens erst das Gegenteil von dem gesagt habe, was er heute verträte: „Wollen Sie mir etwa verbieten, dazuzulernen?!“ Finde ich nach wie vor einen klasse Konter. 🙂
    Lieben Gruß
    AnnJ

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  8. facebook….
    was sag ich jetzt dazu?
    Lieber mal nichts, weil ich ja auch zu denen gehöre, die gern mal „was interessiert mich mein Gewäsch von gestern“ raus hauen.
    Ich hab grad gelesen, dass sich einige aus WhatsApp zurückziehen und zu anderen Anbietern wechseln, wegen der Verbindung zu facebook.
    Ich habe neulich den Stuttgarter Tatort geschaut…..
    Teile davon haben mich verunsichern können.
    Instagram ist vielleicht auch gefährlich.
    Wer weiß, was wir hier in einem Jahr noch schreiben können oder dürfen?
    Zu weit in die Vernetzung traue ich mich dann doch nicht, glaube ich.
    Ist das schon ein Rückschritt?
    Werde ich alt?
    Stehe ich still?

    Ich muss deinen neuen Internetauftritt noch verlinken.
    Befürchte aber, sobald ich das gemacht habe, ziehst Du wieder um.

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    1. Ich schau mir den Tatort nie an – habe das ein paar Mal versucht und dann die Finger davon gelassen – der beeinträchtigt mein Seelenleben nachhaltig und hinterher brauche ich erstmal ein paar Glückspillen. 😉

      Auf der wirklich sicheren Seite wären wir, wenn wir online überhaupt nichts mehr machen würden. Ist für mich aber keine Option, also muss ich manche Kröten schlucken, ob es mir passt oder nicht. Ein Freiberufler, der nicht zu ergooglen ist, ist nämlich nicht existent. Auch blöd. 😉

      *g* Nee, nicht verlinken! Ernsthaft! Schau mal im Blog vom Aysenputtel vorbei, dann weißte, was ich meine. Die Vorschaubilder von WordPress werden bei euch Bloggern gigantisch groß angezeigt, das sprengt das ganze Blog!

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  9. hihihii….. ich hab die Bilder ausgeschaltet.
    Aber im Moment verweigert Blogger die Verlinkung.
    Mal sehen, ob es mittags besser läuft.

    Ich will ja auch existent sein, mit meinen Geschichtchen.
    Ganz raus geh ich besimmt nicht.
    Aber Insta nervt mich schon, weil ich die Finger nicht davon lassen kann.
    Wenn ich jetz noch das Fratzenbuch dazu buche, komme ich zu nix mehr.

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    1. *räusper* Also ich will ja eigentlich nur mit meinen Texten existent sein und mein Gesicht würde ich da ruhig außen vor lassen. 😛 Aber so funktioniert das ja leider nicht. Und wenn du seit… warte… ich muss überlegen… ca. 15 Jahren als Bloggerin unterwegs bist und seit 8 Jahren für diverse Onlineformate schreibst und man beim Googlen deines Namens zuerst aufs Telefonbuch und dann eine mir nicht bekannte Namensvetterin trifft, dann läuft da was falsch. :mrgreen:

      @Insta & FB: Bei Insta habe ich neulich ordentlich durchgekehrt und Abos gekündigt und nun schaue ich tatsächlich (fast nur noch) morgens oder während einer Abendrunde rein – das frisst sonst zu viel Zeit. FB nutze ich wohl auch nicht richtig. Wenn mir unterwegs was unterkommt, was ich teilen möchte, dann tu ich das. Und meine eigenen Posts teile ich logischerweise auch – ich bin ja lernfähig. *g* Hin und wieder kommentiere u. like ich, aber das war’s dann auch. Wenn du das alles „richtig“ machen willst, hängst du ja alleine je 1-2 Std./Tag auf Insta und FB! Ich will doch nur schreiben, nicht liken… 😦

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Kommentare machen das Bloggen bunter und ich freue mich, wenn ich hier keine Selbstgespräche führen muss. ;)

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