How to| Stöckeltraining mit Camilla und dem Schuhgott, der was gegen kleine Frauen hat.

Es gibt Dinge, die schlichtweg rätselhaft sind. Meine Lesegewohnheiten etwa. Sind bisweilen sehr seicht und erschließen sich ehrlich gesagt nicht mal mir selbst – ich hinterfrage das aber auch nicht mehr und nehme es, wie es kommt. Und so griff ich logischerweise zu, als mir vor einiger Zeit auf dem Grabbeltisch ein Buch in die Hände hüpfte, das von Englands Fashion-Expertin stammt, die angeblich glamourös wie Kylie Minogue oder Gisele Bündchen und stilsicher wie Carrie Bradshaw ist. Und wenn das Buch dann auch noch ein paar Worte von Manolo Blahnik zum Thema „Wie finde ich den passenden Schuh“ enthält… ja dann greife ich doch zu. Ehrlich gesagt hegte ich ja auch die Hoffnung, dass dem Buch vielleicht ein Gutschein für ein Paar Manolos beiliegt, aber dem war leider nicht so. 😉

Okay, wenden wir uns dem zu, was im Buch enthalten ist und das sind Tipps, wie frau in Heels nicht nur eine gute Figur macht, sondern auch laufen kann. Das geht mir nämlich völlig ab und seit dem letzten Verstauchungsdrama habe ich ehrlich gesagt auch keine Absätze mehr getragen. Fange also quasi wieder bei null an.

1. Was vom Schuhgott…

Den Anfang des Stöckeltrainings machen dummerweise ein Paar Manolos, denn diesen Schuhen kann, was Aerodynamik, Ästehtik und Bequemlichkeit angeht, sonst niemand das Wasser reichen – so Morton, die es wissen muss. Weil sie in Heels quasi joggen geht und mit Sicherheit mehr Modelle auspobiert hat, als ich das bis zum Rest meines Lebens tun werde. Die Worte vom Schuhgott himself finde ich allerdings nicht besonders hilfreich.

Merke: Wer in High Heels läuft, muss das nicht perfekt tun. Gerade das Chaotische und Unsichere hat für ihn Charme und Camilla Morton verzauberte ihn, als sie in ihren Heels stolpernd und wackelnd herumeierte.

Hm… sie verzauberte ihn, weil sie nicht in der Lage war, gescheit gradeaus zu gehen? Bei aller Liebe, aber was raucht der denn?! Nebenbei gesagt ist mir der Maestro nach einem Interview im Stern ohnehin ein bisschen… nun ja … unsympathisch. Tut mir ja auch leid, aber wie soll ich [1,62m klein] jemanden mögen, der auf die Feststellung, dass seine Schuhe „Kleine Frauen größer machen“ folgendes angwortet:

Uuh, nein, das finde ich schrecklich ordinär. Wenn kleine Frauen hochhackige Schuhe tragen, womöglich noch Plateauschuhe – ein Albtraum! Ich sehe meine Schuhe an großen, dunkelhaarigen Frauen wie Claudia Cardinale.“ [1]

Sehr selbstlos dass er sie trotzdem an Zwergenfrauen verkauft, seine Schuhe. Wenngleich für mich gilt: Lieber Herr B., kannst deine Schuhe behalten. Nach dem Kommentar erst recht, passt mir aber auch besser ins Budget. Ist allerdings schon sinnvoll, einen Schuh zu wählen, bei dem Absatzhöhe und die Absatzform mit den Proportionen der Trägerin harmonieren [sprich: Fußballerwaden und Stiletto sind eher ungünstig und ein Kopf größer als die Bordsteinkante – so wie ich – und Wolkenkratzerheels… das kann auch eher lächerlich aussehen], weil eben nur Kylie oder Carrie alles machen dürfen, ohne den Clown zu geben. Aber deswegen alle zu kurz geratenen Stöckelmäuse vor den Kopf stoßen? Schlechter Stil. Dennoch gibt’s noch einen Styling-Tipp von Manolo, der für mich allerdings unter Allgemeinwissen läuft: Zwei schwarze Kleider und mindestens 20 Paar Heels (natürlich seine, nehme ich an) à mindestens 9cm – mehr braucht frau nicht, um gut auszusehen. Gut, wenden wir uns den hilfreichen Tipps von Camilla zu, die meines Wissens nach kein Problem mit kleinen Frauen hat…

 

2. So läuft das…

Morton rät Anfängerinnen unbedingt zu Riemchenmodellen, um Rist und Knöchel zu stabilisieren. [Ergänzung von mir: Perfekt zum Üben sind gut sitzende Absatzstiefel und ehrlich gesagt sind das überhaupt die einzigen Absatzschuhe, in denen ich halbwegs gescheit laufen kann.] Auch wichtig: Hautkontakt, weil der Fuß so besser im Schuh… nun ja… festklebt. Nachdem frau ihre Schuhe im Sitzen angezogen hat und sich mit ein bisschen Fuß- und Zehengewackel an die neuen Folterinstrumente gewöhnt hat, steht sie auf – laaaangsam und vooooorsichtig! – und gewöhnt sich mit verschiedenen Übungen langsam an den völlig veränderten Körperschwerpunkt. Die Körpermitte ist nämlich nicht mehr da, wo sie mal war und wer sich zu weit nach vorne oder zu weit nach hinten lehnt, macht eine Bruchlandung. Aber… wir haben es ja so gewollt.

Was das Laufen angeht, folgt frau ihren Hüften. Die müssen nämlich so schwingen, dass sie im Schritttakt eine acht beschreiben [ab Min. 1:18] Und weil das alles recht kompliziert klingt – zumindest für Menschen wie mich, denen nicht wie Marilyn Monroe das Schreiten in die Wiege gelegt wurde – gibt es einen super Tipp, wo und wie frau ihre Heels zum ersten Mal einweiht. Nämlich: im Supermarkt. Ja, richtig gelesen. Grund hierfür ist selbstverständlich keine Machofantasie, sondern der Einkaufswagen. Gewissermaßen ein Rollator für Stöckelartistinnen in Ausbildung. Also immer schön mit den Hüften kreisen, brav das Wägelchen schieben und derweil nicht so verkrampft aus der Wäsche schauen, wie es sich anfühlt. Warum muss ich jetzt an „Die Frauen von Stepford denken“?! Na egal: Auch zu Hause lassen sich Heels wunderbar einweihen, beispielsweise im Rahmen der Clairobics. 😉

3. Und hier läuft gar nichts…

So, alles klar mit’m Schritt?! Hervorragend. Dann liefert Camilla wichtige Hinweise für den zu bestöckelnden Untergrund, denn frau will ja nicht immer nur im Supermarkt ihre Runden drehen. Es gibt nämlich Untergründe, die unter allen Umständen meiden sind. Hierzu gehören:

  • Kies
  • Schotter
  • Gras
  • Kopfsteinpflaster
  • Gitter
  • Teer im Sommer (bleibt der Schuh stecken!). Da helfen einem auch Manolos nicht weiter.

Mit Vorsicht zu genießen sind: Marmor, Treppen und Rolltreppen. Wann auch immer frau es damit zu tun hat, gibt es nur ein Gebot: Festhalten!  Wahlweise am Handlauf oder alternativ am erstbesten Mann, den frau sich mangels Einkaufswagen krallt. Nicht zu unterschätzen sind zudem die Tücken, die von unebenen, mit Rissen versehenen Bürgersteigen oder nicht fixierten Teppichläufern und Brücken ausgehen.

So, das war’s schon. Ist doch gar nicht so schwer, oder? Wobei ich gestehen muss, dass mir im Hinblick auf Punkt 3 ein spezielles Navigationsgerät für Stöckelartistinnen in Ausbildung wünschen würde, das Auskunft über folgende Dinge gibt:

  • Mit welchen Bodenbeschaffenheiten ist auf den verschiedenen Wegstrecken zu rechnen? Gibt es Alternativrouten, die ungefährlicher sind?
  • In welchem Zustand sind die Bürgersteige?
  • Sind Treppen o.ä. mit einem Handlauf versehen und wenn ja, wie stabil ist der?! Sind alternativ Männer anwesend, an die frau sich klammern kann?
  • Funktionieren alle Fahrstühle? Gibt es Rolltreppen?
  • Sind vor Ort oder am Wegesrand genügend Sitzgelegenheiten vorhanden, auf denen frau ihren ramponierten Füßen eine Pause gönnen kann?!
  • Wo ist die nächste Notaufnahme/Orthopäde?!

 

So Sachen halt. Und nun werde ich mir ein paar Mal Marilyn Monroe in Niagara anschauen, um von einer ganz Großen zu lernen… 😉

 

 

Unheimlich fotogen, die Schuhe, oder? Waren immer noch nicht draußen. 😉 Ich trau dem Reißverschluss im Fersenbereich nicht. Das ist ein potenzieller Problembär, der vermutlich erst dann scheuern wird, sobald ich zu weit von zu Hause weg bin, um die Schuhe noch zu wechseln. Wenn ich keine Pfalsterallergie hätte, würde ich mir den Fersenbereich tapen.

P.S: Camillas Tipps sind euch zu theoretisch? Dann gibt es vielleicht eine Volkshochschule in eurer Nähe, die „High-Heels-Kurse für Anfänger“ anbietet. Allerdings ist das Lernen an der VHS halt weitaus weniger glamourös als das Lernen von Marilyn. 😉

Und wenn wir dank Herrn B., der offenbar war gegen kleine Frauen hat, schon beim Thema „Diskriminierung“ sind, noch ein Lesetipp: Befördern wir uns selbst auf die Resterampe?

Info & Leseklicks

[1]stern.de: Interview mit M.Blahnik: Ich hasse die Mode

Website von Camilla Morton  

Buch: Wie Sie in High Heels unfallfrei eine Glühbirne auswechseln: Die ultimativen Style-Tipps

 

[Beitragsbild: erstellt mit Canva u. privat]

Kommentare machen das Bloggen bunter und ich freue mich, wenn ich hier keine Selbstgespräche führen muss. ;)

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