Eat Pray Om. Oder: Die Zähmung der Giftkröte.

Es gibt Aufgaben, die mich immer wieder aufs Neue fordern. Eine davon ist die, mit mir selbst im Reinen zu sein. Klingt jetzt ein bisschen sehr Eat-Pray-Love-mäßig und jeder hat da sicher seine eigene Definition, aber für mich bedeutet „Mir mir im Reinen sein“: Mich so anzunehmen, wie ich bin [und nicht schöner, klüger, erfolgreicher, schlanker oder was weiß ich sein zu wollen*] und nicht länger damit zu hadern, dass es [hier bitte Ungeplantes/Schicksalsschläge nach Wahl, gerne auch in der Mehrzahl, einfügen] nun ausgerechnet so gekommen ist und nicht anders.

Es ist wie es ist…

 

Es ist wie es ist –  und es liegt an mir, das Beste aus dem zu machen, was ist. Für das, was passiert ist, trage ich vielleicht nicht immer die Verantwortung, aber ich trage die Verantwortung dafür, wie ich damit umgehe. Kluge Menschen wissen das gleich – ich habe mir vorher ein paar Umwege gegönnt. Mit Schuldzuweisungen Flipper gespielt, den Kopf in den Sand gesteckt, rumgestänkert oder rumgejammert, so dass ich ein Musterbeispiel für Einsteins Definition einer Wahnsinnigen abgab:

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. “ 

Irgendwann machte es dann endlich mal Klick. In meiner grenzenlosen Naivität hatte ich allerdings angenommen, dass dieses In-sich-Ruhen ein Zustand ist, den man sich einmal erarbeitet, um dann zeitlebens auf einer Wolke der Glückseligkeit durchs Leben zu schweben. Darum war ich auch schwer begeistert, als ich zwischenzeitlich eine Phase hatte, in der ich wie ein tiefenentspanntes Glücksbärchi auf Drog… äh… Johanniskraut durch die Gegend schwirrte. Selbstverständlich – und ein bisschen größenwahnsinnig – ging ich davon aus, dass ich in diesem Punkt alles gelernt hatte, was es zu lernen gab. Nun ja.

 

Da wurde das Glücksbärchi zum HB-Männchen…

Kurz darauf zeigte sich anhand der einen oder anderen Begebenheit, wie schnell frau von ihrem frisch gezimmerten Thron purzeln kann. Erst am Wochenende gebärdete ich mich wie ein kurz vor dem Kollaps stehendes HB-Männchen, weil mir etwas die Laune verhagelte und am Wochenende davor ebenfalls, weil es etwas zu tun galt, wozu ich partout keine Lust hatte. Und ich kann mich ja auch schön in die Sachen reinsteigern, wenn ich will. Will ich aber nicht. Weil es mir nichts bringt. Nur Stress, Ärger und graue Haare. Und ich dann zur zickenden und giftspritzende Kröte werde, die ich am liebsten an die Wand werfen würde in der Hoffnung, dass plötzlich eine Prinzessin draus wird. Die giftige Krötenfrau ist meilenweit entfernt von der Frau, die ich sein möchte und die ich an guten Tagen auch bin. Die Frau, die ich sein will, ist nämlich kein wandelndes Giftpfeilarsenal, sondern mit sich im Reinen und ich verrate euch mal, warum dieser Zustand so erstrebenswert ist:

 

  • Weil ich mich dann von Herzen für andere freuen kann – ohne grummelnd daran rumzukauen, dass mein letzter Erfolg, den ich gefeiert habe, vielleicht schon ein wenig länger zurückliegt.
  • Weil ich in so einem Moment nichts auf mich beziehe, was gar nichts mit mir zu tun hat. Denn vielleicht hat mein Gegenüber einfach nur einen schlechten Moment, weil ihm irgendwer den Parkplatz oder das letzte Rosinenbrötchen vor der Nase weggeschnappt hat? Was auch immer der Grund ist: Es ist nicht meine Baustelle.
  • Weil ich in so einem Zustand mehr auf mich schaue – auf das, was ich habe und auf das, was ich daraus machen kann. Anstatt missgünstig nach anderen zu schielen und von einer Frustwelle überrollt zu werden, die nie gute Handlungen nach sich zieht. Nie.
  • Weil ich mir so meine ganz persönliche Teflon-Beschichtung schaffe, die mir das Leben leichter macht und kleine Alltagsfisimatenten einfach an mir abprallen lässt. Ich bin dann nämlich entspannter, gelassener, humorvoller und kreativer und so lebt sich das Leben einfach leichter.
  • Weil ich Rechnungen dann begleiche, wenn sie fällig sind und sie anschließend zum Altpapier lege. Und nicht Jahre später noch an irgendwelchen Ratenzahlungen sitze.

 

  • Und weil ich dann in der Lage bin, andere zu untersützen – anstatt ihnen eigennützig die Flügel zu stutzen, damit sie meinen Dunstkreis nicht verlassen.

 

Klingt schon gar nicht mehr so sehr nach „Eat, Pray, Love“ oder? Sondern nach einem sehr erstrebenswerten Zustand, der das Leben ein bisschen schöner macht – übrigens auch das der anderen. Nebenbei bemerkt finde ich die Gesellschaft eines Menschen, der mit sich im Reinen ist und das auch ausstrahlt, höchst inspirierend und motivierend. So möchte ich auch mal sein, wenn ich groß bin. Und bis ich das schaffe, übe ich jeden Tag ein bisschen weiter und freue mich,  wenn ich in kritischen Situationen so gehandelt habe, wie es meinem angestrebten Ideal entspricht – anderenfalls habe ich halt wieder was dazugelernt. Und solange ich noch dazulernen kann, bin ich wenigstens noch nicht verkalkt oder völlig verblendet und beratungsresistent.

Mir im Reinen zu sein ist also das schönste Geschenk, das ich mir machen kann und es ist wirklich exklusiv, da nicht käuflich. Gibt’s weder bei Tiffany noch in sonst einem Luxusschuppen und genau das macht es besonders wertvoll…

Steine.jpg

Wie steht’s mit euch? Und was hilft euch, wieder in diesen Zustand zu gelangen, wenn ihr mal vom Thron gepurzelt seid? 

 

*Kleine Anmerkung: Das hat für mich übrigens nichts mit „Ich bleib so scheiße, wie ich bin“ zu tun. Ich möchte mich weiterentwickeln, Neues (kennen)lernen – aber nicht, weil mein Leben ein einziges Mängelgebiet ist, sondern weil das Neue eine Bereicherung ist. Idealerweise. Anderenfalls weiß ich hinterher halt, womit ich praktisch doch nichts anfangen möchte. Und das ist auch schon mal eine Menge wert, weil ich dann nicht mehr darüber nachdenken muss, wie es wäre wenn…

[Beitragsbild: erstellt mit Canva]

Kommentare machen das Bloggen bunter und ich freue mich, wenn ich hier keine Selbstgespräche führen muss. ;)

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