How to| Minimalismus im Kleiderschrank

Bekam neulich im Rahmen einer mond- und hormongesteuerten Dramaquee-Phase wieder einen Nervenzusammenbruch, weil mein Kleiderschrank zu klein ist. Gut, das sagt so ziemlich jede, aber meiner ist wirklich klein! Ich zumindest finde meinen Dreitürer (135cm breit, Doppeltür mit Kleiderstange und hinter der anderen Tür die Fächer) für eine an Kleidung interessierte Frau klein. Hätte ja am liebsten einen begehbaren Kleiderschrank. Oder ein Ankleidezimmer mit Blick aufs Meer! [Bei mir soll alles Blick aufs Meer haben….Küche, Arbeitszimmer, Lesezimmer/Bibliothek, Ankleidezimmer, Schlafzimmer, Sport/Yogaraum… und das möchte ich alles in einem Cottage unterbringen. Dürfte ein interessantes Haus werden. Sollte ich jemals in die Verlegenheit kommen, das in die Tat umzusetzen zu wollen, kann sich der Architekt schon mal die Karten legen…], solange ich das aber nicht habe, muss ich mich dem anpassen, was ich habe.

Ein kleiner Kleiderschrank zieht große Probleme mach sich…

 

Ein kleiner Kleiderschrank ist nicht nur lästig, er nötigt mich seit geraumer Zeit auch dazu, regelmäßig Ordnung zu schaffen und bewusst zu shoppen. Was passiert, wenn ich es nicht tue? 

 

  • Da ich sehr viele schwarze Oberteile besitze, verliere ich logischerweise irgendwann den Überblick, obwohl meine Trefferquote immer besser wird.
  • Sachen geraten somit schlichtweg in Vergessenheit, weil ich sie nicht regelmäßig trage.
  • Und schon setzt sich ein Teufelskreis in Gang: Ich greife immer zur  bewährten Kombi, weil der Rest nach hinten gerutscht ist und wundere mich dann, warum das so langweilig (weil immer gleich) aussieht. Also  möchte ich neue Sachen kaufen, um mehr Abwechlsung reinzubringen. Da sich aber mittlerweile mein eigener Stil rauskristallisiert hat, greife ich wie ein Trüffelschwein zu den Sachen, die eh in mein Beuteschema passen und die schon irgendwo im Schrank liegen… ich seh sie halt nur nicht.

Also miste ich regelmäßig meinen Kleiderschrank aus– und zwar immer dann, wenn ich Sommer- u. Wintersachen umschichte, macht zweimal pro Jahr. Was bei der aktuellen Inventur rauskam, ist nach Jahren des regelmäßigen Entrümpelns dennoch nicht wirklich minimalistisch. Andererseits: Wie viele Klamotten darf ein Minimalist – der ich ja eh nicht bin-  haben? Die Sachen müssen ja auch gewaschen werden und eine Waschmaschine, die nur zu einem Viertel gefüllt ist, ist auch nicht optimal, oder?

  • 8 Jeans (Bootcut, eine Skinny)
  • 4 Chinos (beige u. schwarz)
  • 3 Bleistiftröcke (schwarz, braun)
  • ca. 5 Sommerröcke
  • 1 Etuikleid (mein Universalgenie)
  • 5 Sommerkleider (trage ich auch sehr gerne als Longtop plus Cardigan zur Jeans)
  • 10 Strickkleider/Longpullover (schwarz, grau)
  • ca. 14 Cardigans/Boleros/Strickmäntel (schwarz, grau, weiß, ein gemusterter Ausrutscher)
  • div. Basicshirts (Lang. und Kurzarm in weiß, schwarz, grau)
  • ca. 7 Carmen/Wasserfallausschnitt-Shirts (schwarz, passen zu Hosen, Röcken und sogar übers Sommerkleid)
  • 5 Tuniken (die sind ausnahmsweise tatsächlich gemustert… unfassbar!)
  • 2 Hoodies (schwarz, grau)
  • ca. 6 T-Shirts mit Print (siehe u.a. mein Lieblingsshirt hier )
  • 3 kürzere Blazer/blazerähnliche Jacken (schwarz, grau, beige)
  • 1 Jeansjacke, 1 Parka (oliv), 2 Trenchcoats (beige, braun) 2  schlichte Wintermäntel (schwarz u. braun)
  • Dazu kommen noch ein paar Sachen, die ich hier nicht aufliste, weil ich noch sehen muss, ob sie sich bewähren. Darunter sind Ausreißerteile wie ein Maxikleid im Batiklook, weil der kleine Hippie in mir mal wieder voll mit mir durchgegangen ist, das macht er manchmal.

 

Anmerkung: Klingt extrem viel, allerdings begleiten mich viele dieser Sachen schon lange Zeit. Manche Jeans sogar 10 Jahre, ebenso mein Etuikleid. Lediglich bei den Strickkleidern, Cardigans und Shirts gab es im vergangenen Jahr einige Neuzugänge zu verzeichnen.

Hey, das ist ja gar nicht öde – es ist ein Signature-Look…

Blick in meinen Kleiderschrank ist also nicht nur nicht minimalistisch, sondern von den Farben her auch eher… ähem… öde. Habe ja schon öfter gelästert, dass ich von den Klamotten her eigentlich das weibliche Pendant zu Steve Jobs (schwarze Rollis u. Jeans) bin – dazu muss ich allerdings sagen, dass ich klamottentechnisch eher mit Jobs als mit Lady Gaga sympathisiere. Und außerdem ist das vielleicht alles doch gar nicht so öde. Gebe ich dem Kind nämlich einfach einen neuen Namen und nenne es Signature-Look, befinde ich mich plötzlich in illustrer Gesellschaft von Emanuelle Alt oder Isabel Marant. Damit kann ich gut leben, wenngleich ich mich kleidungstechnisch nun weiß Gott nicht mit den beiden auf eine Stufe stellen  möchte, das wäre mehr als vermessen. Aber ich denke, dass das ein Weg ist, den ich konsequent weiterverfolgen werde. Noch konsequenter als bisher.

Französische Style Guides: Fashion-Minimalismus in Reinkultur

Kommen wir mal zu den französische Style Guides. Mein Faible dafür hatte ich wohl schon mal erwähnt? [Nicht mit den Augen rollen, ich sehe alles… ] Und warum nun liebe ich diese Bücher so? Ganz einfach: Das hat nicht wirklich was mit den Französinnen zu tun, sondern eher damit, dass diese Style Guides Fashion-Minimalismus in Reinkultur lehren – aber mit sehr viel mehr Stil und Lässigkeit als diese drögen „Wirf alles weg und werde glücklich“-Bücher.  So heißt es z.B. in allen Style Guides übereinstimmend:

Auf Basics setzen: Also Jeans, Blusen, weißes Herrenhemd, Pencilskirt, kleines und nicht so kleines Schwarzes, Kostüm und Hosenanzug, Cardigans, Pullover und Shirts – und zwar alles in möglichst hochwertiger und schlichter Ausführung, die nicht nach einem halben Jahr schreit „Ich bin von vorgestern!“ Ebenfalls ein Muss: Schuhe mit Wow-Effekt, die jedes Outfit drehen. Must-have: Ballerinas, Heels, Stiefel, derbe Boots, Stiefeletten, Espadrilles – halt alles von A-Z und das in der hochwertigsten Variante, die erschwinglich ist. Ebenfalls ein Muss: Accessoires von C – F, also von Cartier bis Flohmarkt.

 

 Mein Shopping-Minimalismus: Neue Teile durchlaufen eine strenge Prüfung…

 

Das mit den Basics beherzige ich seit einigen Jahren unbewusst, diese Style Guides haben mich allerdings sehr darin bestärkt und seither haben sich die Fehlkäufe drastisch minimiert. Ich werde nun nicht  mehr Klamotten als nötig aus meinem Kleiderschrank werfen, nur damit der minimalistischer daherkommt. Möchte ich allerdings shoppen oder bin der Meinung, etwas Neues zu benötigen, dann werden die Teile einer härteren Prüfung unterzogen.  Ein „oh wie süß, das gefällt mir“ reicht nicht mehr. Stattdessen frage ich mich:

  • Würde ich das Teil sofort ausführen wollen? Ein Nein ist ein absolutes Ausschlusskriterium!
  • Brauche ich es wirklich? Auch in zwei Wochen noch? Und in einem halben Jahr?
  • Würde ich es auch kaufen, wenn der Preis höher wäre? Oder kaufe ich es nur, weil es ein „Schnäppchen“ ist? Vor allem bei Markenteilen, die sonst nicht ins Budget passen, eine sehr interessante Überlegung! Ist in erster Linie der Preis reizvoll, bleibt das Teil im Laden.
  • Wann und wozu kann ich das Teil tragen? Nein, der Abi-Ball des noch nicht geplanten Enkelkindes zählt nicht. Ebenso wenig der Gedanke: Ich möchte in fünf Jahren Urlaub in Saint-Tropez machen, da passt das. Fallen mir hierzu nicht mindestens zwei plausible Punkte ein, darf das Teil nicht mit.
  • Kaufe ich das Teil für mein jetziges Leben oder für ein Leben, das ich irgendwann mal führen möchte? Bedenklich wird es für mich, wenn mehr als 50 Prozent der Klamotten in meinem Schrank für ein anders Leben bestimmt sind. Und ja, so eine Phase gab es mal. 😉
  • Peppt dieses Teil eventuell bereits vorhandene Stücke auf? Ein Ja ist ein fettes Plus!
  • Passform: Passt es wirklich? Und: Was tut dieses Kleidungsstück für mich?  [Danke an Guido Maria Kretschmer für diesen Satz!] Die Sache ist die…es gibt absolute Styling-Chamäleons, die in beinahe allem toll aussehen. Nur ist das, was einer Kate Moss oder Carrie Bradshaw oder Chrissie aus der Edelfabrik steht nicht unbedingt das, was auch mir steht – schnurzpiepegal, wie sehr ich den jeweiligen Style auch bewundere. Von daher gilt für mich: Schuster, bleib bei deinen Leisten und mach das Beste aus deinem Typ und kauf keine Klamotten, die nur denen stehen, die du insgeheim bewunderst.

Ihr seht, dass es ein bisschen lanweilig wird, gezielt zu shoppen und nicht jedem Sale-Lockruf zu erliegen. Und wer seinem Stil schon ein bisschen näher ist, kann auch relativ entspannt durch die Läden streifen und zielgerichtet zugreifen, ohne sich von den bunten Fähnchen mit dem „Sale“-Schildchen irritieren zu lassen. In der SZ hieß es neulich Shoppen ist langweilig geworden und u.a.:

Das Geschäft der Modeketten ist es, die Kundinnen so oft wie möglich mit neuen Garderoben auszustatten. Doch die ändern ihren Geschmack kaum noch. Quelle: SZ 

Tja… ob die alle zu viel französische Style-Guides gelesen haben?

Man weiß es nicht… 😉

 

Hier findet ihr noch mehr Tipps zum Shoppen mit Köpfchen. Und eine spannende Idee zum Planen der Garderobe gibt’s bei The Organized Cardigan: Capsule Wardrobe Planning mit einem Moodboard.


Rezensionen der jeweiligen Style-Guides, der Link führt direkt zur Rezension:

 

  • Love x Style x Love  von Garancé Dore: Style-Guide + Biografie. Absolut sympathisch, locker-flockig beschrieben und tolle Bilder noch dazu. Mag ich sehr.  Und ich war vorher kein Garancé-Fan.
  • Pariser Chic  von Ines de la Fressange + so geht das mit dem berühmten „Je ne sais quoi“.
  • Paris in Style: Gehaltvoller Style-Guide und tatsächlich der einzige, in dem der Style an erster Stelle steht.

[Beitragsbild: erstellt mit Canva u. privat]