Food| Über Matcha und andere Superfoods…

Trendwellen schwappen ja erst eine Weile durch die Gegend, ehe sie mich erfassen – wenn sie mich denn überhaupt erfassen. An Matcha kommt allerdings kaum jemand vorbei, der sich für Schönheit, Gesundheit und Detox [so man denn daran glauben möchte] interessiert . Außerdem soll der Tee beim Abnehmen helfen, da er aufgrund der enthaltenen Catechine angeblich den Fettabbau unterstützt.  Darf man der Yellow Press glauben, schwören Stars wie Mila Kunis oder Liv Tyler auf das grüne Zeug – was für mich allerdings ehrlich gesagt keine Werbung ist. Im Gegenteil: Schon mal von einem Hollywood-Sternchen gehört, das durch seinen gesunden Lebenswandel und sein liebevolles Verhältnis zu seinem eigenen Körper in die Schlagzeilen geriet? Eben. Und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die Damen Kunis und Tyler ohne Matcha nun gleich zum Moby Dick werden würden. Warum habe ich das Matcha-Zeug dann gekauft? Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung. Ich wollte mir und meiner Gesundheit einfach mal wieder was richtig Gutes gönnen und es kam mir ein bisschen zu profan vor, einfach nur Äpfel und grünen Salat zu essen. Das ist nicht Gesundheit 2.0, sondern… äh… Steinzeit?! Völlige Lifestyle-Verweigerung?! Da kann ich ebenso gut in Fake-Chucks (10€, Deichmann), meiner 10 Jahre alten Yogahose (vom Kaffeeröster, hält besser als das fünfmal so teure Markenteil) und meiner Etro-Tasche, an der noch das Ubup-Schildchen (Secondhand) baumelt, in der Bar vom Waldorf Astoria aufschlagen und ein Dosenbier ordern.

Nachdem ich die erste Tasse Matcha getrunken hatte, habe ich dann allerdings ein bisschen geweint, weil ich das Geld lieber in Schokolade investiert hätte. Oder in Torte. Oder in ein neues Buch. Der Geschmack des Tees ist nämlich recht… gewöhnungsbedürftig. Erinnert mich sehr an meine Gerstengras-Episode (nur ein Wort: wi-der-lich! Oder zwei: nie wieder!) und der Geruch liegt irgendwo zwischen Algen und Wiese. Ganz ehrlich? Apfel und Salat wären viel besser gewesen. Oder sogar ein

Superfood oder Schaumschläger? Und ein paar Gedanken zu „Superfoods“…

 

Matcha ist – wie Grüntees allgemein – gesund und enthält diverse Inhaltsstoffe, die ihn zum „Superfood“ machen und genau auf diesem Bein hat es mich wohl auch erwischt, als ich ihn gekauft habe. Matcha punktet u.a.mit:

 

  • Aminosäuren
  • Antioxidantien
  • Catechinen
  • Chlorophyll
  • Mineralstoffen u. Spurenelementen (Calcium, Eisen, Kalium)
  • verschiedenen Vitaminen
  • EGCG (Epigallocatechingallat)

 

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe mit der Bezeichnung „Superfoods“ meine Probleme, weil diverse dieser Superheroes zwar durchaus tolle Inhaltsstoffe enthalten – nur eben zu wenig. Oder andersrum: Um voll in den Genuss der wunderwirksamen Heilkräfte zu kommen, müsste die Verzehrmenge groß sein. Sehr groß. Größer, als zumindest ich das im Alltag bewerkstelligen kann und darf. Beispiel Chia: 100 g der Chia-Körner enthalten u.a. Eisen (7,7mg) und Zink (4,6 mg). [1] Für Frauen empfiehlt die DGE aber eine tägliche Zufuhr von 15 mg Eisen und 15mg Zink. Und nun rechnet bitte selbst aus, wie viel Chia das wäre. Verzehrt werden dürfen allerdings max. 15g/Tag, weil die Langzeituntersuchungen fehlen. Und Matcha? Der enthält zwar Vitamine – neben wasserlöslichem Vitamin B und C allerdings auch fettlösliche wie Vitamin A, E und K. Darüber hinaus steckt tatsächlich deutlich mehr EGCG (Epigallocatechingallat) im Matcha-Pulver, als in normalem Grüntee – ob EGCG nun aber wirklich so wirksam ist, wie es verschiedene Studien vermuten lassen, ist noch nicht geklärt, da die Ergebnisse aus Labor- und Tierversuchen nicht einfach so auf den Menschen übertragbar sind. Auf Utopia heißt es zum Thema Superfoods:

Die Wirkungen auf die menschliche Gesundheit werden meist nur unter Laborbedingungen erforscht. Dabei gehen die Wissenschaftler häufig von verhältnismäßig großen Mengen bzw. Konzentrationen der Nährstoffe aus – Mengen, die ein Mensch bei normalem Verzehr der entsprechenden Nahrungsmittel kaum zu sich nehmen kann. Quelle: Utopia:Der kernige Schwindel mit Superfoods

 Reden wir auch gleich über Nahrungsergänzungsmittel (NEM)

Und wenn wir schon bei der gesundheitsbewussten Ernährung sind: Wer zu Superfoods greift, ist vielleicht auch den Nahrungsergänzungsmitteln gegenüber sehr aufgeschlossen. Zumindest war das bei mir lange Zeit so – ganz therapiert bin ich davon noch nicht. Ehe ich jedoch eine neue Superpille kaufen möchte, rufe ich mir folgendes in Erinnerung, was ich neulich gelesen habe: Geregelt ist derzeit nur der Zusatz von Vitaminen und Mineralstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln. Aber nicht der von z.B. Aminosäuren, essentiellen Fettsäuren oder Pflanzen- und Kräuterextrakten. Und im Gegensatz zu Lebensmitteln durchlaufen die Nahrungsergänzungsmittel (NEM) keine nennenswerten Kontrollen. Sie müssen zwar beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) registriert werden, aber auf der Seite des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit heißt es dazu lediglich:

 

NEM müssen sicher sein – das sollen die Hersteller garantieren.

Im Gegensatz zu Medikamenten unterliegen Nahrungsergänzungsmittel keinem Zulassungsverfahren: Ob sie so wirken, wie auf der Packung steht, und ob die Produkte sicher sind, muss nicht wie bei Medikamenten überprüft werden. Ämter kontrollieren Nahrungsergänzungsmittel nur stichprobenartig. […]Dadurch ist immer das jeweilige Bundesland, in dem ein Erzeugnis hergestellt bzw. in den Verkehr gebracht wird, für die Überwachung und die Überprüfung der Verkehrsfähigkeit von Lebensmitteln zuständig. Eine Prüfung der Erzeugnisse durch diese Behörden oder durch das BVL vor dem Inverkehrbringen ist rechtlich jedoch nicht vorgesehen. 

 

Ich stehe ja gerne mal auf dem Schlauch, aber „eine Prüfung der Erzeugnisse vor dem Inverkehrbringen ist rechtlich jedoch nicht vorgesehen“ ist leider so gar nicht missverständlich und es klingt auch nicht gut. Lasse ich jetzt mal so stehen, frage mich allerdings gerade, welche Superfoods als Lebensmittel gelten? Chiasamen haben den Sprung wohl geschafft, wenn ich mich recht entsinne. Aber der Rest? Na keine Sorge: um die Aufklärung und die stichpunktartigen Proben kümmern sich dann Ökotest und Konsorten. Das ist ziemlich praktisch, weil die Medien so auch gleich noch davon profitieren und einen weiteren „Skandal, Skandal! Wie konnte es nur dazu kommen?!“-Artikel raushauen können. Aktuell auf stern.de: Von wegen Superfood: So schädlich sind Gojibeeren, Chiasamen und Co. Schon krass, das. Kommt jetzt aber völlig überraschend.

 

 Keine Superfoods mehr für mich…

… zumindest keine, die sich provokativ so nennen. Meine Liebe zu gehypten und überteuerten Superfoods ist nämlich mittlerweile ziemlich abgekühlt. Und deswegen schaue ich lieber nach günstigen und nährstoffreichen Alternativen und die gibt es. Witzigerweise schmecken sie mir sogar wesentlich besser als all die Superfoods, die ich bisher ausprobiert habe und es ist für mich absolut kein Verlust, statt Acai-Beeren Heidelbeeren zu essen oder Leinsamen den Vorzug zu geben [utopia: Alternative zu Chia-Samen, Gojibeeren & Co].

Offenbar musste ich den Umweg über den Matcha gehen, um nun ganz Old School auf Obst, Gemüse, Vollkorn und Leinsamen zu setzen. 😉

Matcha.jpg

Lernen mit WeibandtheCity: Je schaumiger der Matcha ist, desto gelungener ist er! Allerdings ist er deutlich fotogener, wenn sich Blätter und Zweige darin spiegeln, oder? Darum orientiert euch bei der Herstellung bitte am Matcha-Bild unten rechts. 😉

P.S oder ein kleiner Matcha-Exkurs: Echter Matcha ist übrigens der Kaviar unter den Tees! Eine 30-Gramm-Portion kann bis zu 50 Euro kosten. Grund: Matcha kommt aus Japan [gibt allerdings mittlerweile einige chinesische Ausnahmen] und in die Kunst der fachgerechten Ernte/Zubereitung sind nur wenige Teebauern eingeweiht. Dazu kommt, dass  die Japaner gar nicht daran denken, die große Matcha-Masse zu exportieren – sie trinken das Zeug lieber selbst und das treibt natürlich den Preis nach oben. Expertenrat: Beim Kauf von Matcha auf das Bio- oder Ökosiegel achten, um kein „gestrecktes“ Teepulver zu erwischen – eine verlässliche Kennzeichnung gibt es allerdings nicht. Und wenn ich überlege, ob ich nun tatsächlich „echten Matcha“ gekauft habe… tja…ich sag’s mal so:  Ich habe für 100g Teepulver 10€ bezahlt. Beim nächsten Mal tut’s wieder ein richtig guter Kräutertee vom Kräuterladen meines Vertrauens. Und der schmeckt sogar mir, obwohl ich gar kein leidenschaftlicher Teetrinker bin…;)

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