Rahua: Ich kann zaubern und Hypes in Flops verwandeln.

Natürliche Haarpflege liegt im Trend und wer zugibt, dass er noch Silikon an seine Haare lässt, könnte ebenso gut gestehen, dass er zum Frühstück ein halbes Schwein frisst. Roh. Nun, ich lasse gelegentlich in kleiner Dosis Silikon an meine Haare, weil ich sie sonst nicht handlen kann. Und ja, ich habe es wirklich ohne versucht und einen desaströsen Ausflug durchs haarige Reich der Naturkosmetik hinter mir. Übrigens inklusive einer Naturhaarfärbung und ich sage mit einer für mich völlig untypischen Konsequenz: nie wieder lasse ich so ein Zeug an meine Haare. Nie wieder. Die restlichen Pflegeprodukte verschiedenster Preisklassen waren bei meinen(!) Haaren auch für die Tonne, während andere voll des Lobes sind. So ist das halt: Es lässt sich einfach nichts verallgemeinern – nicht mal die Wirkung eines Shampoos.

Erschwerend kommt hinzu, dass meine Haare mit zunehmendem Alter ein Eigenleben entwickeln. Störrisch und biestig wie ihre Besitzerin waren sie schon immer. Seit einem Jahr entwickeln sich die Biester allerdings zunehmend in Richtung Naturwellen und damit geht einher, dass sie immer trockener werden, wie das naturwelliges und lockiges Haar nun mal so an sich hat. Und nun komme ich nicht mehr damit klar. Weil das, was ich von einem Haar erwarte (Glanz! Sprungkraft) nicht mit dem übereinstimmt, was ich habe: krisselndes, widerborstiges Stroh, das sich nur mit Samthandschuhen verwandeln lässt. Da käme mir so ein Zauberöl aus dem Urwald gerade recht…

Rahua – Zauberöl aus dem Urwald

Mich überfällt ja alle Jahre vor meinem Geburstag der Flitz, mir beautytechnisch mal „was richtig Teures zu gönnen“. So auch in diesem Jahr. Und natürlich werde ich da hellhörig, wenn ein neues Wunderding aus dem Haarpflegebereich gehypt wird, zumal das Zeug aus dem Urwald ja auch nur Vorteile zu haben scheint:

 

  • Es ist ein zertifiziertes Naturprodukt, frei von chemischen Zusatzstoffen (Sulfaten, Silikonen, Parabenen, Farbstoffen oder Mineralöl) und dazu 100% vegan und tierversuchsfrei. Sogar Codecheck mag es.
  • Bei diesem in den Produkten verwendeten Öl soll es sich um ein sehr reichhaltiges und pflegendes Pflanzenöl handeln, das von den Frauen des Qechua-Shuar-Stammes umweltverträglich per Hand gewonnen wird.
  • Im Gegensatz zu anderen pflegenden Ölen soll die molekulare Struktur dieses Öls so winzig sein, dass die Pflegestoffe in die Haarfaser eindringen und das Haar von innen her aufbauen und die Struktur von außen glätten.

Konnte es mir natürlich nicht verkneifen, mal zu schauen, ob es diese geheimnisvollen Frauen des Qechua-Shuar-Stammes tatsächlich gibt, oder ob es sich mit ihnen so wie mit der Piemont-Kirsche verhält. Aber nein, der Stamm der diese Frauen mit den prachtvollen Haaren hervorbringt, existiert tatsächlich.Was ich hingegen kaum finde, sind handfeste Infos (keine Lobhuddeleien) über dieses legendäre Ungurahua-Öl, das aus den Früchten dieser Palmengattung gewonnen wird und die wundersame Zutat dieser relativ hochpreisigen Haarpflegeserie ist. Hm. Auf der  Website von amazingy die diese Produkte auch vertreiben, heißt es beispielsweise lediglich:

 

Seit Jahrhunderten begeben sich Frauen aus dem Quechua-Shuar-Stamm tief in den Amazonas-Regenwald, um ein hochwirksames, stärkendes Öl zu erzeugen, welches sie Rahua (ausgesprochen: Ra-wa) nennen – im Glauben, dass dieses das Geheimnis ihres dicken, fließenden, glänzenden Haares sei. In den Neunzigern teilten diese Frauen die Rahua-Macht mit dem rennomierten New Yorker Stylisten und Coloristen Fabian Lliguin, einem gebürtigen Ecuadorianer der Quechua-Abstammung.

Und ein Tropfen dieses Serums stellte angeblich alle bisher dagewesenen Haarpflegeprodukte in den Schatten und die fleißigen Frauen ernten umweltverträglich so viel von dem Zeug, dass es für eine Batterie an Pflegeprodukten reicht, die in die ganze Welt verschifft werden. Hm. Nun ja. Ich möchte Rahua wirklich nicht vom Thron stoßen, weil es eben ein schönes Naturprodukt zu sein scheint, weil die begeisterten Stimmen im Netz in der Überzahl sind und weil die Geschichte, die sich um die Produkte rankt, ja auch wunderschön ist. Aber möglicherweise sind diese prächtigen Haare der Indiofrauen einfach auch eine Sache der Gene? Was diese Prachthaare außerdem auszeichnet ist die Tatsache, dass sie chemisch nicht behandelt sind und die Damen da im Amazonasdschungel wohl auch nicht ständig mit dem Fön oder einem Glätteisen hantieren – denn es tut den Haaren nun mal nicht gut, wenn sie ständig bei 185 Grad gebügelt werden, schnurzpiepegal, was der Hersteller der Bügeleisen verspricht. Aber gut, ich bin ein bisschen spitzfindig heute. Und vergnatzt außerdem, weil dieses Öl-Wunder bei mir ausblieb. 😉

 

Flipflapflop: Mein Rahua-Test. Oder: Ich hasse das.

Bei der Lieferung war ich noch begeistert ob der schönen Verpackung seitens des Onlineshops. Und dann klappte mir erstmal die Kinnlade runter. Weil die Shampooflasche leider sehr billig plastikmäßig daherkommt und das irritiert mich bei einem Shampoo, für das ich 32€ hingeblättert habe. Das Finishing-Treatment für 45€ möchte ich dann nach dem Auspacken direkt zurückschicken, weil es eine Mogelpackung ist. Große Packung, kleines Döschen. Ich hasse sowas. Und ja, ich habe so dermaßen viel Geld für Haarpflegezeugs hingeblättert und es ist mir ein bisschen peinlich, das zuzugeben. Aber Himmelherrgottnochmal… ich werde bald 44 Jahre, meine Haare nerven mich gerade und ich habe die Krise und seidige Rotlöckchen hätten da massiv stimmungsaufhellend gewirkt.

 


Und dann kam die erste Haarwäsche:

  • Und ich bin schlagartig ernüchtert, weil mir schwant, dass ich richtig viel Geld für etwas rausgehauen habe, was bei meinen Haaren nicht funktioniert.
  • Die Konsistenz des Shampoos ist mir zu wässrig und rinnt mir buchstäblich durch die Hände. Ich hasse das. So eine Konsistenz geht gar nicht. Nicht bei mir.
  • Auch kann ich diesen wunderbaren Wascheffekt und das Gefühl „quietschsauberer Haare“ nicht bestätigen. Gar nicht. Und dabei habe ich sie am Vortag gewaschen und bin vorher nicht Kopf voran durch einen Stollen gekrochen. Ohne Helm. Vielleicht sind meine Haare einfach zu dick? Fakt ist, dass ich drei Waschdurchgänge am Stück brauche, ehe mir  Kopfhaut und Haare signalisieren: Alles klar, das fühlt sich sauber an. Somit ist es natürlich auch Essig mit der oft erwähnten Ergiebigkeit, denn die ist bei meinem Waschverhalten nicht mehr gegeben. Und das hasse ich wirklich, denn dafür ist das Zeug viel zu teuer.

 

Lasse die Haare anschließend lufttrocknen, da der Fön sie unnötig aufplustert (explodiertes Sofakissen) und den Super-Rahua-Effekt vielleicht verfälschen würde. Gebe aber einen kleinen Klecks des Finishing-Treatments ins Haar, das wie eine Leave-in-Kur wirken soll, und befasse mich anschließend mit den INCIs.

Ein Blick auf die INCIs und der Zauber verfliegt…

 

Bei einer Haarkur für 45€ hätte ich erwartet, dass der namensgebende Wirkstoff ein bisschen weiter vorne aufgeführt wird. Denn wir erinnern uns: Je weiter vorne ein Inhaltsstoff zu finden ist, desto mehr davon steckt im Produkt. Stattdessen führen Aloe Vera, Grüner Tee und als erstes Öl ausgerechnet Rapsöl die INCIs an. Und dem Ungurahua Öl an 7.Stelle folgen dann gleich Jojoba- und Sonnenblumenkernöl. Mal ehrlich… das kann ich mir dann auch günstiger zusammenmixen. Beim Shampoo sieht’s INCI-technisch auch nicht schöner aus. [vollständige INCI-Auflistung und Bild am Textende, weil die Angaben nicht mit dem identisch sind, was ich bei Codecheck gefunden habe. ]

Gewaschen und getrocknet – und nun?

 

Wenn ich all den Lobpreisungen glauben darf, müsste ich hinterher superglänzendes und relativ Frizz-freies Haar haben. Und was ist? Ich habe Stroh – und das auch noch mit Frizz. Die Haare fühlen sich darüber hinaus auch überhaupt nicht gut an. Weder gepflegt noch griffig, sondern einfach bäh. Kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, wann meine Haare nach der normalen Beautyroutine mit Shampoo und Leave-in-Kur zum letzten Mal so dermaßen ungepflegt und stumpf aussahen und sich auch so anfühlten.

Mittlerweile habe ich es ja eigentlich auf einen Haarwaschrhythmus von 2-3 Tagen (eher 2) geschafft, aber diese Haare sehen am nächsten Tag so strähnig und oll aus, dass das Nichtwaschen keine Option ist. Aber vielleicht wirkt das Zeug ja auch erst nach 2-3 Anwendungen? Also am nächsten Tag die Haare erneut gewaschen, nach Vorschrift mit dem Finishing-Treatment behandelt und gestylt wie üblich. Und: die gleiche Katastrophe. Das blieb dann auch bis zur vierten Anwendung so und jetzt mag ich nicht mehr. Ich schicke das Zeug zurück, denn das ist glücklicherweise möglich – allerdings wird mir wohl nicht der volle Kaufpreis zurückerstattet werden. Von der Retoure angebrochener Kosmetika habe ich bisher erst einmal Gebrauch gemacht und das war bei Paula’s Choice. Das Zeug wird im Netz so gelobt – aber meine Haut mag es gar nicht.

 

Fazit nach insgesamt vier Anwendungen und ein Ausflug ins Reich der Haaröle

Liebe Rahua-Junkies, werdet glücklich mit diesem Wundermittel – ich beneide euch, dass ihr euren Heiligen Gral offenbar gefunden habt. Für meine Haare ist das nichts. Gibt es also weiterhin einen Shampoomix nach Lust und Notwendigkeit – ja, gelegentlich auch mit Silikon. Oder ein Haaröl von Yves Rocher (übrigens das einzige Produkt, das ich von dort beziehe), das ebenfalls ohne Silikone, Farbstoffe und Parabene auskommt und von Codecheck fast anstandslos durchgewunken wird. Ganz im Gegensatz zu diesem überhypten Moroccan Oil, das erstmal Silikone  und dann Öl enthält. Auszug aus den INCIs: 1.Cyclomethicone, 2. Dimethicone und an 3. Stelle Arganöl.

Interessante Notiz am Rande: Hier las ich (in herzerfrischender Übersetzung), dass das Unguruha-Öl vom Aufbau der Fettsäuren her dem Olivenöl ähnelt. Das behalte ich mal im Hinterkopf. Und vielleicht gibt’s bald Traubenkernöl fürs Gesicht und Olivenöl für die Haare. 😉

Tja… schade, schade, schade. Ich hätte das Zeug wirklich gerne gehypt. Und dann einen nicht als solchen gekennzeichneten Affilate-Link hier reingesetzt und mir die Hände gerieben. Aber dieses elende Haarewaschen mit silikonhaltigem Zeugs ist mir offenbar aufs Hirn geschlagen. So gibt’s von mir leider keine Kaufempfehlung und damit stehe ich wohl ziemlich allein auf weiter Flur… 😉

 

 

Anmerkung: Es handelt sich hierbei nicht um einen Sponsored Post. Erwähnen möchte ich allerdings, dass ich die Sachen (s. Verpackung auf dem Bild) bei Niche-Beauty bestellt habe und die einem innerhalb von 14 Tagen tatsächlich die Möglichkeit geben, die Produkte selbst dann zurückzuschicken, wenn sie angebrochen sind. Finde ich einen so phantastischen Service, dass ich das einfach erwähnen muss. Und ich werde das testen (müssen) und dann hier ein Update reinsetzen.

Rahua Finishing Treatment INCIs: Aqua, Herbal Infusion of Aloe Bardensis Leaf Extract*, Camellia Sinensis (Green Tea) Leaf Extract*, Rosmarinus Officinalis (Rosemary) Leaf Extract*, Robus Idaeus (Raspberry) Leaf Extract*, Canola Oil, Oenocarpus Bataua (Rahua, Ungurahua) Oil, Simmondsia Chinensis (Jojoba) Seed Oil, Behentrimonium Methosulfate (Colza oil),  Glyceryl Stearate, Oryza Sativa (Rice) Bran Wax, Glycerin, Butyrospermum Parkii (Shea Butter), Stearalkonium Chloride (plant derived), Saccharum Officinarum (Molasses) Extract, Panthenol, Potassium Sorbate (plant derived), Hydrolyzed Quinoa, Tocopherol (Vitamin E), Bursera Graveolens (Palo Santo) Oil, Citric Acid.

 

Rahua Shampo INCIs: Aqua, Herbal Infusion of Aloe Barbadensis leaf Extract*, Camellia Sinensis (Green Tea) Leaf Extract*, Rosmarinus Officinalis (Rosemary) Leaf Extract*, Robus Idaeus (Raspberry) Leaf Extract*, Coco Betaine, Glycerin, Sodium Chloride (Sea Salt), Saccharum Officinarum (Molasses) Extract, Glycine, Oenocarpus Bataua (Rahua, Ungurahua) Oil, Bursera Graveolens (Palo Santo) Oil, Hydrolyzed Quinoa,Panthenol, Potassium Sorbate (plant derived),Tocopherol (Vitamin E), Citric Acid

 

[Beitragsbild: erstellt mit Canva u. privat]

53 Kommentare zu „Rahua: Ich kann zaubern und Hypes in Flops verwandeln.

  1. Oh nee. Böse wäre, das blöde Zeug zu loben und euch dieses Shampoo vorzuenthalten. ;D Meine Shampoolieferung kommt am Dienstag. ;))

    Lieben Gruß!;)

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