Leben| Superwoman 2.0

Es ist schon eine Weile her, aber vielleicht erinnert ihr euch noch an die Laienmodels, die damals mit großem Tamtam in der Brigitte eingeführt wurden? Damit wollte man den Leserinnen einen Gefallen zu tun. Der nächste Gefallen, den man den Leserinnen tat, war der, die Models wieder rauszuwerfen, weil die Leserinnen plötzlich doch lieber echte Models sehen wollten. Wie man’s macht, ist es verkehrt. Und obwohl wir alle wissen, dass Vergleiche der Anfang vom Untergang sind, können wir’s offensichtlich doch nicht lassen und ich gestehe, dass es mich manchmal auch überkommt.

Vergleiche – der Anfang vom Untergang…

Als bisweilen recht komplexbeladenes Wesen habe ich mit diesen ätherischen Modelwesen kein Problem, weil es mir unnetterweise gelingt, sie auf das zu reduzieren, was sie in diesem Falle sind: Mittel zum Zweck. Nämlich: Kleiderständer mit nichts auf den Knochen, was von der käuflich zu erwerbenden Couture ablenken könnte. Mit den „realen Frauen“ verhält es sich allerdings anders, zumal die „Models von nebenan“ gar nicht so laienhaft aussahen. Und darüber hinaus wurden die Frauen von einem Heer von Stylisten getunt und nett in ein Bild gesetzt, das hinterher auch noch optimiert wurde. Da ist nichts mehr normal. Ist aber auch gut so, denn wenn ich eine Zeitschrift kaufe, möchte ich darin keine Bilder sehen, die aus Omas Familienalbum stammen könnten. Wo bleibt da die Inspiration?

Vergleiche ich auch? Klare Antwort: jein.

Potenziell problematisch war allerdings, dass die fürs Shooting getunten Ladys bezüglich Job & Lifestyle auch nicht so normal waren. Und genau damit kam die Leserin nicht klar – so damals das Feedback der „echt“ normalen Frauen. Wobei sich solche Wunderwesen ja nicht nur in Zeitschriften tummeln, sondern zunehmend auch in diversen Blogs und Onlinemagazinen. Alleine Instagram ist voll davon. In Ermangelung anderer weltbewegender Dinge, über die nachzudenken ich gewillt bin, frage ich mich da natürlich ebenfalls, ob ich auch so eine bin. Eine von diesen normalen Frauen, die sich von diesen „Superfrauen“ unter Druck setzen lässt? Und die ehrliche Antwort lautet: jein. Das hängt von der Tagesform an. Und davon, ob ich gerade ein interessantes Projekt in der Pipeline habe oder nicht. An meinen schlechten Tagen nerven mich diese Superladys, weil sie mich mit unausgesprochenen Vorwürfen bombardieren. ‚Warum hast du nicht mehr aus deinem Leben gemacht?‚oder ‚Warum vergleichst du dich überhaupt mit anderen?! Was deine Persönlichkeitsentwicklung angeht, stehst du doch wirklich noch in der Tiefgarage…‘

 

Selbstverständlich käme ich niemals auf die Idee, mich mit einem 16-jährigen Model aus Sibirien zu vergleichen. Warum auch? Ich bin doch nicht geistesgestört! Aber diese „echten Superfrauen“, die nicht nur modelig aussehen, sondern ihr Leben perfekt im Griff haben und mit einem sagenhaften Lebenslauf aufwarten, ja, die lösen in mir tatsächlich manchmal den Impuls aus, Schokolade und Chips essend auf der Couch zu überwintern – sogar im Sommer.

Superwoman 2.0 – aber immer mit Heels und Designertäschchen

Wenn es mir gelingt, lenke ich meine Gedanken selbstverständlich um. Aber nicht in eine sinnvolle Richtung. Stattdessen frage ich  mich, so diese Superfrauen plötzlich alle herkommen und seit wann die in Rudeln rumlaufen. Es mag eine Sophia (25) geben, die BWL und Architektur studiert hat, alleinerziehende Mutter von Zwillingen (4) ist und die in ihrer Freizeit Ballett- und Yogaunterricht nimmt, die Kinder zu diversen Förderungsmaßnahmen [Chinesisch, Klarinette, Ballett, Namenssynchrontanz] chauffiert, nebenbei gerade ihren eigenen Online-Shop für Wohnaccessoires und Designmöbel aufzieht, dazu zwecks Warenbeschaffung durch die ganze Welt jettet und sich nebenbei für die Rettung eines seltenen ostindischen Regebogenkäfers engagiert und (!) … die zufällig auch noch aussieht wie Grace Kelly oder Audry Hepburn in Frühstück bei Tiffany.

Davon mag es, wie gesagt, eine geben –  vielleicht auch zwei oder drei(zehn). Aber doch nicht so viele, dass man ein monatlich erscheinendes Magazin damit füllen kann. Oder das ganze Internet! Gut, derartige Gedanken sind nicht zielführend und vergleichen ist böse und schwachsinnig obendrein – aber menschlich. Also habe ich mein persönliches Notfallprogramm entwickelt, für den Fall, dass mich die Vergleicheritis doch mal erwischt. Denn das tut sie hin und wieder.

 

Was tun, wenn einen die Vergleicheritis doch mal überkommt?

  • Sich aufs eigene Leben konzentrieren und einfach mal 2-3 Sachen aufzuzählen, für die ihr so richtig dankbar seid. Das ändert die Perspektive und Dankbarkeit kann man gar nicht genug wertschätzen! Es ist auch sehr schwer, missgünstig und neidisch und dankbar zugleich zu sein. Ich habe das ausprobiert und es ist mir nicht gelungen.  😉
  • Sich fragen, worum es tatsächlich geht. Neid ist nicht wirklich erstrebenswert – auch wenn er manchmal als „wertvoller Antriebsmotor“ bezeichnet wird. Und von Minderwertigkeitskomplexen müssen wir gar nicht erst reden. Aber wenn uns beides doch mal überkommt, lässt sich vielleicht wenigstens ein Nutzen daraus ziehen. Was ist der Auslöser für die fiese Missstimmung? Aussehen, Lifestyle oder der zauberhafte Familienhund, der aufs Wort gehorcht? Was auch immer es ist: Es kann ein wertvoller Hinweis auf eigene Baustellen im Leben sein. Kann. Muss aber nicht. Hilft allerdings sehr, das herauszufinden. 😉
  • Habt ihr den Knackpunkt rausgefunden? Dann geht noch mal in euch und fragt euch, ob ihr das wirklich haben wollt – mit allen Konsequenzen. Ja, J.K.Rowling ist richtig erfolgreich und stinkreich, aber dafür kann sie auch nicht mehr unerkannt auf die Straße gehen. Und Jennifer Aniston oder andere Promis haben eine Traumfigur – aber da stecken meist ein knallharter Trainingsplan und ein nicht minder hartes Ernährungskonzept hinter.
  • Hilft alles nichts? Dann wendet euch dem zu, was euch inspiriert und aufbaut. Shit happens und manche Menschen erwischen uns eben in einer ungünstigen Stimmung oder auf dem falschen Fuß und schubsen uns aus der Spur. Kann passieren. Aber es ist unnötig, selbstmitleidig in dem Gefühl zu baden. Zieht euch die Laufschuhe an oder schnappt euch den Lieblingsroman oder den allerliebsten Lieblingsfilm, denn das produziert erwiesenermaßen gute Laune [Belletristik ist böse und Fernsehen macht blöde? Denkste…] und lenkt ab. Und wenn euch regelmäßig beim Aufploppen der von euch favorisierten Blogs, Instagram-Accounts oder Zeitschriften so eine miese Stimmung überfällt, dann ist es vielleicht ratsam, die Abos mal auf Herz und Nieren zu überprüfen und gegebenenfalls auszumisten: Die, die nicht gut für euch sind, fliegen raus.

 

Und sonst gilt: Abwarten und Tee trinken. Das ist nur eine Phase und die geht normalweise auch schnell wieder vorbei. Außerdem sind wir doch eh alle Superfrauen- manche von uns stecken halt nur ein bisschen länger in der Ausbildung. 😉

 

Tasse2.jpg

Da ist kein Tee drin, sondern Kaffee. Aus dieser Tasse trinke ich nämlich grundsätzlich nur Kaffee und nie Tee. Aber das Bild passt gerade so schön hierher. Ein wenig arg hell nachgefiltert ist das Foto auch. Das muss so sein. Das ist Kunst und symbolisiert außerdem, dass ich gelegentlich auch sehr lichte Momente habe.  😉

 

[Beitragsbild: erstellt mit Canva u. privat]

2 Kommentare zu „Leben| Superwoman 2.0

Kommentare machen das Bloggen bunter und ich freue mich, wenn ich hier keine Selbstgespräche führen muss. ;)

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