Gelesen| Paris in Style

Obwohl ja oft und gerne über den Stil „der“ Pariserinnen geredet und gerätselt oder von ihm geschwärmt wird, gibt es doch erstaunlich wenig Ratgeber, die sich mit dem Thema befassen. Oder habe ich da nur noch nie richtig hingeschaut? Bislang fiel mir lediglich der „Pariser Chic“ von Ines de la Fressange in die Hände. „How to be Parisian“ ist zwar sehr französich, aber eben kein Fashionguide. Natürlich musste ich da nicht lange überlegen, ob ich mir „Paris in Style – Der persönliche Fashionguide“ zulege. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber der französische Look – wobei mir schon klar ist, dass sich diese Verallgemeinerung eigentlich verbietet! – fasziniert mich. Das hebt sich für mich halt schon deutlich vom bemühten Perfect-Style der Amerikanerinnen ab. Oder dem Sophisticated-Look der Italienerinnen und dem… ähm… was für einen Stil haben die deutschen Frauen eigentlich? Bin da aber zugegebenermaßen auch nicht ganz objektiv, weil man mich, wie bereits erwähnt, mit nahezu allem ködern kann, was mit einer Kombination aus „Paris“ und „Style“ beworben wird.

Aber zurück zum Fashionguide…

Der wurde von Isabelle Thomas und Frédérique Veysset geschrieben. Thomas, ehemals Modejournalistin und –redakteurin arbeitet heute als Personal Stylist und Veysset ist Modefotografin, woraus folgt, dass da zwei Profis am Werk sind und man einiges vom Buch erwarten darf. Der Fashionguide hat 192 Seiten und gliedert sich in folgende Kapitel:

  • Einleitung: Was ist das Besondere des French Style?
  • Finden Sie Ihren Stil
  • Muss man jeder Mode folgen? Oder muss die Mode uns folgen?
  • Was man uns Frauen weismachen will – Klischees, denen man noch immer Glauben schenkt
  • À la vie à la mode – Freunde, auf die man zählen kann
  • So ändern Sie Ihre Silhouette – Details, die Ihr Aussehen aufpeppen
  • Günstig und gut gestylt – Verleihen Sie Klamotten von der Stange das gewisse Etwas
  • Eine Geschmacksfrage – Manches hat einen schlechten Ruf und doch…
  • Eine Jeans für jeden Tag – Von Montag bis Sonntag gut gekleidet
  • Die Tasche fürs Leben – der man auch mal untreu sein kann
  • Das kleine Schwarze – Sein guter Ruf eilt ihm voraus
  • Willkommen im Land der Bourgeoisie – Die Garderobe der französischen Oberschicht
  • Im Kleiderschrank der Anderen – Was sich Brauchbares in fremden Kleiderschränken finden lässt
  • Schick aus zweiter Hand – Zweite Hand und Vintage-Look
  • Kann ich das noch tragen? Altersbeschränkungen
  • Anhang: Die besten Adressen in Paris (Shopping, Restaurants)

 

Zum Inhalt: Der Fashionguide beschäftigt sich nicht nur mit den Kleidungs-Basics [Woher kommen sie, worauf achten beim Kauf, wie kombinieren und wie pflegen…], sondern liefert auch handfeste Tipps und so erfährt frau zuerst, wie sie ihren Kleiderschrank vernünftig ausmistet. [Anmerkung: Bei mir erfahrt ihr das auch: >>Kleiderschrank-Zen<< ] Anschließend wird sie dazu ermutigt, ruhig mal einige Stilexperimente zu wagen und neue Wege zu gehen – aber bitte spielerisch und vor allem mit Spaß, denn genau darum geht es: Mode soll Spaß machen! Und genau das kann man bei diesem Überangebot an Trends, Labels, Massenware und überperfekten, von Stylisten ausstaffierten und mit Photoshop getunten Stilvorbildern leicht vergessen. Zumindest mir geht das derzeit so.

Reden wir über Styling-Klischees…

 

Sehr interessant finde ich den Part, der sich mit Styling-Klischees befasst, etwa: ‚Leopardenmuster ist vulgär‘ oder ‚Absatzschuhe sind sexy‘ und natürlich die „Geschmacksfrage“, die sich u.a. Leggins, Tierprints, Slim- und Dreiviertelhosen oder langen Röcken widmet. Für beide Kategorien, also Klischee und Geschmacksfrage gilt: Es kommt immer darauf an, wie frau es macht. Selbst No-Gos können tragbar sein, während das vermeintlich sichere Teil durchaus auch mal nach hinten losgehen kann. Ist nun nicht wirklich überraschend, kann man aber wohl nicht oft genug wiederholen, da ich immer wieder lese: „Aber die InStyle sagt, dass man das in dieser Saison nicht trägt.“

 

Wie bitte? Auch hier gibt’s tatsächlich verbotene Kleidungsstücke…

 

Dazu gehören u.a.: UGG Boots, Converse (bei allen, die nicht mehr 25 sind), T-Shirts mit Aufdruck und Basecaps, Motivstrumpfhosen, sowie Samtzopfgummis und Plastikklemmen für die Haare, die das heimische Badezimmer verlassen. Hm… von Ge- und Verboten kann frau nun halten, was sie will, nicht wahr? Ich sage dazu nur, dass es immer irgendjemanden gibt, an dem ein No-Go wirklich klasse aussieht. Beispiele gefällig? Hier eine kleine Auswahl: Ü25 und Chucks, Overkness mit Stil und noch einmal, weil’s so schön ist und  Motto-Shirts. Das als Beweis, dass ein No-Go auch ein klares Do sein kann. Für UGGs, Motivstrumpfhosen oder Samtzopfgummis (sind mittlerweile ausgestorben, oder?) sucht ihr bitte selbst nach Rehabilitationsbildchen, da steige ich ebenso aus wie bei Lack und Latex im Alltag – aber das sind eben persönliche Vorlieben und Abneigungen und nix, woraus man ein No-Go stricken kann.

Eine gute Nachricht für alle, die ihren Look mal rasch eine französische Note verleihen wollen: Am Morgen haben wir alle diese Nonchalance und das gewisse Etwas, sagen zumindest Thomas und Veysset . [Anmerkung der Autorin: Da haben sie mich aber noch nicht gesehen…]. Wahrscheinlich reden die beiden da von dem besonderen Merkmal dieses Styles: den wie ‚ungekämmt wirkenden Haaren‘.  Ob die allerdings tatsächlich ungekämmt sind oder da nur wieder der stundelang dauernde Undone-Look hintersteckt? Na man wird ja wohl noch träumen dürfen…

Interviews…

Wirklich aufschlussreich und interessant finde ich die insgesamt 15 Interviews mit Stylisten, Designern, Fashionistas, Modeexperten oder Fotografen, die den Abschluss eines jeden Kapitels bilden – und das will was heißen, weil ich mich normalerweise nicht so sehr für Interviews mit Menschen interessiere, die mir kein Begriff sind. In diesem Fall gehören die Interviews jedoch zu den Highlights des Buches, weil man so einfach besser erfährt, wie die modebewussten Französinnen ticken. Und das gewisse Etwas beginnt nun mal zuerst im Kopf. Sehr gut gefällt mir beispielsweise, wie Schmuckdesignerin Adeline Cacheux Stil definiert:

 „Eine Person mit Stil ist jemand, der dadurch auffällt, dass er nicht der Mode folgt, sondern seine persönliche Note besitzt, die ihn von der Masse abhebt.“

 

Nobody’s perfect und natürlich auch dieses Buch nicht.

 

Mal abgesehen von den „Dont’s“ nerven mich kleine Unstimmigkeiten im Buch. Beispielsweise: Wenn es auf einer Seite als No-Go gilt, offene Schuhe wie Sandaletten oder Peeptoes nicht passgenau zu wählen, so dass die Zehen weit herausragen oder sich quasi an den Schuh krallen. Und dann einige Seiten weiter eine Französin abgebildet ist, die eindrucksvoll zeigt, warum das ein No-Go ist. Vielleicht war das aber auch so gewollt – lerne aus Fehlern. Auch ‚ausgelatschte‘ Tipps wie den, dass „Sie“ sich Klamotten aus seinem Kleiderschrank mopsen soll, mag ich nicht mehr hören – könnte allerdings auch daran liegen, dass der Mann in meinem Fall so groß und kräftig ist, dass ich in seine Klamotten zweimal reinpasse, mir also gleich ein Zelt umhängen könnte.

Das mit den Fotos im Buch ist auch so eine Sache: Ja, es gibt Fotos. Viele und tolle Fotos, die sich auch in einem Modemagazin wunderbar machen würden. Die abgelichteten Frauen (Designerinnen, Fashionistas, Künstlerinnen,„normale“ Frauen) sehen allerdings durch die Bank weg sehr ‚modelig‘ aus. Daraus folgt natürlich, dass sie selbst in den teilweise sehr speziellen Looks hervorragend aussehen, während jede nicht-modelige Frau, die so aus dem Haus gehen würde, mühelos ein Engagement als Zirkusclown bekäme. Hm… ist das vielleicht schon wieder dieses spezielle Französinnen-Ding?! Verflixt, ich weiß es immer noch nicht. Und da hatte ich für den Bruchteil einer Sekunde das Gefühl, dem Stil der Französinnen schon ein wenige nähergekommen zu sein… 😉

Fazit: Trotz kleiner Kritikpunkte sehr lesenswert – auch für die, die es nicht explizit auf den Pariser Style abgesehen haben. Vom Informationsgehalt her finde ich ‚Paris in Style‘ ergiebiger als das Pendant von Ines de la Fressange, was natürlich auch daran liegt, das sich der Fashionguide nicht nur aufs erste Buchviertel beschränkt, sondern von der ersten bis zur letzten Seite hält, was er verspricht.

Natürlich erfindet dieses Buch das Rad nicht neu und wer bereits jahrelangen Frauenzeitschriftenkonsum hinter sich hat, erfährt jetzt auch nichts, was er nicht vorher schon gewusst hat. Dennoch ist ‚Paris in Style‘ für mich eine wunderbare Inspirationsquelle mit tollen Fotos und definitiv ein Buch, das Lust macht, sich auch mal wieder mit dem eigenen Stil auseinanderzusetzen, denn der kann ja von Zeit zu Zeit ein Update vertragen und jetzt habe ich gerade so richtig Lust darauf. 😉

[Beitragsbild: erstellt mit Canva u. privat]

2 Kommentare zu „Gelesen| Paris in Style

Kommentare machen das Bloggen bunter und ich freue mich, wenn ich hier keine Selbstgespräche führen muss. ;)

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