Gelesen| Warum Französinnen länger jung aussehen…

Ich gehöre rätselhafterweise zu denen, die sich  mit beinahe allem ködern lassen, was unter „die Französinnen“ vermarktet wird. Und so ist es nicht verwunderlich, dass ich  – neben einer kitschigen Eiffelturm-Tasse und einer grauenhaften Paris-Smartphonehülle auch das Buch „Warum französische Frauen nicht dick werden: Das Geheimnis genussvollen Essens“ mein Eigen nenne. Ihr wisst schon, das Buch, in dem sich sehr viel um Lauch dreht. Der gemeine Lauch ist nämlich der Grund, warum französische Frauen ihre Idealfigur halten. Frau Guiliano stellt in ihrem Buch gewissermaßen die Lauch-Trennkost vor. Weil sich „die Französinnen“ [ich liebe diese Verallgemeinerungen, ihr nicht auch?] nämlich erst ein Lauchsüppchen köcheln, dann aber den Lauch rausfiltern und mehrmals täglich nur die Brühe trinken. Den kalten Lauch gibt’s dann zum Abendessen. Mit Essig oder Zitronensaft beträufelt. Und wer es richtig krachen lassen möchte, gibt ein halbes Tröpfchen Olivenöl dazu.

Gebe zu, dass diese Lauch-Trennkost in einem Buch über genussvolles Essen ein Warnsignal hätte sein können, welches weniger frankophil veranlagte Menschen wohl eher zu den Büchern anderer Autoren greifen ließe. Mich aber nicht, weil ich zwar nicht sagen würde, dass Guilianos Lauchsuppen-Buch nun zu denen gehört, welche frau unbedingt gelesen haben muss, aber wenn einem der Sinn nach leichter, französisch angehauchter Lektüre steht, dann ist das durchaus ein netter Zeitvertreib. Klar also, dass ich ich mir auch das neue Werk von Frau Guiliano namens „Warum französische Frauen jünger aussehen: Attraktiv in jedem Alter“ schnappen musste. Ich weiß nicht so genau, was ich von dem Buch erwartet hatte. Der Heilige Gral würde mir sicher nicht entgegenhüpfen, aber zumindest ein paar vergnügliche Lesemomente sollten drin sein und idealerweise auch ein paar Erkenntnisse, die ich vorher noch nicht hatte.

Das Buch beginnt mit einem großartigen Zitat der unnachahmlichen Coco Chanel…

Nach vierzig ist niemand mehr jung, aber man kann in jedem Alter unwiderstehlich sein.

Coco Chanel (1883 – 1971)

Dem folgt die Ouvertüre…

 

… die sich mit der richtigen Haltung für die zweite Lebenshälfte beschäftigt. Es ist gut, so heißt es, einen Plan zu haben, eine Strategie, die auf Selbsterkenntnis, gesundem Menschenverstand und Lebenslust basiert und hierzu ist es sinnvoller, den Lack von innen nach außen aufzutragen. Auch der ewige Jugendwahn wird thematisiert – mit dem Verweis, dass der in Frankreich nicht so ausgeprägt ist wie anderenorts. Französinnen wissen auch mit 40 oder 50, dass sie attraktive und begehrenswerte Frauen sind und ebendies strahlen sie aus. Das klingt alles sehr interessant und in der Hoffnung, dass ein wenig des französischen Lebensgefühls auf  mich überspringen möge, widme ich mich den ersten Kapiteln… und schon fühle ich mich gar nicht französisch, sondern zickig und zickiger.

 

Es folgt nämlich eine Aneinanderreihung von Banalitäten…

 

… angesichts derer sich unweigerlich die Frage aufdrängt, ob vielleicht jemand ein „Best of“ diverser Frauenzeitschriftenartikel rausgebracht hat. Da lässt sich die Autorin im Kapitel „Wie man sich stilvoll und mit Haltung kleidet“ allen Ernstes ausführlich über den Schuhkauf aus. Merke: Immer beide Schuhe anprobieren und das nur nachmittags, weil die Füße da angeschwollen sind. Und natürlich weist sie ebenfalls darauf hin, dass frau ab einem gewissen Alter die von der Schwerkraft beeinträchtigen Körperpartien nicht mehr zur Schau stellen sollte, wenn sie über das nötige Stilgefühl verfügt. Ein guter Haarschnitt und typgerechtes Make-up sind ebenfalls unverzichtbar. Auch das Tragen von Highheels ist ab 60 keine gute Idee mehr, weil es aufgrund der zu erwartenden Stürze einfach zu riskant ist und unbequem ist es obendrein, sagt Madame. Anmerkung von mir: Unbequem ist es auch schon in jüngeren Jahren und die Stürze können einen durchaus ebenfalls früher heimsuchen. Mit 30 Und mit 40. Der Soundtrack meines Lebens wäre – zumindest in einigen Situationen, in denen ich hochhackig unterwegs bin – „I Believe I Can Fly“. Aber zurück zum Buch.

 

Im Kapitel „Ruhe und Entspannung“ lernen wir…

 

… dass frau mindestens 9 Stunden Schlaf benötigt. Und dass sie umso weniger isst, je mehr sie schläft. Eine wahrhaft revolutionäre Erkenntnis, die ich erstmal sacken lassen muss. Wir lernen außerdem, dass eine halbe Stunde Bewegung am Tag  für besseren Schlaf sorgt und dass Kräutertees entspannend wirken. Weiter erfahren wir, dass sich große Mahlzeiten vor dem Zubettgehen ungünstig auf den Schlaf auswirken und dass es kontraproduktiv ist, bis zur letzten Sekunde vor dem Computer oder einem spannenden Film zu sitzen. Kurz und gut: Sogar ich  mit meinem, von diversen Stürzen durchgerüttelten Hirn, erkenne, dass hier eine Oberflächlichkeit die nächste jagt und es wird nicht besser. Schlimmer noch: Wenn es wirklich mal spannend wird, beispielsweise bei der Psychoneuroimmunologie und der Art, wie unsere Gedanken Körper und Geist beeinflussen, dann hört Frau Guiliano plötzlich abrupt mit ihren Ausführungen auf und verliert sich in weiteren Banalitäten.

 

Und was fängt die Zielgruppe nun damit an?

 

Sehr wenig, vermute ich. Die von der Autorin anvisierte Leserin ist die Frau ab 40, schreibt sie. Dieses Buch ist also für Frauen im besten Alter geschrieben worden. Für Frauen, die sich – da sie ja zu einem derartigen Buch greifen – Gedanken über ihr Erscheinungsbild, ihre Ausstrahlung und ihre Gesundheit machen und für Frauen, die sich aufgrund ihres Alters höchstwahrscheinlich bereits ein wenig oder ein wenig mehr mit dieser Materie beschäftigt haben und die über eine Menge Lebenserfahrung verfügen. Und dann treffen diese Frauen auf dieses Buch… und verfügen hoffentlich über sehr viel Humor, weil sie sonst nämlich mindestens ein graues Haar bekommen. Oder Falten vom ungläubigen Zusammenkneifen der Augen, weil mir mit 42 echt niemand mehr erklären muss, dass ich am besten beide Schuhe anprobiere und nichts essen kann, wenn ich schlafe.

Mein Fazit: Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Buch auch so erschienen wäre, wenn es nicht auf den Französinnen-Zug hätte aufspringen können. Und das, was ich als zweifelsohne zur Zielgruppe gehörenden Frau, die die vorherigen 20 Lebensjahre nicht fernab jeglicher Zivilisation verbracht hat, aus diesem Buch mitnehme, ist sehr überschaubar. Aber immerhin weiß ich nun, dass die Französin in Würde altert, weil sie einfach eine positive Lebenseinstellung hat. Ein guter und sehr lobenswerter Ansatz – vor allem, wenn man sich nach der Lektüre fragt, warum, warum und WARUM zum Henker man schon wieder so ein Buch gekauft hat.

 

Gut, halten wir zusammenfassend nochmal fest, warum „die Französin „in Würde“altert. Weil:

  • Sie eine positive Lebenseinstellung hat.
  • Sie sich so annimmt, wie sie ist. Und keinem Wunschbild hinterherrennt.
  • Sie weiß, dass sie in jedem Alter attraktiv ist und das auch ausstrahlt.
  • Sie sich nicht mit unnützen Diätgeboten kasteit, sondern sich alles gönnt – das jedoch in Maßen.
  • Sie sich altersunabhängig pflegt und sich nicht gehen lässt.

Gut. Schreibt euch das bitte auf nen Bierdeckel und altert in Würde,

also eben dann,

wenn es soweit ist, das zu tun… 😉

 Mireille3.jpg

[Das Original kann ich leider nicht  mehr ablichten. Habe ich, >>wie hier beschrieben<<, bereits weiterverwertet habe, ehe ich an diesen Blogeintrag dachte.  ] 

P.S: Warum halte ich dieses Buch überhaupt für verbloggenswert, wenn es mir doch offenbar so wenig gefallen hat? Weil logischerweise nicht alles, was ich teste, ein Volltreffer ist und ich euch an dem, was für mich ein „Flop“ ist, ebenso teilhaben lassen möchte, wie an dem, woran ich richtig Spaß habe.  😉

P.P.S: Nebenbei bemerkt fehlt mir da noch was. Ich vermisse nämlich nicht nur gehaltvollen Inhalt und ein paar auflockernde Illustrationen, sondern auch Quellenangaben. Nun nicht für den Part des Schuhkaufs, aber beispielsweise für das Kapitel der Nahrungsergänzungsmittel. Der Hinweis darauf, dass in Studien dieses oder jenes festgestellt wurde, ist mir zu wenig, denn immerhin geht es hier um meine Gesundheit und da würde ich schon gerne wissen, woher die Autorin ihre Weisheiten bezieht. Was ich ebenfalls vermisse ist ein Stichwortverzeichnis. Und eine lesefreundliche Gestaltung, die sich beispielsweise in (farbig unterlegten) Schaukästen, Aufzählungen oder ähnlichem zeigt – also allem, was es ermöglicht, die relevanten Infos schnell und auf einen Blick ausfindig zu machen. Wobei… wirklich relevante Infos… na ja… siehe oben.

[Beitragsbild: erstellt mit Canva u. privat]

2 Kommentare zu „Gelesen| Warum Französinnen länger jung aussehen…

  1. Ich musste sehr über deinen Artikel schmunzeln! Deine Auflistung der festzuhaltenden Punkte ist letzlich alles, was im Buch steht. Ich finde, dass das Buch nicht mal zum Zeitvertreib geeignet ist. Ich habe zwar auch nicht viel erwartet und es auch nur gelesen, weil ich – wie du – alles in dieser Kategorie lese, aber das Buch war schon hart an der Grenze oder eigentlich schon drüber😉

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    1. Das beruhigt mich, dass ich mit meiner Abneigung gegen das Buch nicht alleine bin. 😉 Das ist einfach nur ärgerlich und reine Zeitverschwendung. Aber immerhin hat es für einen Post getaugt. 😛

      Lieben Gruß!

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