Gelesen| Maya Fiennes: Yoga for Real Life!

Ich bin ein Fan von äußerer und innerer Schönheit bin. Oder um es mal rustikaler zu formulieren: Was hilft eine mit Perlen bestickte Stuhlhusse aus edelstem Stoff, wenn der Stuhl darunter morsch ist? Mir nicht viel und darum möchte ich euch heute meine Mindstyle-Bibel „Yoga for Real Life – für jeden!“vorstellen, die mir gewissermaßen dabei hilft, mein Innenleben zu restaurieren. Betitelt habe ich es zwar als Review, aber aufgrund meiner definitiv nicht vorhandenen Objektivität ist es wohl doch eher eine Buchempfehlung. 😉 Ich selbst bin vor gut 5 Jahren auf Maya Fiennes gestoßen, als ich… na ja… nennen wir es mal „seelisch absolut aus dem Gleichgewicht geraten war“.

Zum Buch

Das Buch gliedert sich in die folgenden 7 Kapitel, die sich den jeweiligen Energiezentren (Chakren) des Körpers widmen, von denen es auch sieben gibt:

 

  • Sei ganz hier: jetzt!
  • Entgiften & Entstressen
  • Ja! Ich schaff das!
  • Liebe & Beziehungen
  • Jungendlichkeit bewahren
  • Kinder
  • Freunde finden

 

Die Namensgebung der Kapitel  zeigt schon, dass sich „Yoga for Real Life“ an alle Yogainteressierten richtet und nicht nur an die, die glühwürmchengleich erleuchtet sind, nach anderthalb Tassen Yogitee high werden und stundenlanges Verknoten im Lotussitz als die höchste Form des Glücks empfinden.

Gliederung der einzelnen Kapitel

I. Yogaübungen: Natürlich gibt es das nötige theoretische Wissen und eine Reihe ansprechend bebilderter Yogaübungen, die – so wie die 5 Tibeter – als komplette Übungsreihe absolviert werden können und die aufs jeweilige Kraftzentrum abgestimmt sind. Parallel dazu zeigt Maya allerdings auch verschiedene Notfallübungen und Atemtechniken, die separat angewandt werden können, wenn das Nervenkostüm eher einem zerschlissenen Kartoffelsack gleicht und die Gemütslage einem Dampfkochtopf ähnelt. Dieses Yogabuch bietet jedoch noch weitaus mehr als die Aneinanderreihung verschiedener Übungsfolgen, weswegen ich es eben als meine Mindstyle-Bibel bezeichne.

II. Ernährung: Maya Fiennes widmet sich auch der Ernährung – unter anderem mit köstlichen Smoothierezepten – und erinnert ohne erhobenen Zeigefinger daran, dass unser Körper eher einem Tempel gleichen sollte – keiner Müllkippe. Damit erfindet sie das Rad nicht neu, schon klar. Und theoretisch weiß ich selbst-ver-ständ-lich, womit ich meinem Körper was Gutes tue. Leider vergesse ich das aber auch gerne mal und da ich in einigen Punkten recht einfach gestrickt bin, bringt mich ansprechend gestalteter Lesestoff schnell wieder auf Kurs. Bis zum nächsten Mal…

III. Gedanken:  Und dann ist da noch die Sache mit den Gedanken – ein Themenkomplex, dem im Buch ebenso viel Platz gewidmet wird wie den Yogaübungen. Finde ich sehr sinnvoll, denn auf die Gedanken kommt es an und das sogar noch viel mehr als auf die perfekt ausgeführte Yogaübung. Beachtenswert die folgenden Worte:

„Du wirst, was du denkst.“ (Mahatma Gandhi)

 

Woraus folgt: Emsig ins Studio rennen, um sich endlich in der neuen Kollektion von Christy Turlington bewundern zu lassen, hinterher mit einer Mischung aus Arroganz und Verachtung über die unerleuchtete Restmenschheit lächeln und zu Hause angekommen erstmal Partner und Kinder zusammenfalten, weil weder der Müll rausgebracht wurde noch das Zimmer aufgeräumt ist – das ist kein Yoga. War klar, oder? Das wäre nämlich zu einfach.

Ich vergleiche das Gewusel in meinem Kopf ja gerne mit einem kleinen Gärtchen, das sorgfältig gehegt und gepflegt werden will. Witzigerweise käme ich nie darauf, Tomaten anzupflanzen, wenn ich Erdbeeren ernten will – fragt nicht, wie das bei der Wahl meiner Gedanken aussieht. 😉 Auf jeden Fall brauche ich immer mal wieder einen Tritt in den Allerwertesten und genau hier kommt Maya ins Spiel, obwohl das, was sie lehrt, hm… nicht wirklich zeitgemäß ist. Es geht nicht um höher, schneller, weiter oder darum, die perfekte Rolle zu spielen. Es geht um Selbstannahme und vor allem darum, sich in seiner Haut wohlzufühlen- und zwar genau so, wie man gerade ist, fernab von Perfektions- und Selbstoptimierungszwang und unabhängig davon, ob die Frisur gerade sitzt oder die Waage zusammenbricht. Im Zusammenspiel mit anderen kommen Mitgefühl, Toleranz und ähnlich „uncoole“ Werte zum Tragen. Hochtrabende Ziele und ehrlich gesagt auch nichts für Feiglinge. Ich male ja gelegentlich den Teufel an die Wand und stellt euch mal vor… ihr seid die Authentizität in Person und zeigt euch eben so, wie ihr seid – und keiner mag euch! Na gut, das kann wohl passieren, wenn’s ganz dumm läuft. Muss mal schauen, ob dieses Worst-Case-Szenario im Buch beschrieben wird. Gut, damit es aber gar nicht so weit kommt, ist es wohl sinnvoll, die Gedanken sehr bewusst auszuwählen und sich für die zu entscheiden, die einem guttun oder die wenigstens niemanden absichtlich verletzten – im Anfängerstadium bäckt man halt kleinere Brötchen und wunderbare „Backrezepte“ finde ich im Buch.

 

Nimmst du noch wahr oder bewertest du schon? 

 

Weiteres zentrales Thema: Achtsam und entspannt zu sein – schon schwer genug! – und das auch noch im gegenwärtigen Moment. Wisst ihr, wie schwer das ist? Einfach nur bewusst wahrzunehmen „Ich sitze mit meinem Partner, der die Arme verschränkt hält, im Café“ und Punkt? Und zwar ehe es zu folgendem Szenario kommt? „Er hat die Arme verschränkt. Warum tut er das? Er langweilt sich mit mir! Aaaaaahhhhh… und wie er der Frau da hinterherschaut! Er findet sie bestimmt viel hübscher als mich! Er wird mich verlassen, weil ich hässlich und langweilig bin… – ähm… ja, so eben nicht. Ich versichere euch, dass der Nachmittag wesentlich angenehmer läuft, wenn ihr die Arme als das nehmt, was sie sind: Eine Körperhaltung und eine Momentaufnahme, die nichts über den weiteren Verlauf der Beziehung sagt. 😉

Gebe zu, dass das alles furchtbar unglamourös klingt. Genau genommen sogar super moralisch. Ist es aber nicht. Und das liegt an den wohltuend persönlichen Worten, die einem das Gefühl geben, einer guten Freundin zuzuhören. Außerdem sind die Kapitel sehr liebevoll und abwechslungsreich gestaltet und neben wunderbaren Denkanstößen gibt es handfeste Tipps und inspirierende Bilder, so dass ich gar nicht auf die Idee kommen würde, dass hier jemand mit missionarischem Eifer die Besserwisserkeule schwingen wollte.

 

Fazit: Ein rundum gelungenes, absolut alltagstaugliches Gesamtpaket, aus dem sich jeder das rauspicken kann, was ihn am meisten inspiriert und motiviert.  Absolute Leseempfehlung von mir – aber ich bin, das sagte ich bereits, auch nicht objektiv. 😉 Für Fans von Maya Fiennes ist das Buch ein Muss, weil es sehr persönlich geschrieben ist und zudem zahlreiche Anekdoten unaufdringlich in den Text einfließen, was in diesem Fall eine absolute Bereicherung ist und nicht – wie so oft – der Selbstdarstellung dient. Wunderschön und sehr sympathisch auch die Fotos, die gelegentlich fast den Anschein eines privaten Fotoalbums erwecken –  natürlich auf hohem Niveau.

Yoga for Real Life ist für mich das i-Tüpfelchen, das meine DVD-Sammlung krönt. Wer hinterher allerdings wirklich Kundalini Yoga praktizieren möchte, legt sich wohl besser die eine oder andere DVD zu, denn die kann das Buch nicht ersetzen – allerdings wird das auch nirgendwo versprochen. 😉

 

 

[Beitragsbild: erstellt mit Canva u. privat]

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